17.10.2019 13:30:40

Palladium setzt Höhenflug ungebremst fort

Energie – Ölpreise geben nach, kräftiger US-Lageraufbau und IEA-Äusserungen belasten: Die Ölpreise geben am Morgen nach. Brent fällt unter 59 USD je Barrel, WTI rutscht unter 53 USD. Gasöl hält sich dagegen besser und handelt kaum verändert bei 585 USD je Tonne, weil sich der Gasöl-Brent-Crackspread auf 18,7 USD je Barrel ausweitet. Abgesehen von einem Tag im November 2018 lag der Crackspread zuletzt vor sieben Jahren höher. Hier kommt die Anfang 2020 in Kraft tretende strengere Regulierung von Schiffskraftstoffen (IMO 2020) zur Geltung, die mit einer höheren Nachfrage nach Marinegasöl einhergehen wird. Dass sich dies noch nicht in einem höheren Gasölpreis zeigt, liegt am Rückgang der Rohölpreise. Gegenwind erhalten die Ölpreise am Morgen durch den unerwartet kräftigen Anstieg der US-Rohölbestände in der letzten Woche um 10,5 Mio. Barrel, den das API gestern Abend nach Handelsschluss berichtete. Auch in Cushing gab es einen beträchtlichen Lageraufbau. Das US-Energieministerium veröffentlicht die offiziellen Lagerdaten heute Nachmittag. Der laut einer Bloomberg-Umfrage erwartete Anstieg um 2,5 Mio. Barrel könnte sich nach den gestrigen API-Zahlen als zu niedrig erweisen. Der Chef der Ölindustrie- und Marktabteilung der Internationalen Energieagentur schüttete gestern neues Wasser auf die Mühlen der Ölbären. Er sieht die OPEC+ im Jahr 2020 vor einer grossen Herausforderung, das Ölpreisniveau auf einem für die Länder komfortablen Niveau zu halten. Als Grund nannte er eine mögliche weitere Verlangsamung des Nachfragewachstums und eine “Welle neuen Angebotswachstums” aus den USA, Brasilien und der Nordsee. An einer weiteren Produktionskürzung führt daher u.E. kein Weg vorbei. Dies geht allerdings auf Kosten eines weiteren Verlustes an Marktanteilen.

Edelmetalle – Palladium doppelt so teuer wie Platin: Gold war gestern zunächst weiter im Korrekturmodus. Am Nachmittag sorgten dann aber schwache US-Einzelhandelsumsätze für eine zwischenzeitliche Erholung. Mittlerweile gibt Gold erneut nach, da weitere Hoffnungen hinsichtlich der Brexit-Verhandlungen aufgekommen sind. Sowohl von der EU als auch von Grossbritannien ist zu vernehmen, dass heute ein Austrittsabkommen erreicht werden könnte. Heute und morgen findet der entscheidende EU-Gipfel zum Brexit statt. Am Wochenende müsste dann allerdings noch das britische Parlament seine Zustimmung geben.

Gemäss Angaben des Verbands der europäischen Automobilproduzenten (ACEA) wurden in der EU im September 14,5% mehr Autos neu zugelassen als im Vorjahr. Diese Zahl scheint aber nur auf den ersten Blick positiv. Denn die Vergleichsbasis, also der Vorjahreswert, war sehr niedrig. Der September 2018 war der erste Monat nach Einführung des neuen WLTP-Abgastests und die Autoneuzulassungen waren in diesem Monat um 23,5% eingebrochen. Die nächsten Daten zu den Autoneuzulassungen, die wahrscheinlich ebenfalls positiv ausfallen dürften, sollten daher mit Vorsicht betrachtet werden. Der EU-Automarkt ist nach wie vor in der Krise. Sie könnte sich sogar verschlimmern, sollte US-Präsident Trump im November Zölle auf Autoimporte aus der EU verhängen. Platin und Palladium haben auf die gestrigen Daten kaum reagiert. Platin ist zeitweise unter 880 USD je Feinunze gefallen, Palladium hat unbeirrt seinen Höhenflug auf über 1.780 USD je Feinunze fortgesetzt. Erstmals überhaupt war Palladium damit doppelt so teuer wie Platin.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Industriemetalle – globale Aluminiumnachfrage wird immer schwächer: Der Aluminiumpreis zeigt sich in dieser Woche bislang zwar stabil bei gut 1.720 USD je Tonne, er notiert damit aber nur knapp über seinem Tief von Anfang des Monats. Am Aluminiummarkt trüben sich die Nachfrageaussichten immer weiter ein. Ein grosser US-Aluminiumproduzent hat gestern im Rahmen seiner Quartalsberichterstattung wegen der schwächelnden Weltwirtschaft und der Handelskonflikte zum dritten Mal in diesem Jahr seine Nachfrageprognose nach unten revidiert. Auf globaler Ebene soll die Aluminiumnachfrage in diesem Jahr jetzt sogar um bis zu 0,6% zurückgehen. Zuvor ging der Produzent immerhin noch von einem kleinen Plus aus. Vor ein paar Wochen hatte bereits das unabhängige Research-Institut CRU für 2019 einen Rückgang der Aluminiumnachfrage ausserhalb Chinas prognostiziert. Für das nächste Jahr zeigte sich der US-Produzent wieder etwas optimistischer. Damit die Aluminiumnachfrage steigt, müssen aber die Unsicherheiten verschwinden. Die schwachen Nachfrageaussichten sprechen unseres Erachtens gegen spürbar steigende Aluminiumpreise.

Entspannung am Nickelmarkt: Der Nickelpreis befindet sich aktuell im Korrekturmodus. Gestern ist Nickel um über 3% gefallen. Es handelt heute Morgen bei gut 16.000 USD je Tonne auf einem 7-Wochentief. Die International Nickel Study Group (INSG) berichtete für August einen ausgeglichenen globalen Nickelmarkt. In den ersten acht Monaten des Jahres blieb das Angebot demnach um knapp 45 Tsd. Tonnen hinter der Nachfrage zurück. Zur gleichen Zeit im Vorjahr bestand noch ein Defizit von über 111 Tsd. Tonnen. Die Entspannung am Nickelmarkt ist auf eine deutliche Angebotsausweitung zurückzuführen: Die Minenproduktion legte gemäss INSG-Daten in diesem Jahr bislang um 8% zu, die Raffinadeproduktion sogar um über 9%.

 

 

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