24.01.2020 13:30:50

Negative Nachrichten zur Nachfrage bestimmen das Geschehen am Ölmarkt

Energie: Negative Nachrichten zur Nachfrage bestimmen das Geschehen

Der Brentölpreis ist gestern wegen anhaltender Nachfragesorgen auf 61,3 USD je Barrel und damit auf den niedrigsten Stand seit 4. Dezember gefallen. Die US-Lagerdaten sorgten danach für eine leichte Erholung. Die US-Rohöllagerbestände sind in der Vorwoche laut DOE überraschend um 400 Tsd. Barrel gefallen. Gleichzeitig sind aber die Benzinlagerbestände die elfte Woche in Folge auf mittlerweile 260 Mio. Barrel gestiegen, den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen vor 30 Jahren. Man sollte sich auf negative Überraschungen für die chinesische Nachfrage einstellen, nachdem die Regierung die Quarantäne wegen des Coronavirus auf insgesamt zehn Städte in der Provinz Hubei mit insgesamt 30 Millionen Einwohnern ausgeweitet hat. Dies ist umso bedeutender, weil diese Restriktionen während der Hauptreisezeit der Chinesen eingeführt wurden. Denn heute beginnen in China die Feierlichkeiten zum Neujahrsfest, die eine ganze Woche andauern werden und weshalb die Finanzmärkte und Firmen geschlossen bleiben. Die verhaltene Binnennachfrage gepaart mit einer starken Ausweitung der Raffineriekapazitäten dürfte die chinesischen Exporte von Ölprodukten weiter stark steigen lassen. Die Benzinexporte stiegen 2019 bereits um 27% ggü. Vorjahr auf 16,37 Mio. Tonnen und die von Diesel um 15% auf 22 Mio. Tonnen. Auch die indischen Exporte von Ölprodukten (insbesondere von Diesel) sind zuletzt sehr stark gestiegen – im Dezember hat Indien mit 6,5 Mio. Tonnen knapp ein Viertel mehr Ölprodukte als im Jahr zuvor exportiert. Bereits im Dezember hat das indische Ölministerium den Nachfrageanstieg zwischen März 2019 und März 2020 von zuvor 2,9% auf lediglich 1,3% nach unten revidiert. Die Ölnachfrage bleibt auch anderswo in Asien verhalten: So hat das Finanzministerium Japans, des zweitgrössten Ölimportlandes weltweit hinter China, jüngst berichtet, dass das Land im Vorjahr erstmals seit den 1980er Jahren durchschnittlich weniger als 3 Mio. Barrel Rohöl täglich importiert hat.

Edelmetalle: Keine Impulse für Gold von der EZB

Der Goldpreis ist gestern zeitweise auf knapp 1.570 USD je Feinunze gestiegen und hat sich dabei eine Zeit lang gegen den festeren US-Dollar gestemmt. Zum Handelsende gab er seine Gewinne aber dann doch wieder ab und notiert heute Morgen bei 1.560 USD. Der Preis sollte unseres Erachtens in etwa auf dem aktuellen Niveau gut unterstützt sein, worauf auch die ETF-Zuflüsse hindeuten. In dieser Woche sind den Gold-ETFs bislang 10 Tonnen zugeflossen, seit Jahresbeginn über 16 Tonnen. Die EZB-Präsidentin Lagarde gab sich gestern in der Pressekonferenz im Anschluss an die EZB-Sitzung weder besonders taubenhaft noch besonders falkenhaft. Lagarde stufte immerhin die Konjunkturaussichten für den Euroraum etwas optimistischer ein als noch im Dezember und sie sieht einen moderaten Anstieg der Kerninflation. Einer möglichen Beendigung der Negativzinspolitik der EZB nach schwedischem Vorbild – die schwedische Zentralbank hatte ihre Leitzinsen kurz vor Weihnachten auf Null erhöht – erteilte sie jedoch eine Absage. Die strategische Überprüfung der EZB-Geldpolitik soll bis Ende des Jahres abgeschlossen werden.

Palladium hat sich gestern gegensätzlich zu Gold verhalten. Es stand lange Zeit unter Druck – zeitweise fiel es um über 3% unter 2.400 USD je Feinunze –, holte seine Verluste bis zum Handelsende aber weitgehend auf. Die CFTC-Statistik heute Abend wird zeigen, inwiefern der Sprung auf das Rekordhoch Anfang der Woche spekulativ getrieben war. Bislang gibt es nur wenige Anzeichen für ein hohes spekulatives Kaufinteresse. Im Gegenteil, die Netto-Long-Positionen wurden in den letzten Monaten sogar leicht abgebaut. Und die Palladium-ETFs verzeichnen seit einigen Tagen Abflüsse.

Industriemetalle: Dammbruch bei brasilianischer Eisenerzmine jährt sich

Seit heute sind in China die Märkte wegen des Neujahrsfestes für eine Woche geschlossen. Die Liquidität an den Rohstoff-Märkten, die schon in dieser Woche verhalten war, dürfte nun noch geringer werden. Wegen des Coronavirus wird sich der Blick aber wohl weiterhin nach China richten. Sorgen vor einer Ausbreitung des Virus und negativer Folgen für die chinesische Wirtschaft haben gestern zu einem weiteren deutlichen Rückgang der Metallpreise geführt. Kupfer, Nickel, Zink und Zinn sind jeweils um rund 2% gefallen. Kupfer ist dabei unter die Marke von 6.000 USD je Tonne gerutscht.

Morgen jährt sich der verheerende Dammbruch bei einer Eisenerzmine in Brasilien, der letztes Jahr fast 300 Menschen das Leben gekostet und schwere Umweltschäden verursacht hat. Im Zuge des Dammbruchs mussten mehrere Eisenerzminen ihre Produktion auf behördliche Anordnung hin einstellen. Diese werden allerdings nach und nach wieder in Betrieb genommen. Der Eisenerzpreis war nach dem Dammbruch bis in den Sommer hinein stark gestiegen, bevor die darauffolgende Korrektur fast alle Gewinne zunichte machte. Seit November hat sich der Preis aber wieder erholt. Zuletzt stand er jedoch wegen der Sorgen über die Auswirkungen des Coronavirus auf die chinesische Wirtschaft im Einklang mit den anderen zyklischen Rohstoffen unter Druck und ist auf gut 90 USD je Tonne gefallen. China ist der mit Abstand weltweit grösste Eisenerzkonsument und hat im letzten Jahr über 1 Mrd. Tonnen Eisenerz importiert.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

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