03.06.2019 15:15:55

Ölpreise im freien Fall

Energie: Der Brentölpreis handelt am Morgen nur noch bei gut 61 USD je Barrel. Das sind fast 10 USD weniger als vor Wochenfrist. Allein in den letzten drei Handelstagen hat sich Brent um 12% verbilligt, wobei ein Teil davon auf den Kontraktwechsel in der vergangenen Nacht zurückzuführen ist. Dennoch stellt sich die Frage, was sich innerhalb weniger Tage so grundlegend geändert hat, um eine derartige Preisbewegung zu erklären. Ölmarktspezifische Nachrichten als Erklärung gab es nicht. Im Gegenteil, die jüngsten Umfragen zeigten einen weiteren Rückgang der OPEC-Ölproduktion im Mai. Die OPEC stellte dem Markt damit auch deutlich weniger Angebot zur Verfügung als benötigt. Zudem erholen sich die russischen Öllieferungen nur sehr schleppend, nachdem Russland im Mai wegen der unfreiwilligen Lieferunterbrechung im Zuge der Verunreinigung erstmals weniger Öl produzierte als laut Kürzungsabkommen vorgesehen. Nun drohen wegen eines möglichen Streiks in der norwegischen Ölindustrie auch noch Produktionsausfälle in der Nordsee. Dass die Ölpreise dennoch so deutlich gefallen sind, hat somit andere Gründe. Zuvorderst steht hier die Sorge vor einer merklichen Abschwächung der Ölnachfrage in Folge des sich verschärfenden Handelskonflikts. Sollte die globale Ölnachfrage im zweiten Halbjahr weniger stark steigen als bislang unterstellt, hätte dies beträchtliche Auswirkungen auf die Marktbilanz. Bei einer schwächeren Nachfrage könnte der Ölmarkt am Ende des Jahres ein Überangebot aufweisen, selbst wenn die OPEC die Produktion auf dem aktuellen Niveau belässt.

Edelmetalle: Gold ist derzeit als sicherer Hafen gefragt. Es übersprang am Freitag die psychologisch wichtige Marke von 1.300 USD je Feinunze und steigt heute Morgen weiter auf ein 2-Monatshoch von 1.315 USD. Auftrieb hat der Preis auch durch technische Käufe bekommen, nachdem die charttechnisch wichtige 100-Tage-Linie überschritten wurde. Gold in Euro gerechnet zieht ebenfalls mit: Es steigt auf 1.175 EUR je Feinunze. Aktuell sprechen mehrere Faktoren für Gold, so dass nach langem Zögern nun offenbar doch die Investmentnachfrage anzieht. Die Marktteilnehmer sind vor allem besorgt über den Schaden für die Weltwirtschaft, den die Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China sowie die zwischen den USA und anderen Ländern anrichten. Zuletzt stark gefallene Aktienmärkte und Anleiherenditen machen Gold als Anlagealternative ebenfalls attraktiver. Hinzu kommt der Atomstreit zwischen den USA und dem Iran. Ebenso dürfte der Haushaltsstreit zwischen der EU und Italien wieder hochkochen, nachdem die EU-Kommission Italien einen Mahnbrief wegen dessen Staatsfinanzen geschickt hat. Es droht zeitnah ein Strafverfahren gegen das Land, da die italienische Regierung heute Abend wohl offiziell die Forderungen der EU nach mehr Haushaltsdisziplin ablehnen wird. Und zu guter Letzt ist die politische Unsicherheit in Deutschland gestiegen. Im Zuge von Gold legen auch die anderen Edelmetalle zu. Silber und Platin schwimmen aber „nur“ mit, Palladium zieht etwas stärker an. Den industriellen Edelmetallen schlägt allerdings Wind seitens der Industriemetalle entgegen.

Industriemetalle: Die an der LME gehandelten Industriemetalle mussten im Mai herbe Verluste hinnehmen: Der LME-Industriemetallindex fiel um 6,6%. Angeführt wurde die Verliererliste von Zink und Kupfer. Zink verzeichnete mit einem Minus von 10,7% den grössten Monatsverlust seit über 6½ Jahren. Kupfer gab um 9,1% nach, der grösste Verlust seit 3½ Jahren. Die wesentlichen Gründe für die stark gefallenen Preise sind der eskalierte Handelsstreit zwischen den USA und China sowie schwache Konjunkturdaten. Zum 1. Juni sind in China die Vergeltungszölle auf US-Importe in Kraft getreten. Am Wochenende haben die chinesischen Behörden ein Positionspapier zu den Handelsgesprächen veröffentlicht und darin ihre derzeitige Haltung bekräftigt. Zuvor hatte China eine „Unreliable Entity List“ ausländischer Unternehmen und Einzelpersonen erstellt, die die Interessen chinesischer Unternehmen bedrohen. Dies ist eine Gegenmassnahme auf eine vergleichbare Liste der USA, die 70 chinesische Unternehmen, darunter einige Technologiefirmen, umfasst. Der Handelsstreit wird die Metallmärkte wohl noch eine ganze Zeit lang beschäftigen, auch wenn die Metallpreise zu Beginn des neuen Monats nur leicht nachgeben. Der von Caixin erhobene Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, ein Indikator für die Lage der Privatunternehmen, blieb im Mai unverändert auf seinem Vormonatsniveau. Dies deutet darauf hin, dass der private Sektor in China etwas widerstandsfähiger ist als die Staatsunternehmen, was aber wohl auf gezielte Unterstützungsmassnahmen der Regierung zurückzuführen ist.

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