22.10.2019 14:00:14

Positive Marktstimmung lastet auf Gold

Energie – Mehr Öl aus Norwegen, aber wohl nicht aus Kanada: Die Ölpreise standen gestern unter Abgabedruck. Brent fiel zeitweise auf 58 USD je Barrel. Marktbeobachter machten zunehmende Nachfragesorgen dafür verantwortlich, was im Widerspruch zu den Aktienmärkten steht, die wegen Hoffnungen einer Annäherung im Handelsstreit deutlich zulegten. Selbst robuste Daten zur Ölnachfrage aus China verfingen zuletzt nicht (siehe TagesInfo Rohstoffe vom Freitag). Stattdessen fokussierte man sich auf die nachlassende Dynamik des chinesischen Wirtschaftswachstums. Am Ölmarkt ist das Glas offensichtlich halbleer und nicht halbvoll. Eine Rolle hierfür könnte spielen, dass die Ölproduktion im riesigen Offshore-Ölfeld Johan Sverdrup in der Nordsee angelaufen ist. Laut der norwegischen Betreiberfirma sind die ersten Mengen Öl über eine Pipeline am Verladeterminal Mongstad angekommen. Bis Mitte 2020 soll das Ölfeld eine Tagesproduktion von 440 Tsd. Barrel erreichen. Das Nicht-OPEC-Angebot steigt also nicht nur in den USA, sondern auch andernorts. Für die OPEC bedeutet dies ein weiterer Verlust an Marktanteilen.

Aus Kanada dürfte dagegen kaum mehr Öl an den Markt gelangen. Premierminister Trudeau ging mit seiner Liberalen Partei trotz Verlusten als Sieger aus den gestrigen Parlamentswahlen hervor. Er benötigt für Gesetzesvorhaben künftig aber die Stimmen einer weit links stehenden Partei, die den Bau neuer Pipelines ablehnt. Die fehlenden Pipelinekapazitäten dürften das Wachstum der kanadischen Ölproduktion erschweren. Das in der Provinz Alberta geförderte Öl muss mit der Eisenbahn transportiert werden, was nur bei beträchtlichen Preisabschlägen gegenüber WTI rentabel ist. Um ein Überangebot und zu niedrige Preise zu verhindern, gibt es seit Jahresbeginn von der Provinz angeordnete Produktionseinschränkungen, die seither schrittweise gelockert wurden.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle – Positive Marktstimmung lastet auf Gold: Am Markt wuchs gestern die Hoffnung auf die Unterzeichnung eines Teilabkommens zwischen den USA und China beim APEC-Treffen Mitte November, womit eine weitere Zollanhebung im Dezember möglicherweise vermieden werden könnte. So zumindest äusserte sich gestern Trumps Wirtschaftsberater Kudlow. Gleichzeitig besteht am Markt weiterhin Zuversicht, dass ein ungeregelter Brexit vermieden werden kann. Noch ist allerdings vollkommen unklar, wann das mit der EU ausgehandelte Brexit-Abkommen im britischen Unterhaus zur Abstimmung kommt. Die für gestern vorgesehene Abstimmung wurde vom Parlamentssprecher nicht zugelassen. Damit wird eine abermalige Verschiebung des Austrittsdatums immer wahrscheinlicher. In dieser Gemengelage legten die Aktienmärkte gestern merklich zu. Gold war als sicherer Hafen entsprechend weniger gefragt und fiel auf 1.485 USD je Feinunze. Gold in Euro verzeichnete bei 1.328 EUR je Feinunze ein 2-Monatstief. Wie so häufig in den letzten Wochen werden Preisrückgänge von ETF-Anlegern als Kaufgelegenheit erachtet. Gestern gab es erneute Zuflüsse von 2,6 Tonnen in die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs. Seit Monatsbeginn summieren sich die Zuflüsse auf 33 Tonnen, wobei es lediglich an zwei Handelstagen Abflüsse gab. Silber stieg gestern kurzzeitig auf knapp 18 USD je Feinunze, gab die Gewinne im Handelsverlauf im Zuge des fallenden Goldpreises aber wieder ab. Im Gegensatz zu Gold gab es bei Silber zuletzt ETF-Abflüsse, die auch die ETF-Bestände unter das Niveau zu Monatsbeginn drückten. Palladium handelt weiterhin in der Nähe des in der letzten Woche verzeichneten Rekordhochs.

Industriemetalle –Bei Kupfer dürften die Schmelzen höhere Gebühren verlangen: Bis jetzt haben die Proteste in Chile wohl keinerlei Einfluss auf die dortige Minenindustrie gehabt. Chile ist der weltgrösste Kupferproduzent, der im Vorjahr mit 5,8 Mio. Tonnen fast 30% der globalen Minenproduktion verantwortet hat. Heute wollen die Bergarbeiter in der weltgrössten Kupfermine Escondida als Zeichen der Solidarität mit den Protestierenden einen eintägigen Streik abhalten. Sollte der Streik länger andauern, dürfte das den Kupfermarkt beeinflussen. Die Verfügbarkeit von Kupferkonzentrat hat sich in den letzten Wochen wieder etwas erhöht. In der ersten Jahreshälfte hat der weltweite Kupferraffinademarkt ein Defizit von 220 Tsd. Tonnen verzeichnet. Deshalb sind auch die Verarbeitungs- und Raffineriegebühren (TC/RC), die Schmelzen für die Verarbeitung von Kupferkonzentrat von den Minenproduzenten verlangen, massiv gesunken. In China, wo sich die meisten Schmelzkapazitäten weltweit befinden, fielen diese von 92 USD pro Tonne (TC) bzw. 9,2 US-Cents pro Pfund (RC) im ersten Quartal auf ein Siebenjahrestief von 55 USD bzw. 5,5 US-Cents im dritten Quartal. Nun hat das China Smelters Purchase Team (CSPT) dank einer höheren Verfügbarkeit von Konzentrat für das vierte Quartal einen Anstieg um 20% auf 66 USD bzw. 6,6 US-Cents angekündigt. In die traditionell im November stattfindenden Gespräche über langfristige Benchmarks mit den Minenproduzenten gehen das CSPT, dessen Mitgliederzahl durch zwei neue Mitglieder mit einer Produktionskapazität von 450 Tsd. Tonnen p.a. auf nunmehr 12 anwachsen sollte, mit einer breiten Brust.

 

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