23.05.2019 14:48:02

Ölpreise unter Druck

Energie: Die US-Rohöllagerbestände stiegen in der letzten Woche unerwartet deutlich um 4,7 Mio. Barrel. Die Benzinbestände verzeichneten ebenfalls einen überraschenden Anstieg um 3,7 Mio. Barrel. Die Ölpreise gerieten daraufhin unter Druck. Brent nähert sich wieder der Marke von 70 USD je Barrel, wozu auch Nachfragesorgen wegen des US-chinesischen Handelskonflikts beitragen. Bei der Beurteilung der Situation am globalen Ölmarkt ist der alleinige Blick auf die Lagerentwicklung in den USA allerdings irreführend. Diese wird stark durch US-spezifische Faktoren wie die steigende heimische Ölproduktion und unzureichende Pipelinekapazitäten beeinflusst. Im Zuge dessen notiert WTI weiter mit einem deutlichen Abschlag von fast 10 USD gegenüber Brent. Zudem könnte Saudi-Arabien mit Blick auf die weiter steigenden US-Bestände noch vorsichtiger werden, die Produktion anzuheben. Wegen der verschärften US-Sanktionen kommt dagegen weniger Öl aus dem Iran an den Markt. So hat die Türkei eigenen Angaben zufolge im Mai kein iranisches Öl mehr gekauft. Wir erachten die derzeitige Preisschwäche daher als vorübergehend.
Die Erdgasproduktion aus dem niederländischen Gasfeld Groningen könnte nach dem gestrigen Erdbeben noch schneller reduziert werden. Bislang ist vorgesehen, die Jahresproduktion so schnell wie möglich auf weniger als 12 Mrd. Kubikmeter zu senken, um seismische Risiken zu minimieren. In den 12 Monaten bis Oktober 2019 soll die Produktion noch bei 19,4 Mrd. Kubikmeter liegen, was gut einem Drittel des 2013 erreichten Fördermaximums entspricht. 2030 soll die Produktion dann enden. Durch den Rückgang der Produktion im Groningen-Gasfeld steigt die Importabhängigkeit der EU.

Edelmetalle: Gold hat sich vorerst bei gut 1.270 USD je Feinunze stabilisiert, wozu ein Anstieg der Risikoaversion beiträgt. Weiter im Abwärtssog befindet sich dagegen Platin, das am Morgen im Zuge fallender Industriemetallpreise erstmals seit Mitte Februar unter 800 USD je Feinunze rutschte. Die Mitglieder der US-Notenbank Fed haben sich bei der letzten FOMC-Sitzung Anfang Mai für eine anhaltende Phase der Geduld ausgesprochen („for some time“). Dies geht aus dem gestern veröffentlichten Sitzungsprotokoll hervor und spricht für zunächst unveränderte Leitzinsen. Die derzeit niedrige Inflation wurde von vielen FOMC-Mitgliedern als vorübergehend erachtet. Die Risiken für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft hätten sich dagegen verringert. Die derzeit noch in den Fed Fund Futures ablesbaren Zinssenkungserwartungen könnten sich somit als überzogen erweisen. Da der Goldpreis von den Zinssenkungsspekulationen nicht profitiert hat, sollte auch ein eventuelles Auspreisen den Goldpreis nicht zusätzlich belasten. Dies würde sich allerdings ändern, falls der US-Dollar im Zuge dessen weiter aufwerten würde. Wie britische Medien berichten, könnte die britische Premierministerin May morgen ihren Rücktritt ankündigen, nachdem die Unterstützung für ihren Brexit-Plan im Kabinett mehr und mehr schwindet. Heute beginnen in Grossbritannien und den Niederlanden die Wahlen zum EU-Parlament. Spannend dürfte werden, wie stark die Brexit-Partei in Grossbritannien abschneidet. Bislang hat das Brexit-Chaos den Goldpreis allerdings weitgehend kaltgelassen.

Industriemetalle: In China sind die Stahlpreise in den letzten Wochen nur unterproportional im Vergleich zu den Eisenerzpreisen gestiegen. Dies deutet darauf hin, dass die höheren Rohmaterialpreise nicht vollständig an die Kunden weitergegeben werden konnten. Mit rund 4.000 CNY je Tonne (580 USD je Tonne) notiert der nächstfällige Futures-Kontrakt für Betonstahl an der SHFE aber auf einem hohen Niveau. Der Verband der chinesischen Eisen- und Stahlhersteller (CISA) geht nicht davon aus, dass der Preis noch weiter spürbar steigen wird. Denn die Stahlproduktion in China ist auf dem Weg zu einem neuen Rekordhoch, das Angebot übersteigt die Nachfrage, und die Handelsspannungen mit den USA belasten. Rufe der CISA zur Produktionsdisziplin und zum Abbau von Überkapazitäten verhallten in China bislang ungehört. Die Angebotsschwemme und eine erwartet geringere Stahlnachfrage im Land werden daher laut Ansicht der CISA in den nächsten Monaten die Margen der Stahlhersteller schmelzen lassen. Laut Einschätzung des grössten chinesischen Stahlproduzenten wird in diesem Jahr die Stahlnachfrage aus der Bauindustrie und der Automobilbranche zurückgehen, während die Nachfrage aus dem Infrastrukturbereich relativ robust bleiben soll. Die Stahlnachfrage insgesamt soll dieses Jahr nicht nur in China, sondern auch in der EU zurückgehen. Der europäische Stahlverband Eurofer erwartet ein Minus von 0,4%. Die Stahlpreise in der EU werden zudem durch eine Flut an Importen belastet, da einige Produzentenländer, allen voran die Türkei, u.a. wegen der US-Importzölle grosse Mengen Stahl in die EU drücken.

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