12.12.2019 13:30:02

Palladium übertrifft Rekordhoch von Gold

Energie: OPEC erwartet für 2020 ausgeglichenen Ölmarkt

Der Brentölpreis handelt am Morgen bei 64 USD je Barrel und hat damit die Verluste von gestern Nachmittag wieder aufgeholt. Nach der Veröffentlichung der US-Lagerdaten waren die Ölpreise zwischenzeitlich um 1 USD abgesackt. Denn das US-Energieministerium berichtete für die letzte Woche einen unerwarteten Anstieg der Rohölvorräte und einen kräftigen Aufbau der Lagerbestände von Ölprodukten. Der Lagerbericht des API am Vortag hatte dies aber bereits angedeutet, so dass die scharfe Preisreaktion doch etwas überraschend kam und somit auch nicht von Dauer war. Zudem herrscht am Markt weiterhin Optimismus vor, dass die Ende letzter Woche beschlossenen Produktionskürzungen der OPEC+ ein Überangebot am Ölmarkt verhindern werden. Dieser Optimismus wurde auch durch den gestern veröffentlichten OPEC-Monatsbericht unterstützt. Die OPEC sieht den Ölmarkt im nächsten Jahr im Grossen und Ganzen ausgeglichen, wenn man den jahresdurchschnittlichen Bedarf an OPEC-Öl mit der aktuellen OPEC-Produktion vergleicht. Für das erste Halbjahr 2020 erwartet die OPEC ein Überangebot, was die Notwendigkeit für die beschlossenen zusätzlichen Produktionskürzungen unterstreicht. Die OPEC geht weiterhin davon aus, dass das Nicht-OPEC-Angebot im nächsten Jahr doppelt so stark steigen wird wie die globale Nachfrage, der Bedarf an OPEC-Öl also deutlich fällt. Die Internationale Energieagentur teilt unsere Einschätzung, dass die beschlossenen zusätzlichen Produktionskürzungen der OPEC+ nicht ausreichen werden, um ein Überangebot im ersten Quartal 2020 zu verhindern. Die IEA beziffert den Angebotsüberschuss auf 1,2 Mio. Barrel pro Tag. Dem steht lediglich eine effektive Produktionskürzung um 532 Tsd. Barrel pro Tag gegenüber, wenn sich alle Länder der OPEC+ an die vereinbarten Vorgaben halten.

Edelmetalle: Taubenhafte Fed gibt Gold Auftrieb

Gold hat sich gestern den ganzen Tag über relativ stark gezeigt und ist auf 1.475 USD je Feinunze gestiegen. Einen Schub gab dabei am Abend das Kommuniqué der US-Notenbank Fed nach ihrer Sitzung: Sie hat die Geldpolitik unverändert beibehalten und klar gemacht, dass sie am aktuellen Zinsniveau noch länger festhalten will, sofern sich der wirtschaftliche Ausblick nicht gravierend ändert. Sie betonte zudem Abwärtsrisiken für die US-Wirtschaft. Eine Zinsanhebung scheint unseres Erachtens auch deshalb weit entfernt, da zum Beispiel der Fed-Vorsitzende Powell hierfür in der anschliessenden Pressekonferenz einen „signifikanten und anhaltenden“ Anstieg der Inflation voraussetzte. Unsere Volkswirte gehen weiter davon aus, dass die Fed die Zinsen im nächsten Jahr noch einmal senken wird – möglicherweise im Frühjahr –, um einem Wirtschaftsabschwung vorzubeugen. Dies ist unseres Erachtens positiv für Gold. Heute werden die Marktteilnehmer auf die EZB-Sitzung schauen, die erste unter der neuen Präsidentin Lagarde. Viel Neues zur EZB-Geldpolitik erwarten wir jedoch nicht. Es besteht aber die Gefahr, dass der Markt die Worte von Lagarde fehlinterpretiert, da sie eigenen Aussagen zufolge die „Notenbanksprache“ erst noch erlernen muss. Neben der EZB wird der Fokus auf der Parlamentswahl in Grossbritannien liegen. Jüngsten Umfragen zufolge ist der Vorsprung der konservativen Partei von Premierminister Johnson geschmolzen, so dass es vielleicht doch noch spannend werden könnte. Die Wahl wird richtungsweisend sein, ob ein geregelter Brexit Ende Januar gelingen kann oder die Hängepartie weitergeht.

Palladium übertrifft Rekordhoch von Gold

Palladium ist nicht zu bremsen: Heute Morgen steigt es auf ein neues Rekordhoch von 1.925 USD je Feinunze. Damit ist es teurer als Gold es jemals war. Gold hatte im September 2011 mit 1.921 USD sein bisheriges Rekordhoch markiert. Seit Jahresbeginn hat sich Palladium mittlerweile um 52% verteuert. Auch wenn wir den starken Preisanstieg für übertrieben erachten, ist kein Ende der Rally in Sicht. Neben Palladium hat Platin den zweiten Tag in Folge deutlich zugelegt: Gestern stand ein Plus von 2% auf 940 USD je Feinunze zu Buche. Dies dürfte noch mit den Stromausfällen in Südafrika zusammenhängen.

Industriemetalle: starker Aufbau der Nickel- und Aluminiumvorräte

Der Nickelpreis hat gestern einen ordentlichen Schluck aus der Pulle genommen und ist um 3,3% gestiegen. Die Erholungsbewegung setzt sich heute Morgen fort. Erstmals seit zwei Wochen hat der Preis die Marke von 14.000 USD je Tonne überwunden. Auch in Shanghai zieht Nickel spürbar an. Wir führen dies in erster Linie auf die Eindeckung von Short-Positionen (sog. short covering) nach dem starken Preisrückgang in den Wochen zuvor zurück. Laut Bloomberg wurden an der SHFE per gestern die Netto-Short-Positionen bei Nickel deutlich reduziert. Laut der LME-Statistik zur Marktpositionierung sind die spekulativen Finanzinvestoren in London schon seit drei Wochen wieder optimistischer geworden. Dies hatte bis Ende letzter Woche jedoch kaum Auswirkungen auf den Preis. Dass der jetzige Preisanstieg grossteils spekulativ getrieben ist, wird unseres Erachtens auch darin ersichtlich, dass starke Anstiege der Nickelvorräte in den LME-Lagerhäusern ignoriert wurden. In nur drei Tagen wurden die Lagerbestände um 52,8 Tsd. Tonnen bzw. 76% aufgestockt. Mit rund 122 Tsd. Tonnen liegen sie allerdings nach wie vor auf einem relativ niedrigen Niveau. Auch die Aluminiumvorräte sind wieder stark gestiegen. In den LME-Lagerhäusern liegen jetzt wieder 1,34 Mio. Tonnen Aluminium. Höher waren die Bestände zuletzt vor 1½ Jahren. Der aktuelle Lageraufbau begann Mitte November. Seitdem wurden die Aluminiumvorräte um 43% aufgestockt.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

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