20.05.2019 14:35:54

OPEC+ hält an Produktionskürzungen fest

Energie: Die Ölpreise starten mit deutlichen Zugewinnen in die neue Handelswoche. Brent legt um gut 1 USD auf 73,4 USD je Barrel zu. Auslöser waren Kommentare des saudi-arabischen Energieministers al-Falih am Rande eines Treffens von Ministern der an den Produktionskürzungen beteiligten Länder (OPEC+) gestern in Dschidda. Dieser hat Spekulationen auf eine kurzfristige Anhebung der Fördermenge gedämpft. In der Gruppe herrscht al-Falih zufolge Einigkeit, dass die Lagerbestände weiter abgebaut werden müssten. Zudem deutet vieles auf eine Verlängerung des Kürzungsabkommens bis Jahresende hin, wobei die vereinbarte Produktionsmenge nach oben angepasst werden dürfte. Im Gespräch ist dabei eine Rückkehr zu einer 100%-igen Umsetzung der vereinbarten Kürzungen. Daraus würde sich Spielraum für eine Anhebung der Fördermenge um ca. 800 Tsd. Barrel pro Tag ergeben. Eine andere diskutierte Alternative ist, die vereinbarte Produktionskürzung von aktuell 1,2 Mio. auf dann 900 Tsd. Barrel pro Tag zurückzunehmen. Eine Entscheidung darüber wird auf der „OPEC+“-Sitzung Ende Juni fallen. Ein weiterer preistreibender Faktor bleibt der Iran-Konflikt. US-Präsident Trump hat am Wochenende dem Iran für den Fall eines Kampfes mit dessen Ende gedroht. („If Iran wants to fight, that will be the official end of Iran.“) Ein Vertreter des US-Aussenministeriums warnte den Iran, dass Angriffe auf US-Personal und Einrichtungen durch irannahe Milizen zu einer entschiedenen Antwort führen würden. Angesichts dieser Gemengelage dürften die Ölpreise weiter steigen und die Hochs von Ende April in Angriff nehmen.

Edelmetalle: Gold zeigt sich zum Wochenauftakt weiter von seiner schwachen Seite, nachdem es am Freitag schon deutlich auf 1.275 USD je Feinunze gefallen war, obwohl die Spannungen im Mittleren Osten weiter zugenommen haben, die Aktienmärkte gefallen und neue Unsicherheiten im Handelsstreit aufgekommen sind. Neben dem festen US-Dollar könnte die Abwertung des Chinesischen Yuan ein weiterer Grund für die Goldpreisschwäche gewesen sein. Ein schwächerer CNY verteuert Gold in der chinesischen Währung gerechnet, was die Goldnachfrage dort belastet. China ist der weltweit grösste Goldkonsument. Den Preisrückgang am Freitag haben aber immerhin einige Marktteilnehmer zu Goldkäufen genutzt: Den Gold-ETFs sind 4,1 Tonnen zugeflossen. Die anderen Edelmetalle standen am Freitag teilweise deutlich stärker unter Druck als Gold. Sie wurden nicht nur von Gold belastet, sondern auch von den schwachen Industriemetallen mit nach unten gezogen. Mit einem Minus von 1,8% war Platin der grösste Verlierer. Palladium gab um 1,5% nach. Dass US-Präsident Trump die Einführung von Importzöllen auf Autos offiziell um 180 Tage verschoben hat, spielte da keine Rolle. Auch die zuvor veröffentlichten Autoabsatzzahlen in der EU wurden ignoriert, obwohl sich der Automarkt in dieser Region im April stabilisiert hat: Die Neuzulassungen lagen fast auf dem Niveau des Vorjahres. Platin verliert allerdings die Unterstützung der spekulativen Finanzinvestoren: Diese haben laut CFTC-Statistik in den letzten beiden Wochen ihre Netto-Long-Positionen um 40% abgebaut.

Industriemetalle: Nach dem schwachen Wochenausklang im Zuge der neuerlichen Unsicherheiten im Handelsstreit zwischen den USA und China starten die Metallpreise zumeist mit Abschlägen in die neue Handelswoche. Kupfer fällt Richtung 6.000 USD je Tonne, Zink verbilligt sich auf 2.570 USD und Aluminium gibt auf 1.820 USD nach. In einem Telefonat am Wochenende zwischen dem chinesischen Aussenminister Wang Yi und seinem US-Amtskollegen Michael Pompeo warnte Wang die USA davor, „nicht zu weit zu gehen“. China sei zwar gewillt, die Handelsstreitigkeiten durch Verhandlungen auf Augenhöhe zu lösen, es würde aber auch seine rechtmässigen Interessen schützen. Dies spricht unseres Erachtens nicht für eine schnelle Einigung. Zum Preisrückgang von Aluminium – es verlor schon am Freitag 1,2% – dürfte auch die Aufhebung der US-Importzölle auf Aluminium und Stahl aus Kanada und Mexiko beigetragen haben. Dies reduziert die Unsicherheit im nordamerikanischen Markt und sollte wieder zu reibungslosen Handelsströmen zwischen den Ländern führen. Kanada ist der grösste Aluminiumlieferant der USA. Die USA hatten die Zölle vor knapp einem Jahr aus Gründen der nationalen Sicherheit verhängt. Auch die Ratifizierung des NAFTA-Nachfolgeabkommens dürfte jetzt wahrscheinlicher geworden sein. Sollte das International Aluminium Institute später eine anhaltend hohe Aluminiumproduktion auf globaler Ebene berichten, könnte der Aluminiumpreis weiter fallen.

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