11.10.2019 13:30:19

Ölpreise legen deutlich zu, Angriff auf iranischen Öltanker schürt neue Spannungen

Energie – Ölpreise legen deutlich zu, Angriff auf iranischen Öltanker schürt neue Spannungen:
Der Brentölpreis steigt am Morgen um mehr als 2% über die Marke von 60 USD je Barrel und damit auf das höchste Niveau seit dem Kontraktwechsel Anfang Oktober. Der Preisanstieg setzte bereits gestern Nachmittag ein, nachdem am Markt Zuversicht über den Verlauf der US-chinesischen Handelsgespräche aufkam (siehe Industriemetalle unten). Zusätzlichen Auftrieb geben am Morgen Nachrichten, dass es im Roten Meer auf einem iranischen Öltanker zu einer Explosion gekommen ist. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe der saudi-arabischen Hafenstadt Dschidda. Laut dem Iran wurde der Tanker von Raketen getroffen. Dieser Vorfall dürfte die Spannungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien wieder stärker ins Bewusstsein der Marktteilnehmer rücken. Mitte September war es zu Angriffen auf saudi-arabische Ölanlagen gekommen. Im Mai und Juni wurden mehrfach Öltanker nahe der Strasse von Hormus sowie eine saudi-arabische Ölpipeline attackiert. Zudem gab es seitens des Iran in den Sommermonaten mehrere Tankerfestsetzungen. Der Markt hat diese Spannungen in letzter Zeit aus dem Fokus verloren und die Risikoprämie vollständig ausgepreist. Dies war wohl etwas voreilig. Angebotsausfälle zum jetzigen Zeitpunkt kämen höchst ungelegen. Laut OPEC-Monatsbericht weist der Ölmarkt im zweiten Halbjahr 2019 ein beträchtliches Angebotsdefizit auf. Im dritten Quartal soll dieses sogar 2,5 Mio. Barrel pro Tag betragen haben. Im vierten Quartal wäre der Markt auf Basis der aktuellen OPEC-Produktion noch immer ca. 1 Mio. Barrel pro Tag unterversorgt, wenn man eine Rückkehr der saudi-arabischen Ölproduktion auf das August-Niveau unterstellt. Für das nächste Jahr droht allerdings ein erneutes Überangebot. Das scheint auch der OPEC bewusst zu sein, da Generalsekretär Barkindo gestern eine Vertiefung der Produktionskürzungen in Aussicht stellte. Heute veröffentlicht die IEA ihre neuen Angebots- und Nachfrageprognosen.

Edelmetalle – Gold etwas weniger gefragt, Palladium mit neuem Rekordhoch:
Der grössere Risikoappetit der Marktteilnehmer im Zuge der Handelsgespräche zwischen den USA und China (siehe Industriemetalle unten) hat Gold gestern wieder unter 1.500 USD je Feinunze fallen lassen. Hinzu kamen schwächere Inflations- und gute Arbeitsmarktdaten aus den USA (die Teuerungsrate ist im September leicht gefallen, die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind zurückgegangen), so dass der US-Dollar einen Teil seiner anfänglichen Verluste aufholte. Ausserdem hat der Präsident der Dallas-Fed, Kaplan, sich dahingehend geäussert, dass die Zinssenkungen der US-Notenbank begrenzt, verhalten und massvoll sein sollen. Daneben war Gold wohl weniger gefragt, da anscheinend etwas Bewegung in den Brexit gekommen ist. Nach einem Treffen mit dem britischen Premierminister Johnson schlug der irische Premierminister Varadkar optimistischere Töne an. Ein Austrittsabkommen sei demnach möglich. Allerdings läuft die Zeit davon, denn der entscheidende EU-Gipfel zum Brexit findet schon in einer Woche statt.

Palladium ist heute Morgen im Zuge des höheren Risikoappetits der Marktteilnehmer auf ein neues Rekordhoch von 1.706 USD je Feinunze gestiegen. Getrieben wurde es dabei auch von einem wieder erstarkten Investoreninteresse: Seit Monatsbeginn registrierten die von Bloomberg erfassten Palladium-ETFs Zuflüsse von 31 Tsd. Unzen.

Industriemetalle –Preise legen deutlich zu, Produktionsprobleme bei Zink:
An den Industriemetallmärkten hat sich Optimismus breit gemacht in der Hoffnung, dass die Handelsgespräche zwischen den USA und China positiv verlaufen. Bislang sind zwar keine Details aus den Gesprächen nach aussen gedrungen. US-Präsident Trump erzählte aber Journalisten, dass die Verhandlungen am ersten Tag “sehr gut” verlaufen seien und dass er den chinesischen Chefunterhändler, Vize-Premierminister Liu He, heute im Weissen Haus treffen wolle. Damit reist die chinesische Delegation offenbar doch nicht vorzeitig ab, wie gestern zwischenzeitlich berichtet wurde. Von chinesischer Seite waren ebenfalls positive Töne zu den Handelsgesprächen zu vernehmen. Wir warnen vor zu viel Optimismus. In der Vergangenheit wurden Hoffnungen auf ein Abkommen mehrfach enttäuscht. Kupfer verteuerte sich gestern um 1,7% auf fast 5.800 USD je Tonne, gibt heute Morgen aber wieder leicht nach. Zink legte sogar um 4,2% auf knapp 2.400 USD je Tonne zu. Der Preisanstieg wurde von der charttechnisch wichtigen 100-Tage-Linie gestoppt. Hier kam die Ankündigung eines Zinkproduzenten hinzu, die Produktion im “Skorpion”-Minen- und Schmelzkomplex in Namibia wegen technischer Probleme für vier Monate stillzulegen. Mit einer Produktionskapazität von 150 Tsd. Tonnen p.a. zählt “Skorpion” zu den weltweit grösseren Anlagen. Im letzten Geschäftsjahr wurden dort laut Betreiberangaben aber “nur” noch rund 90 Tsd. Tonnen Zink produziert. Der aktuelle Optimismus der Marktteilnehmer könnte die Metallpreise noch ein Stück weiter tragen. Sollte es heute Abend aber keine greifbaren Ergebnisse geben, dürfte die Enttäuschung umso grösser ausfallen und die Metallpreise zu Beginn der nächsten Woche spürbar nachgeben.

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