26.03.2020 16:00:32

Nachfrageprognosen für Öl im freien Fall

Energie: Ölmarkt zwischen Preiskrieg und Corona-Krise gefangen

Der Ölmarkt bleibt zwischen der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Preiskriegs und der Gefahr einer gigantischen Überversorgung gefangen. Die USA versuchen Saudi-Arabien davon zu überzeugen, den Preiskrieg zu beenden und den Ölmarkt nicht noch stärker zu überschwemmen. Dazu hat es am Dienstag ein Telefonat zwischen US-Aussenminister Pompeo und dem saudischen Kronprinzen gegeben. Unterdessen haben die Pläne des US-Energieministers Brouillette, 77 Mio. Barrel Rohöl für die Strategischen Ölreserven zu kaufen, vorerst einen Dämpfer im US-Kongress bekommen, nachdem die dafür vorgesehenen Mittel wohl nicht in das grosse Corona-Stützungspaket aufgenommen wurden. Als weitere Massnahme zum Schutz der US-Ölindustrie werden nun Zölle für Rohölimporte diskutiert. Diese Drohungen erhalten umso mehr Gewicht, weil die USA zuletzt über 600 Tsd. Barrel Rohöl pro Tag aus Saudi-Arabien importiert haben, soviel wie zuletzt im Oktober. Schaffen es die USA anders als in den 1980er Jahren Saudi-Arabien von einem Preiskrieg abzuhalten, dürfte der Brentölpreis schon bald wieder in Richtung 35 USD je Barrel steigen. Scheitern die “Friedensverhandlungen”, droht der Ölpreis unter 20 USD zu fallen.

Interpretiert man die Terminkurve als Indikation für die Markterwartungen, geht der Markt von einer deutlichen Verbesserung der Situation im Jahresverlauf aus. Denn während der Mai-Kontrakt für Brentöl aktuell bei rund 27 USD notiert, liegt der Preis für eine Lieferung im Dezember schon bei 38 USD je Barrel. Doch ob sich die Nachfrage im Jahresverlauf so stark verbessert, ist fraglich. Einer der grössten Ölhändler spricht aktuell von einem Nachfrageeinbruch um 15-20 Mio. Barrel täglich, sprich bis zu 20%. Der Ölmarktanalysedienst Rystad Energy rechnet für das Gesamtjahr mit einem Nachfrageminus von 4,9 Mio. Barrel täglich ggü. Vorjahr. Die Nachfrageschätzungen sind somit aktuell im freien Fall, was zunächst die grösste Aufmerksamkeit auf sich ziehen dürfte. Der Ölpreis dürfte daher vorerst unter Druck bleiben.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle: Verwerfungen beim Gold-Futures-Handel

Gold handelt knapp oberhalb der Marke von 1.600 USD je Feinunze. Die Aktienmärkte legten gestern den zweiten Tag in Folge deutlich zu, was die Nachfrage nach sicheren Häfen eigentlich verringern sollte. Dennoch verzeichneten die Gold-ETFs gestern kräftige Zuflüsse von 15 Tonnen. Der nächstfällige Gold-Future handelt mittlerweile auch wieder nahe dem Kassakurs. Das war vor zwei Tagen noch anders, als der Preis für den Future an der Comex in New York teilweise 70 USD bzw. 4% höher als der Kassapreis in London notierte. Eine derartige Abweichung hatte es seit mindestens 40 Jahren nicht gegeben. Die Gold-Terminkurve war zeitweilig bis Jahresende in Backwardation. Dies deutete auf kurzfristige Angebotsknappheit hin. Nicht nur, dass die Schweizer Raffinerien derzeit geschlossen sind und daher kein Material ausliefern können. Hinzu kommt, dass aufgrund der weitgehenden Schliessung des Flugverkehrs auch der Transport in die USA massiv erschwert ist. Das in London gelagerte Gold entspricht zudem nicht den an der Comex geltenden Auslieferungsvorschriften. Diese akzeptieren nur Barren in einer Grösse von 100 Unzen, während bei der LBMA in London 400 Unzen-Barren üblich sind. Eine Möglichkeit wäre, wenn die CME als Betreiber der Comex auch die grösseren Barren aus London zur Auslieferung zulässt. Die CME will stattdessen neue Kontrakte auflegen, die für das Settlement auch 400 Unzen-Barren akzeptieren. An der kurzfristigen Problematik ändert dies allerdings wenig, da die bestehenden Kontrakte dies ausschliessen. Es könnte daher jederzeit wieder zu derartigen Verwerfungen kommen wie vor zwei Tagen.

Palladium mit stärkstem Tagesanstieg aller Zeiten

Palladium stieg gestern um mehr als 20% auf gut 2.400 USD je Feinunze und damit so stark wie an keinem anderen Tag seit Beginn des Börsenhandels 1986. Offensichtlich sind die alten Angebotssorgen zurück, seit in Südafrika eine 3-wöchige Unterbrechung der Minenproduktion verfügt wurde. Allerdings dürfen die Produzenten noch nicht verarbeitetes Material weiterhin verarbeiten. Der Angebotsausfall fällt deshalb wohl geringer aus als die von uns erwähnten 150 Tsd. Unzen. Die einseitige Fokussierung auf das Angebot lässt vollkommen ausser Acht, dass die Palladiumnachfrage wegen des Stopps der Automobilproduktion in Europa und Nordamerika derzeit deutlich stärker zurückgeht als das Angebot. Das Angebotsdefizit bei Palladium dürfte deshalb geringer ausfallen oder der Markt sogar in einen Überschuss drehen, wenn die Automobilproduktion länger als einen Monat stillstehen sollte. Wir erachten den starken Preisanstieg daher als überzogen und nicht gerechtfertigt.

Industriemetalle: Märkte steuern auf Angebotsüberschüsse zu

Die Stimmung der Marktteilnehmer bleibt labil: So haben die Metallpreise gestern am späten Vormittag alle bis dahin aufgelaufenen Gewinne im Einklang mit fallenden Aktienmärkten wieder abgegeben. Später gewann der Optimismus dann doch wieder die Oberhand, so dass alle Metalle bis auf Aluminium den Handel im Plus beendeten. Wir halten Preisausschläge, auch kräftige, weiterhin jederzeit für möglich, zumal der Handel ausgedünnt ist, da auch die Finanzdienstleister und Händler wegen der Einschränkungen durch das Coronavirus derzeit nicht immer den vollumfänglichen Service anbieten. Viele Metallpreise mögen zwar für Konsumenten attraktiv aussehen, um sich langfristig gegen höhere Preise abzusichern. Kurzfristig möchten wir aber weitere (und teils deutliche) Preisrückgänge nicht ausschliessen. Dafür ist die Nachrichtenlage rund um das Coronavirus noch zu schlecht. Zudem ist wegen des Herunterfahrens der wirtschaftlichen Aktivitäten in vielen Ländern die Nachfrage nach Metallen derzeit höchst verhalten.

Wir hatten gestern bereits berichtet, dass der globale Kupfermarkt in diesem Jahr wahrscheinlich auf einen Angebotsüberschuss zusteuert. Mittlerweile liegen Daten der International Lead and Zinc Study Group für den Zink- und Bleimarkt sowie der International Nickel Study Group für den Nickelmarkt vor. Demnach wiesen diese Märkte global betrachtet im Januar und damit schon vor der Corona-Krise mehr oder weniger grosse Angebotsüberschüsse auf. Bei Zink war der Überschuss fast viermal so gross wie im Vorjahr, bei Blei und Nickel gab es vor einem Jahr noch Defizite. Die Überschüsse dürften die Märkte unseres Erachtens über weite Strecken des Jahres begleiten. Und sie werden bei Zink und Blei wohl wegen der Coronavirus bedingt schwachen Nachfrage nach oben revidiert werden. Bei Nickel dürfte die noch bestehende Erwartung eines Defizits einkassiert werden.

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