23.01.2020 13:30:43

Nachfragesorgen drücken Ölpreis

Energie: Nachfragesorgen drücken Ölpreis

Trotz Nachrichten über Lieferausfälle geben die Ölpreise seit gestern spürbar nach. Brent fiel am Morgen auf 62 USD je Barrel, den niedrigsten Stand seit Anfang Dezember. Nachfragesorgen haben eindeutig die Oberhand gewonnen. Diese speisen sich aus der weiteren Ausbreitung des Coronavirus in China. Die Zahl der Erkrankungen und der Todesfälle steigt weiter. Die chinesischen Behörden haben die Millionenstadt Wuhan abgeriegelt, wo der Virus seinen Ursprung nahm. Während der bevorstehenden Neujahrsfeiertagswoche könnte in China deutlich weniger Öl verbraucht werden als üblich. Diese gilt wegen der üblicherweise hohen Reisetätigkeit als besonders nachfragestark. Das ohnehin schon bestehende Überangebot am Ölmarkt droht damit noch grösser zu werden. Angebotsausfälle wie in Libyen fallen damit weniger ins Gewicht. Neben Libyen gibt es auch Unterbrechungen von Öllieferungen in Nigeria und Kasachstan wegen technischer Probleme bzw. Verschmutzung. Die in China weniger verbrauchten Ölprodukte könnten exportiert werden und damit das bereits reichliche Angebot von Benzin und Diesel auf dem Weltmarkt weiter anschwellen lassen. Im Zuge dessen fiel der Gasöl/Brent-Crackspread gestern auf den niedrigsten Stand seit Sommer 2018 sowie den niedrigsten Stand für diese Jahreszeit seit 2016. Als Indiz einer reichlichen Versorgung können auch die steigenden US-Bestände gelten. Laut API stiegen die Rohölvorräte in der letzten Woche um 1,6 Mio. Barrel, die Benzinbestände sogar um 4,5 Mio. Barrel. Die Ölpreise dürften daher vorerst unter Druck bleiben.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle: Die russische Zentralbank hat 2019 deutlich weniger Gold gekauft

Gold profitiert noch nicht so richtig von der höheren Risikoaversion der Marktteilnehmer im Zuge des Coronavirus in China. Es zeigt sich heute Morgen weitgehend unverändert bei 1.555 USD je Feinunze. Heute wird der Fokus auf der EZB-Sitzung liegen, von der wir allerdings nichts Neues erwarten. Am interessantesten dürfte noch sein, wie die strategische Überprüfung der EZB-Politik aussehen soll, die EZB-Präsidentin Lagarde heute ankündigen will. Gestern veröffentlichten Daten des IWF zufolge hat zum Jahresende hin eine ganze Reihe von Zentralbanken weiter Gold gekauft. Genannt wurden dabei zum Beispiel Kasachstan, Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Die russische Zentralbank hatte vor einigen Tagen bereits selbst berichtet, dass sie im Dezember weitere 9,7 Tonnen Gold erworben hat. Mit 158 Tonnen fielen die Goldkäufe im Gesamtjahr 2019 aber eher niedrig aus. Dies waren nicht nur 42% weniger als im Vorjahr, sondern auch die geringste Menge seit sechs Jahren. Nichtsdestotrotz hat die russische Zentralbank damit immer noch das meiste Gold von allen Zentralbanken gekauft. Die Goldreserven machen mittlerweile rund 20% der gesamten russischen Währungsreserven aus. Einige Marktbeobachter sind der Ansicht, dass sich die russische Zentralbank auch in den kommenden Jahren mit Goldkäufen zurückhalten wird, da die externen Risiken wie zum Beispiel US-Sanktionen mittlerweile geringer eingeschätzt werden.

Palladium legt bereits wieder zu

Die Korrektur von Palladium währte nicht lange: Es hat bereits gestern mehr als die Hälfte der Vortagesverluste aufgeholt und steigt heute Morgen in Richtung 2.500 USD je Feinunze. Damit ist das Allzeithoch von Wochenbeginn wieder in Reichweite. Platin wurde von Palladium gestern ein Stück weit mitgezogen. Heute Morgen gibt es allerdings wieder nach und hält sich nur knapp über der Marke von 1.000 USD je Feinunze. Dass in dieser Woche bislang einige Tausend Unzen aus den Palladium-ETFs abgeflossen und in die Platin-ETFs hineingeflossen sind, ist nicht mehr als eine Randnotiz.

Industriemetalle: Deutlich geringere Angebotsdefizite bei Zink und Blei

Die Risikoaversion der Marktteilnehmer bleibt wegen des Coronavirus in China auf erhöhtem Niveau. Stark fallende Aktienmärkte in China lasten auf den Metallpreisen, die heute Morgen allesamt nachgeben und damit ihre Korrektur der vergangenen Tage fortsetzen. Kupfer fällt unter 6.100 USD je Tonne, Nickel kostet weniger als 13.500 USD und Zink handelt unter 2.400 USD. Letzteres ist somit wieder unter die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie gerutscht. Der Ausbruchsversuch nach oben der letzten Tage hat sich also nicht als erfolgreich erwiesen. Wie die International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) gestern berichtete, war der globale Zinkmarkt von Januar bis November 2019 noch unterversorgt. Das Angebotsdefizit hat sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aber deutlich auf 170 Tsd. Tonnen verringert und dürfte weiter abgebaut werden. Hierbei spielt China eine Rolle, das für Dezember eine rekordhohe Zinkproduktion gemeldet hatte. Wegen einer spürbaren Ausweitung der weltweiten Produktion soll der Markt in diesem Jahr laut Einschätzung der ILZSG in einen Überschuss drehen, der zudem relativ hoch ausfallen soll. Die Lage und Aussicht am Zinkmarkt lässt sich fast 1:1 auf den Bleimarkt übertragen. Gemäss den ILZSG-Daten war das Angebotsdefizit im letzten Jahr bis November mit 33 Tsd. Tonnen nicht mal mehr halb so hoch wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Der Bleimarkt soll in diesem Jahr ebenfalls in einen beachtlichen Überschuss drehen. Er profitiert davon, dass die Produktionsprobleme des letzten Jahres gelöst wurden. Sowohl bei Zink als auch bei Blei spricht die Aussicht auf hohe Angebotsüberschüsse unseres Erachtens für fallende Preise.

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