21.05.2019 13:47:56

Meinungsverschiedenheiten innerhalb der OPEC+?

Energie: Die Ölpreise gaben ihre anfänglichen Gewinne gestern wieder ab. Brent schloss letztlich sogar leicht im Minus. Dabei könnte eine Rolle gespielt haben, dass die OPEC+ am Wochenende eine grundsätzliche Bereitschaft zur Anhebung der Ölproduktion im zweiten Halbjahr signalisiert hat. Im Gespräch ist dabei u.a. eine Rückkehr zum ursprünglich vorgesehenen Produktionsniveau. Wie die Produktionsausweitung genau aussehen wird, dürfte Gegenstand der Beratungen bei der kommenden „OPEC+“-Sitzung sein. Ursprünglich sollte diese Ende Juni stattfinden. Gestrigen Meldungen zufolge könnte sie auf Anfang Juli verschoben werden. Dies könnte auf bestehende Meinungsverschiedenheiten innerhalb der OPEC+ hindeuten, denn neue Kenntnisse wird man durch eine Verschiebung um eine Woche kaum gewonnen haben. Insbesondere Russland scheint mit der am Wochenende von Saudi-Arabien in Aussicht gestellten Verlängerung des Kürzungsabkommens nicht glücklich zu sein. Russland will sich stattdessen alle Optionen bis hin zu einer Lockerung der Produktionskürzungen offen lassen. Denn bei einer Rückkehr zu einer Umsetzung von 100% hätte Russland keinen eigenen Spielraum zu einer Produktionsanhebung. Russland hatte seine Produktion im April laut IEA um 190 Tsd. Barrel pro Tag gekürzt. Zugesagt hatte es eine Reduktion um 230 Tsd. Barrel pro Tag. Diese wurde vorläufigen Angaben zufolge in der ersten Maihälfte erreicht. Dazu könnten auch die anhaltenden Lieferprobleme über die Druschba-Ölpipeline wegen Verunreinigung beigetragen haben, die seit Ende April bestehen und noch immer nicht behoben sind.

Edelmetalle: Gold profitiert einmal mehr nicht von der höheren Risikoaversion der Marktteilnehmer. Es handelt weiter bei rund 1.275 USD je Feinunze, obwohl die Aktienmärkte gestern zeitweise spürbar nachgaben. Auch Zinssenkungsphantasien geben Gold keinen Auftrieb. So hat die australische Zentralbank für ihre nächste Sitzung im Juni quasi eine Zinssenkung angekündigt, womit eine weitere westliche Zentralbank auf einen expansiveren Kurs einschwenkt. Die anhaltenden Zentralbankkäufe verhelfen Gold ebenfalls nicht auf die Sprünge. Nachdem die chinesische Zentralbank vor zwei Wochen schon Goldkäufe von ca. 15 Tonnen im April meldete, hat die russische Zentralbank gestern den Kauf von 15,6 Tonnen Gold berichtet. Laut Angaben des Internationalen Währungsfonds haben darüber hinaus im April weitere Länder wie zum Beispiel Kasachstan und die Türkei Gold gekauft. Ein Belastungsfaktor für Gold ist der US-Dollar, der weiterhin stark ist. Offenbar wird derzeit der Dollar und nicht Gold als sicherer Hafen im Handelsstreit zwischen den USA und China angesehen. Zudem dürften sich die spekulativen Finanzanleger bei Gold wieder zurückziehen, nachdem sie zuvor kurzfristig stark auf steigende Preise gesetzt hatten. Laut CFTC-Statistik wurden die Netto-Long-Positionen in der Woche zum 14. Mai von 9,5 Tsd. auf 52,5 Tsd. Kontrakte ausgeweitet. Der kurze Ausflug von Gold über die Marke von 1.300 USD je Feinunze Anfang letzter Woche stand somit auf wackeligen Beinen und wird seitdem wieder korrigiert.

Industriemetalle: Der Kupferpreis hat gestern an der Marke von 6.000 USD je Tonne gekratzt. Die höhere Risikoaversion der Marktteilnehmer im Zuge des Handelsstreits zwischen den USA und China, die sich in zeitweise deutlich fallenden Aktienmärkten widergespiegelte, hat Kupfer wie auch die anderen Industriemetalle belastet. Heute Morgen erholen sich die meisten Metalle leicht. Kupfer wird dabei durch Sorgen eines knappen Angebots unterstützt. Die International Copper Study Group hatte gestern Abend ein Angebotsdefizit für die ersten beiden Monate des Jahres berichtet. Anfang letzter Woche hatte sie schon beachtliche Defizite sowohl für das Gesamtjahr 2019 als auch für 2020 prognostiziert. Dagegen bleibt der Aluminiummarkt gut versorgt. Gemäss Daten des International Aluminium Institute lag die globale Aluminiumproduktion im April ausgehend von China weiter auf hohem Niveau. Dass der Aluminiumpreis gestern um über 2% nachgab und wieder unter die Marke von 1.800 USD je Tonne gerutscht ist, lag an der Meldung aus Brasilien bzw. Norwegen. Denn ein grosser norwegischer Aluminiumproduzent hat die letzte Hürde genommen, die Produktion in der brasilianischen „Alunorte“-Raffinerie wieder auf 100% hochfahren zu dürfen. Die weltweit grösste Alumina-Raffinerie mit einer Produktionskapazität von 6,3 Mio. Tonnen p.a. läuft seit über einem Jahr aus Umweltgründen nur mit halber Auslastung. Laut Aussagen des Raffineriebetreibers soll die volle Produktion im Laufe des dritten Quartals erreicht werden. Dies erhöht das Angebot von Alumina und sollte die Produktionskosten von Aluminium reduzieren.

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