22.05.2019 15:26:11

Ölpreise nach Anstieg der US-Lagerbestände im Rückwärtsgang

Energie: Der Brentölpreis ist in der Nacht unter 72 USD je Barrel gerutscht, nachdem das API gestern nach Handelsschluss einen unerwarteten Anstieg der US-Rohöllagerbestände um 2,4 Mio. Barrel berichtete. Dies wird von einigen Marktteilnehmern als Indiz für einen weniger angespannten Ölmarkt angesehen. Für den US-Markt mag das zutreffen. Dieser ist aufgrund der steigenden Schieferölproduktion und mangelnder Pipelinekapazitäten reichlich versorgt, was sich in steigenden Rohölvorräten niederschlägt. Die offiziellen Lagerdaten veröffentlicht das US-Energieministerium heute Nachmittag. Der Weltmarkt ist dagegen angespannt, wie auch die starke Backwardation der Brent-Terminkurve zeigt. Der Timespread zwischen Juli und August beträgt derzeit knapp 1 USD, der zwischen Juli und September 1,7 USD. Höher war er zwischen dem nächstfälligen und dem übernächsten Kontrakt zuletzt vor fünf Jahren.
Saudi-Arabien hat seinen Willen signalisiert, für einen ausgeglichenen und stabilen Ölmarkt zu sorgen. Dies könnte als Bereitschaft für eine Produktionsanhebung gewertet werden. Schliesslich lag die Ölproduktion des grössten OPEC-Produzenten bis zuletzt deutlich niedriger als laut Kürzungsabkommen vereinbart. Allerdings hat der saudische Energieminister erst kürzlich einen Rückgang der Lagerbestände als Ziel ausgegeben. Dies lässt sich nur bei einem knapp gehaltenen Angebot erreichen. Die Aussage Saudi-Arabiens dürfte daher für den Fall weiterer Angebotsausfälle (Venezuela, Iran) gelten. Wir rechnen kurzfristig mit einem höheren Ölpreis.

Edelmetalle: Gold ist gestern im Zuge des anhaltend festen US-Dollar und freundlicher Aktienmärkte zeitweise unter 1.270 USD je Feinunze gefallen. Damit hat es sich dem 2019er-Tief von Anfang Mai genähert. Dass Gold nicht von den zahlreichen Krisenherden und Unsicherheitsfaktoren profitiert, dürfte viele Goldinvestoren enttäuschen, so dass sich diese frustriert zurückziehen. Die Gold-ETFs verzeichneten gestern zwar Zuflüsse von knapp drei Tonnen, dies ist aber nicht mehr als ein Tropfen auf den heissen Stein. Das heute Abend zur Veröffentlichung anstehende Protokoll der letzten Fed-Sitzung wird den Goldpreis wohl kaum bewegen. Denn die auf der Sitzung geführte Diskussion der FOMC-Mitglieder über die schwache Inflationsentwicklung zu Jahresbeginn sollte kein Auslöser für eine Preisbewegung sein. Zumindest Potenzial dazu hätten die politischen Entwicklungen in Grossbritannien. Sollte die britische Premierministerin Theresa May die für Anfang Juni angesetzte Abstimmung über das Brexit-Abkommen mit der EU erneut verlieren, dürften ihre Tage als Regierungschefin gezählt sein. Gold sollte dann wegen des Chaos dort und der Unsicherheit profitieren. Im Fahrwasser von Gold standen auch die anderen Edelmetalle unter Druck. Silber ist unter 14,4 USD je Feinunze auf ein 6½-Monatstief gefallen, Platin nähert sich wieder der Marke von 800 USD. Palladium hält sich noch oberhalb von 1.300 USD. Silber, Platin und Palladium stehen weiterhin von zwei Seiten unter Feuer: zum einen von Gold, zum anderen von den schwachen Industriemetallen.

Industriemetalle: Kupfer ist gestern erstmals seit Ende Januar unter die Marke von 6.000 USD je Tonne gerutscht. Es fiel, nachdem schwächere Daten zum US-Immobilienmarkt veröffentlicht wurden, die Nachfragesorgen auslösten. Später hat sich der Preis im Zuge freundlicherer Aktienmärkte zwar erholt, er fällt heute Morgen aber wieder unter 6.000 USD. Der Handelsstreit bzw. die Unsicherheit wie es hier weitergeht ist nach wie vor das bestimmende Thema an den Metallmärkten und hält die Metallpreise in Schach. Darüber hinaus dürften sich die spekulativen Finanzanleger, die Kupfer an der LME in den letzten beiden Wochen noch die Treue gehalten haben, nun zurückziehen. Aus technischer Sicht ist Kupfer ebenfalls angeschlagen. Sollte die 6.000 USD-Marke nicht verteidigt werden können, dürften technische Verkäufe den Preis noch weiter auf Talfahrt schicken.
Anders sieht die Lage bei Eisenerz aus. Der nächstfällige Termin-Kontrakt an der SGX Asiaclear in Singapur hat schon Anfang der Woche erstmals seit fünf Jahren die Marke von 100 USD je Tonne geknackt. Seitdem handelt er rund um diese Marke. Der vergleichbare Kontrakt in Dalian notiert bei umgerechnet 115 USD. Das Überschreiten der 100 USD-Marke hatte sich in der letzten Woche schon angekündigt. Nach wie vor treiben Angebotsausfälle in Brasilien, die offenbar länger andauern, den Preis nach oben. Zudem besteht dort die Gefahr eines weiteren Dammbruchs bei einer Eisenerzmine.

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