17.09.2019 14:30:23

Noch lange keine Ruhe am Ölmarkt

Energie: Der Ölmarkt steht nach wie vor unter dem Eindruck der beispiellosen Angriffe auf Öleinrichtungen in Saudi-Arabien am vergangenen Wochenende. Die Ölpreise gingen gestern mit einem Plus von 15% aus dem Handel, was die Tagesanstiege nach der irakischen Invasion in Kuwait im August 1990 und zu Beginn des Golfkrieges im Januar 1991 übertraf. Heute geben die Preise nur leicht nach. Brent handelt bei knapp 69 USD je Barrel, WTI bei gut 62 USD. Laut gut informierten Quellen dürfte es Wochen oder gar Monate dauern, bis sich die Ölproduktion in Saudi-Arabien normalisiert hat. Aktuell liegt die Produktion bei weniger als der Hälfte des zuletzt geförderten Niveaus. Da Saudi-Arabien daran interessiert sein dürfte, das aktuell höhere Preisniveau zu konservieren, wird man die Produktion ohnehin möglichst preisschonend anheben. Ebenfalls von Belang ist die Frage, wer die Angriffe ausgeführt hat. Die USA zweifeln daran, dass die Huthi-Rebellen im Jemen zu einem derartigen Angriff in der Lage sind. Zudem liegen die getroffenen Öleinrichtungen zu weit vom Jemen entfernt. Die USA gehen vielmehr davon aus, dass der Abschuss der Raketen vom Iran aus erfolgte. Sollten sich die Anschuldigungen der USA erhärten, würde dies das Risiko eines militärischen Vergeltungsschlages deutlich erhöhen, auch wenn Trump gestern betont hat, keinen Krieg führen zu wollen. Diese Gemengelage macht eine Ölpreisprognose in der kurzen Frist extrem schwierig. Aufgrund der hohen Bestände ist eine Angebotsknappheit nicht zu erwarten, was für niedrigere Preise spricht. Dagegen steht die Gefahr einer weiteren Eskalation und damit die Notwendigkeit einer beträchtlichen Risikoprämie auf den Ölpreis. Diese beziffern wir aktuell auf ca. 10 USD.

Edelmetalle: Nachdem die Risikoaversion im Zuge der Anschläge auf Öleinrichtungen in Saudi-Arabien Gold gestern zunächst Auftrieb gegeben hat, ist es im späten Handel wieder unter 1.500 USD je Feinunze gefallen. Dies dürfte auf den festen US-Dollar zurückzuführen sein. Preise unter 1.500 USD haben in den letzten Tagen Kaufinteresse hervorgerufen. Dieses dürfte durch die anhaltende Brexit-Unsicherheit genährt werden. Denn das Treffen zwischen EU-Kommissionspräsident Juncker und dem britischen Premierminister Johnson in Luxemburg gestern brachte keine greifbaren Ergebnisse. Laut Juncker hat Johnson bislang keine umsetzbaren und mit dem Austrittsabkommen vereinbaren Vorschläge unterbreitet. Johnson wiederum bekräftigte, dass Grossbritannien die EU am 31. Oktober in jedem Fall verlassen wird – zur Not auch mit einem ungeordneten Brexit.

Platin hat seinen Höhenflug, der den Preis vor knapp zwei Wochen bis auf fast 1.000 USD je Feinunze trug, beendet. Nach der Korrektur der letzten Tage handelt es heute Morgen bei 935 USD. Platin hat zuletzt Gegenwind vor allem seitens der ETF-Investoren erhalten: Diese haben in den letzten vier Handelstagen fast 90 Tsd. Unzen Platin verkauft. Gestern gab es mit 56 Tsd. Unzen den grössten Tagesabfluss seit einem Jahr. Daneben haben mittlerweile wohl auch die spekulativen Finanzanleger Gewinne mitgenommen, nachdem sie laut CFTC-Statistik in der Woche zum 10. September ihre Netto-Long-Positionen noch auf den höchsten Stand seit anderthalb Jahren ausgeweitet hatten. Der Preisanstieg stand somit aber auch auf wackeligen Beinen. Der drohende Streik in der südafrikanischen Platinminenindustrie hat zuletzt offenbar keine Rolle gespielt.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Industriemetalle: Schwache chinesische Aktienmärkte und der feste US-Dollar führen dazu, dass die Metallpreise heute Morgen allesamt und zum Teil deutlich im Minus sind. Sie setzen damit ihren Rückgang von gestern fort. Für die niedrigeren Preise werden die schwachen chinesischen Konjunkturdaten verantwortlich gemacht, die gestern Morgen veröffentlicht wurden. Angesichts der Turbulenzen am Ölmarkt wurde diesen gestern offenbar nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt. Hinzu kommt, dass Chinas Immobilienpreise im August etwas an Dynamik verloren haben, was unseres Erachtens auf die Verschärfung der Finanzierungskonditionen zurückzuführen ist, um die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten. Im Handelsstreit zwischen den USA und China treffen sich morgen Vertreter beider Seiten, um die offiziellen Gespräche Anfang Oktober vorzubereiten.

Nickel ist heute Morgen zeitweise unter 17.000 USD je Tonne gerutscht. Einer der weltweit grössten Nickelproduzenten hat gestern mitgeteilt, den Minen- und Verarbeitungskomplex „Onca Puma“ in Brasilien wieder in Betrieb zu nehmen. Kurz zuvor hatte ein Gericht Verfügungen gegen den Betrieb der Anlage aufgehoben, die wegen Umweltverschmutzungen erlassen wurden. Die Minenproduktion war deswegen seit September 2017 lahmgelegt, die Verarbeitungsanlage stand seit Juni dieses Jahres still. Der Betreiber wollte sich nicht dazu äussern, wie viel Nickel dort zukünftig produziert werden soll. Vor dem Produktionsstopp hatte „Onca Puma“ laut eigenen Angaben im dritten Quartal 2017 immerhin gut 7 Tsd. Tonnen Nickel produziert.

Finanzen.net News

pagehit