15.07.2019 14:17:13

Ölpreise kurzfristig unterstützt, langfristig droht Gegenwind

Energie: Die Ölpreise starteten mit leichten Abschlägen in die neue Handelswoche, machten diese aber schnell wieder wett. Kurzfristig bleiben die Ölpreise gut unterstützt. Der Ölmarkt ist wegen der freiwilligen Produktionskürzungen der OPEC und unfreiwilliger Produktionsausfälle (Iran, Venezuela, Russland) unterversorgt. Dazu trugen zuletzt auch die USA bei, wo aufgrund von Tropensturm Barry laut Angaben der zuständigen Behörde mehr als 70% der US-Ölproduktion im Golf von Mexiko lahmgelegt waren. Das entspricht einem Produktionsausfall von 1,38 Mio. Barrel pro Tag. Dies dürfte zu einem weiteren spürbaren Rückgang der US-Ölvorräte führen, zumal auch die Rohölverarbeitung an der Golfküste teilweise gedrosselt werden musste. Die Lagerdaten am Mittwoch sollten dies bereits in Ansätzen zeigen. Vieles spricht hier für einen fünften Wochenrückgang der Rohölbestände in Folge, was die Ölpreise per se weiter steigen lassen sollte. Leichte Signale der Entspannung kommen dagegen aus dem Mittleren Osten. Der iranische Präsident Ruhani hat den USA Verhandlungen angeboten, wenn diese die Sanktionen aufheben und zum Atomabkommen von 2015 zurückkehren. Dies ist zwar äusserst unwahrscheinlich. Dennoch scheint der Gesprächsfaden zwischen beiden Regierungen nicht vollends abgerissen. Nach der OPEC erwartet auch die Internationale Energieagentur im nächsten Jahr ein erneutes Überangebot am Ölmarkt. Grund ist die stark steigende Ölproduktion ausserhalb der OPEC, wodurch der Bedarf an OPEC-Öl kräftig sinkt. Die OPEC müsste also ihre Produktion nicht nur für längere Zeit auf dem aktuellen Niveau beibehalten, sondern noch weiter reduzieren. Für die Ölpreise bedeutet dies für 2020 einen gedämpften Ausblick.

Der CO2-Preis steigt am Morgen über die Marke von 29 EUR je Tonne und nähert sich damit dem Rekordniveau aus dem Jahr 2008. Der Preisanstieg setzte bereits Mitte letzter Woche ein. Auslöser war ein Vorschlag der deutschen Umweltministerin, Emissionszertifikate zu streichen, die durch den deutschen Kohleausstieg nicht benötigt würden.

Edelmetalle: Gold notiert zum Wochenstart bei 1.415 USD je Feinunze und damit weiter klar über der Marke von 1.400 USD. Die überraschend guten chinesischen Konjunkturdaten (siehe Industriemetalle unten) haben Gold heute Morgen bislang nicht unter Druck gesetzt. Der Markt setzt nach wie vor auf eine Zinssenkung der Fed auf ihrer nächsten Sitzung Ende des Monats. Zu stark waren diesbezüglich die Signale des Fed-Vorsitzenden Powell während seiner Anhörung im US-Kongress letzte Woche. Zudem hat sich am Freitag der Präsident der Chicago-Fed, Evans, für mehrere Zinssenkungen ausgesprochen, um die Inflation über das Ziel der Notenbank von 2% zu hieven. Im Juni lag die Jahresrate bei 1,6%. Zuvor dürfte nächste Woche die EZB die Zinsen senken. Einige spekulative Finanzinvestoren haben laut CFTC-Statistik in der Woche zum 9. Juli bei Gold Gewinne mitgenommen und somit zum zwischenzeitlichen Preisrückgang unter die 1.400 USD-Marke beigetragen. Die Netto-Long-Positionen wurden um 6% auf 182,6 Tsd. Kontrakte reduziert. Sie liegen damit aber immer noch auf einem hohen Niveau. Bei Silber fiel der Abbau der spekulativen Netto-Long-Positionen deutlicher aus (fast 30%). Entsprechend stärker war der Silberpreis gefallen, so dass das Gold/Silber-Verhältnis auf über 93 gestiegen war. Dass die Silber-ETFs seit Wochen kräftige Zuflüsse verzeichnen, scheint am Silberpreis völlig vorbeizugehen. In der letzten Woche wurden die Bestände um 267 Tonnen aufgestockt, seit Monatsbeginn um gut 540 Tonnen und seit Anfang Juni (dem Beginn der Zuflüsse) sogar um über 1.000 Tonnen.

Industriemetalle: Wie schon am Freitag kratzt Kupfer heute Morgen an der Marke von 6.000 USD je Tonne. Denn die chinesischen Konjunkturdaten sind überraschend gut ausgefallen. Wie das Nationale Statistikbüro (NBS) meldet, hat sich das BIP-Wachstum im zweiten Quartal zwar auf +6,2% abgeschwächt, traf damit aber die Erwartungen. Die Daten für Juni waren sogar deutlich besser als erwartet. So ist die Industrieproduktion um 6,3% gestiegen und die Anlageinvestitionen haben um 5,8% angezogen. Damit hat sich der schwache Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe vom Monatsbeginn nicht in den harten Daten widergespiegelt. Oder mit anderen Worten: Die Lage scheint besser zu sein als die Stimmung. Wir führen dies auf die Stimulierungsmassnahmen der chinesischen Regierung zurück, die den negativen Effekten des Handelsstreits mit den USA entgegenwirken. Wie die Zentralbank bereits am Freitag berichtete, ist die Gesamtkreditvergabe im Juni deutlich gestiegen, was mit der Ausgabe spezieller Anleihen zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten zusammenhängt. Wir gehen davon aus, dass die Regierung und die Zentralbank die chinesische Wirtschaft weiter stützen werden. Dies sollte sich auch positiv auf die Nachfrage nach Industriemetallen auswirken. Zur höheren Industrieproduktion im Juni hat gemäss NBS-Daten auch die Stahl- und Aluminiumherstellung beigetragen. In beiden Fällen wurden im letzten Monat neue Rekordwerte aufgestellt: Pro Tag wurden 2,92 Mio. Tonnen Stahl und 99 Tsd. Tonnen Aluminium produziert. Da Daten der chinesischen Zollbehörde zufolge im Juni sowohl weniger Stahl als auch weniger Aluminium exportiert wurde und die Lagerbestände kaum gestiegen (Stahl) bzw. sogar weiter gefallen (Aluminium) sind, wurde wohl viel Material im Inland verbraucht.

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