17.01.2020 13:30:06

Palladium jetzt wertvollstes börsengehandeltes Edelmetall

Energie: IEA sieht Ölmarkt reichlich versorgt

Die Internationale Energieagentur sieht den Ölmarkt im ersten Halbjahr 2020 reichlich versorgt. Der Bedarf an OPEC-Öl soll laut IEA bei durchschnittlich 28,5 Mio. Barrel pro Tag liegen. Verglichen mit der gemeldeten OPEC-Produktion im Dezember beträgt das Überangebot damit ca. 1 Mio. Barrel pro Tag. Grund ist das kräftig steigende Nicht-OPEC-Angebot, das ca. 1 Mio. Barrel pro Tag stärker zulegen soll als die globale Nachfrage. Die OPEC hat daher u.E. keine andere Wahl, als die bestehenden Produktionskürzungen über März hinaus zu verlängern und zu vertiefen. Die reichliche Versorgung bildet auch einen Puffer für unvorhergesehene Angebotsausfälle. So erklärt sich auch die verhaltene Preisreaktion auf die Eskalation im Mittleren Osten zu Jahresbeginn.

Hohe chinesische Ölimporte wegen hoher Raffineriekapazitäten

Die massiven Investitionen in die Ölraffineriekapazitäten in China haben diese im Vorjahr um 28,5 Mio. auf insgesamt 860 Mio. Tonnen steigen lassen. Entsprechend wurden 2019 mit 652 Mio. Tonnen bzw. gut 13 Mio. Barrel täglich 7,6% mehr Rohöl verarbeitet als im Vorjahr. Gleichzeitig ist die chinesische Ölproduktion nur um 0,8% ggü. Vorjahr gestiegen. Die sehr hohen Rohölimporte Chinas sind also vor allem massiven Investitionen in die Verarbeitungskapazitäten und einer stagnierenden Eigenproduktion geschuldet. Doch für den Ölmarkt ist vor allem entscheidend, wie sich die Binnennachfrage Chinas in den kommenden Monaten verhalten wird. So ist die Ölnachfrage in China im Oktober laut IEA um 720 Tsd. Barrel täglich ggü. Vorjahr gestiegen. Sie machte damit den Löwenanteil des gesamten Anstieges von 955 Tsd. Barrel aus. Die Daten aus China wie etwa die heutigen BIP-Zahlen oder die Dezember-Industrieproduktion deuten auf eine Stabilisierung der Konjunktur schon im Vorfeld des Handelsabkommens hin. Man darf also vorsichtig optimistisch für die Ölnachfrage in diesem Jahr gestimmt sein.

Bislang keine Unterstützung für Diesel durch IMO 2020

Der Gasölpreis weist seit Jahresbeginn mit einem Minus von knapp 7% eine deutlich schwächere Entwicklung auf als der Brentölpreis (-2%). Abzulesen ist dies auch am Gasöl/Brent-Crackspread, der gestern auf das niedrigste Niveau seit Mitte 2019 zurückgegangen ist. Angesichts der seit Anfang Januar geltenden strengeren Regulierung für Schiffskraftstoffe kommt dies überraschend, da diese mit einem höheren Bedarf an schwefelarmen Kraftstoffen wie Marine-Gasöl einhergeht. Marine-Gasöl macht allerdings nur 5% des gesamten Diesel/Gasöl-Segmentes aus. In anderen Bereichen ist die Nachfrage dagegen deutlich verhaltener. So verringern die derzeit ungewöhnlich milden Temperaturen den Bedarf an Heizöl. Hinzu kommt als weiterer nachfragebremsender Faktor die weiterhin schwache Industriekonjunktur. Solange diese Belastungsfaktoren Bestand haben, dürfte sich an der schwachen Entwicklung des Gasölpreises wenig ändern.

Edelmetalle: Palladium jetzt wertvollstes börsengehandeltes Edelmetall

Die Palladium- und Platinpreise sind gestern Achterbahn gefahren: Zunächst stiegen sie bis in den Nachmittag hinein deutlich, gaben anschliessend fast alle ihre Gewinne ab und zogen Richtung Handelsende doch wieder an. Palladium war zwischenzeitlich fast 6% im Plus. Es sprang auf ein neues Rekordhoch von knapp 2.400 USD je Feinunze. Damit hat es auch das Allzeithoch von Platin überschritten, das dieses im März 2008 erreicht hatte. Palladium ist jetzt also teurer als Platin es jemals war. Mitte Dezember hatte Palladium bereits das Rekordhoch von Gold überschritten. Palladium ist nach dem jüngsten Anstieg somit das wertvollste der vier börsengehandelten Edelmetalle. Neue Nachrichten ausser den guten EU-Autoneuzulassungszahlen, über die wir gestern hier berichtet hatten, gab es nicht. Palladium wird offenbar nach wie vor von Sorgen über eine anhaltende Angebotsknappheit getrieben. Diese spiegelt sich auch in den Leihesätzen wider, die in den letzten Wochen gestiegen sind. Für die Verbraucher von Palladium ist es also schwieriger, Material zu bekommen. Platin hat mit dem zeitweisen Anstieg auf über 1.040 USD je Feinunze den höchsten Stand seit fast drei Jahren erreicht. Es hat sich zuletzt anscheinend vom starken Preisanstieg von Palladium anstecken lassen. Neben technischen dürften auch spekulative Käufe den Platinpreis nach oben getrieben haben. Denn im Gegensatz zu Palladium ist der Platinmarkt im Überschuss.

Industriemetalle: China hat 2019 fast 1 Mrd. Tonnen Stahl produziert

Chinas Wirtschaft hat sich gegen Jahresende stabilisiert. Darauf deuten zumindest die heute vom Nationalen Statistikbüro (NBS) veröffentlichten Konjunkturdaten hin. So lagen die Industrieproduktion und die Anlageinvestitionen im Dezember (deutlich) über den Erwartungen. Die gesamte Wirtschaft ist im vierten Quartal wie erwartet um 6% gewachsen. Für 2019 als Ganzes gibt das NBS ein BIP-Wachstum von 6,1% an. Dieses ist die niedrigste Wachstumsrate seit fast 30 Jahren und zeigt, dass Chinas Regierung die Wirtschaft weiter kontrolliert abkühlen lässt. Konkrete Ziele für 2020 werden im Rahmen des Nationalen Volkskongresses Anfang März bekannt gegeben. Die Metallpreise reagieren auf die durchaus soliden chinesischen Zahlen noch relativ verhalten: Sie sind zum Wochenausklang nur leicht fester.

Wie heute Morgen vom NBS ebenfalls veröffentlicht wurde, hat China im letzten Jahr eine rekordhohe Menge Stahl produziert. Dabei wurde die Marke von 1 Mrd. Tonnen nur leicht verfehlt. Die gut 996 Mio. Tonnen bedeuten einen Anstieg um 8,3% gegenüber Vorjahr. Die hohe Produktion ist laut Angaben des Verbands der chinesischen Eisen- und Stahlproduzenten das Resultat einer robusten Stahlnachfrage, die 2019 um 6% gestiegen sein soll. Getrieben wurde die Nachfrage dabei durch den robusten Immobilienmarkt und durch Infrastrukturinvestitionen. Trotz des hohen Nachfragewachstums war der chinesische Stahlmarkt im letzten Jahr überversorgt. Medienberichten zufolge will China daher den Bau neuer Produktionskapazitäten verbieten und die Einhaltung von Umweltauflagen besser überwachen.

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