05.12.2019 13:30:19

Ölpreise im Vorfeld der OPEC-Sitzung deutlich gestiegen

Energie: Ölpreise im Vorfeld der OPEC-Sitzung deutlich gestiegen

Die Ölpreise sprangen gestern um bis zu 4% nach oben. Brent erreichte in der Spitze 63,5 USD je Barrel und hat damit sämtliche Verluste von Ende letzter Woche wieder aufgeholt. WTI stieg auf 58,7 USD je Barrel bis ans obere Ende der Handelsspanne der letzten Wochen. Gleichzeitig war dies der stärkste Tagesanstieg seit den Anschlägen auf saudi-arabische Öleinrichtungen Mitte September. Einen spezifischen Auslöser hierfür gab es nicht. Vielmehr war es wohl eine Kombination aus mehreren preisunterstützenden Nachrichten. So gibt es neuen Optimismus, dass es doch in Kürze zu einem ersten (Teil-)Handelsabkommen zwischen den USA und China kommen könnte (siehe Industriemetalle unten). Zudem gab es in der letzten Woche laut US-Energieministerium einen unerwartet kräftigen Rückgang der US-Rohöllagerbestände um knapp 5 Mio. Barrel. Dass der Markt über den gleichzeitigen starken Aufbau der Lagerbestände von Ölprodukten hinwegsah, steht auf einem anderen Blatt. Darüber hinaus brodelte die Gerüchteküche im Vorfeld der heute beginnenden OPEC-Sitzung. Diese reichen von zusätzlichen Produktionskürzungen im Umfang von 400 Tsd. Barrel pro Tag über eine Verlängerung der gegenwärtigen Kürzungen bis Ende 2020 bis hin zu einer Bestätigung des Status Quo. Stärkere Kürzungen als um 400 Tsd. Barrel pro Tag scheinen kaum mehrheitsfähig. Saudi-Arabien macht zudem Druck auf die notorischen Quotenüberzieher, endlich ihre Produktionskürzungen umzusetzen. Ansonsten droht man sogar mit einer Anhebung der Produktion auf das im Kürzungsabkommen erlaubte Niveau. Hauptadressat dieser Kritik ist der Irak, der sich paradoxerweise am lautesten für eine stärkere Produktionskürzung ausgesprochen hatte, gestern aber zurückruderte. Richtig schwierig wird es morgen, wenn die Nicht-OPEC-Länder wie Russland zu den Beratungen hinzustossen. Russland steht stärkeren Produktionskürzungen besonders skeptisch gegenüber. Heute dürfte es daher noch keinen Beschluss geben.

Edelmetalle: Palladium mit neuem Rekordhoch, Preisanstieg übertrieben

Wie gewonnen, so zerronnen – so hat sich gestern die Situation zumindest bei Silber und Platin dargestellt. Denn beide industrielle Edelmetalle profitierten nicht vom Anstieg der Industriemetallpreise im Zuge des höheren Risikoappetits der Marktteilnehmer und haben sämtliche Gewinne vom Vortag wieder abgegeben. Sie wurden von Gold mit nach unten gezogen, das gestern lange Zeit ebenfalls nachgab. Denn die USA und China bewegen sich im Handelsstreit angeblich aufeinander zu (siehe Industriemetalle unten). Enttäuschende US-Konjunkturdaten, die einen phasenweise schwächeren US-Dollar zur Folge hatten, haben Gold später wieder etwas Unterstützung gegeben, so dass es seine Verluste zum Teil aufgeholt hat. Die ADP-Arbeitsmarktdaten – im November wurden nur halb so viele neue Stellen geschaffen wie erwartet – könnten auf einen schwachen offiziellen US-Arbeitsmarktbericht hindeuten, der morgen veröffentlicht wird. Dies könnte Gold zum Wochenende hin nochmals etwas Auftrieb geben.

Palladium zeigt sich von alldem unbeeindruckt und steigt heute Morgen auf ein neues Rekordhoch von 1.875 USD je Feinunze. Es ist damit rund 400 USD teurer als Gold. Wir erachten den Preisanstieg von Palladium als übertrieben und sehen Korrekturpotenzial. Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) zeichnete gestern ein eher düsteres Bild für die Autoindustrie. Er rechnet wegen der Handelskonflikte, dem Brexit und strengeren Klimavorgaben mit einer „längeren Durststrecke“. So soll zum Beispiel in China, dem weltweit grössten Automarkt, die Nachfrage auch im nächsten Jahr schrumpfen. In Europa und den USA geht der Absatz seiner Meinung nach ebenfalls zurück.

Industriemetalle: Wir erwarten zumeist fallende Metallpreise im nächsten Jahr

Ständig wechselnde Nachrichten zum Handelsstreit zwischen den USA und China zerren an den Nerven der Marktteilnehmer. Gestern gab es zur Abwechslung mal wieder positive. Angeblich erwarten die USA ein „Phase-1-Abkommen“ doch noch vor dem 15. Dezember, womit die geplante US-Zollerhöhung auf chinesische Güter wohl vom Tisch wäre. Im Zuge eines höheren Risikoappetits, der auch in festen Aktienmärkten sichtbar war, hat Kupfer daraufhin seine Verluste vom Vortag wieder aufgeholt und den Handel bei knapp 5.900 USD je Tonne beendet. Zink als grösster Gewinner legte um 2% auf 2.250 USD je Tonne zu. Selbst wenn in Kürze ein Teilhandelsabkommen erzielt werden sollte, ist der Handelsstreit wohl noch lange nicht vorbei. Denn die Probleme zwischen den USA und China sind viel grundlegender und beziehen sich nicht nur auf Handelsfragen. Zu einem tragfähigen Kompromiss sind beide Seiten offenbar nicht bereit. Das heisst, die Märkte bleiben unseres Erachtens verunsichert und die Metallpreise volatil. Da sich der Handelsstreit wohl weiter negativ auf die Realwirtschaft auswirkt, dürfte die Nachfrage nach Industriemetallen 2020 nur moderat zunehmen. Hinzu kommt, dass das Angebot auf allen Metallmärkten (deutlich) ausgeweitet werden soll, was in vielen Fällen Überschüsse zur Folge hat. Wir erwarten daher 2020 zumeist fallende Metallpreise.

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