09.10.2019 13:30:01

Mehr Rückenwind als Gegenwind für Gold

Energie – Ölpreise trotzen vorerst dem anhaltenden Gegenwind: Der Brentölpreis hat sich bei rund 58 USD je Barrel stabilisiert. Dazu könnte die Nachricht aus Ecuador beigetragen haben, dass etwa ein Drittel der Ölproduktion des Landes wegen der anhaltenden Proteste gefährdet sind. Ansonsten würde die Nachrichtenlage eher für einen weiteren Preisrückgang sprechen. So berichtete das API gestern Abend nach Handelsschluss einen unerwarteten Anstieg der US-Rohöllagerbestände um 4,1 Mio. Barrel in der letzten Woche. Dies verheisst für die heutigen offiziellen Lagerdaten eigentlich nichts Gutes, da der Markt bislang “nur” mit einem Lageraufbau von 1,7 Mio. Barrel rechnet. Allerdings hatte das API in der Woche zuvor einen kräftigen Lagerabbau berichtet, das DOE dagegen einen überraschenden Anstieg der Rohölvorräte. Von daher ist es keineswegs ausgemacht, dass die offiziellen Lagerdaten heute Nachmittag einen starken Lageraufbau aufweisen. Gegenwind kommt auch durch die schwächelnde Weltwirtschaft. Die neue Chefin des IWF, Georgiewa, erwartet in diesem Jahr das geringste Wachstum der Weltwirtschaft seit Beginn des Jahrzehnts. Das globale Bruttoinlandsprodukt könnte wegen der kumulativen Folgen der Handelskonflikte bis 2020 um 0,8% bzw. 700 Mrd. USD niedriger ausfallen. Umso wichtiger wäre es u.E., wenn die USA und China in ihren morgen beginnenden Gesprächen Fortschritte erzielen. Die Chancen dafür stehen nach den jüngsten Vorkommnissen allerdings denkbar schlecht (siehe Edelmetalle unten). Bei einem Scheitern der Gespräche droht dem Ölpreis ein weiterer Preisrutsch, weil dann die Nachfragesorgen vor allem mit Blick auf das kommende Jahr noch einmal deutlich zunehmen würden. Keinen Markteinfluss hatten die neuen Prognosen der US-Energiebehörde. Diese erhöhte zwar ihre Prognose für die US-Ölproduktion in diesem Jahr leicht, reduzierte dafür aber ihre Erwartung für 2020.

Edelmetalle – Mehr Rückenwind als Gegenwind für Gold: Gold hat es wieder über die Marke von 1.500 USD je Feinunze geschafft. Es erhielt dabei Unterstützung von fallenden Anleiherenditen und Aktienmärkten. Letztere waren ein Ausdruck der sich verdüsternden Handelsaussichten: Die USA haben ein Einreiseverbot für chinesische Funktionäre verhängt, die angeblich im Zusammenhang mit Massenverhaftungen in Westchina stehen. China wiederum hat Schritte gegen die US-Basketball-Profiliga NBA unternommen, nachdem ein Teammanager per Twitter seine Unterstützung für die Demonstranten in Hongkong zum Ausdruck gebracht hatte. Die anstehenden Handelsgespräche dürften sich unter diesen Umständen unseres Erachtens sehr schwierig gestalten. Das Investoreninteresse an Gold ist weiterhin hoch, was man an den kontinuierlichen ETF-Zuflüssen beobachten kann. Die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verzeichnen mittlerweile seit 17 Handelstagen ununterbrochen Zuflüsse. Sie haben sich in dieser Zeit auf fast 87 Tonnen summiert. Gold hat sich gestern auch dem etwas stärkeren US-Dollar widersetzt. Obwohl die 1.500 USD-Marke in den letzten Wochen eine starke Anziehungskraft auf Gold hat und Gold sich nicht richtig von ihr lösen kann, sehen wir den Goldpreis gut unterstützt. Unseres Erachtens besteht eher Potenzial nach oben als Korrekturbedarf nach unten. So lassen zum Beispiel Meldungen aus Brüssel und London darauf schliessen, dass sich die EU und Grossbritannien bis zum EU-Gipfel am 17./18. Oktober nicht auf ein Austrittsabkommen einigen werden. Der Markt setzt allerdings noch nicht auf einen ungeordneten Brexit, sondern geht eher davon aus, dass der Brexit-Termin ein weiteres Mal verschoben wird.

Industriemetalle – Lagerabbau von Nickel setzt sich fort: In Anbetracht der in den letzten Tagen grösser gewordenen negativen Vorzeichen für die Handelsgespräche zwischen den USA und China (siehe Edelmetalle oben), die morgen wieder aufgenommen werden sollen, halten sich die Metallpreise nach wie vor erstaunlich gut. Kupfer an der SHFE in Shanghai fällt heute zwar auf ein 5-Wochentief, das Minus von 0,5% hält sich aber sehr in Grenzen. An der LME in London notiert Kupfer weiter bei rund 5.700 USD je Tonne. Nickel kostet heute Morgen 17.500 USD je Tonne. Es handelt damit in der Mitte der Spanne zwischen 17.000 und 18.000 USD, in der es sich seit Mitte September bewegt. An der LME setzt sich der Lagerabbau von Nickel fort. Seit Monatsbeginn wurden mittlerweile fast 50 Tsd. Tonnen bzw. 31% der Bestände ausgeliefert. Und weitere 59 Tsd. Tonnen sind zur Auslieferung angefordert. Aus Marktkreisen ist zu hören, dass der weltweit grösste Edelstahlproduzent hinter dem LME-Lagerabbau stehen soll. Demnach hat der in China ansässige Produzent Nickel gekauft, um sich die Versorgung vor dem bevorstehenden Exportstopp in Indonesien zu sichern. Schätzungen zufolge soll der Edelstahlhersteller 30 Tsd. bis 80 Tsd. Tonnen Nickel gekauft haben, die zum Teil noch ausgeliefert werden müssen. Für diese These spricht, dass der Lagerabbau bislang fast ausschliesslich in den asiatischen LME-Lagerhäusern erfolgte. Das Abschmelzen der Bestände hat zu den Sorgen vor einer möglichen Angebotsknappheit am globalen Nickelmarkt beigetragen. Diese kommen auch in der Terminkurve zum Ausdruck: Laut Bloomberg ist die Backwardation am vorderen Ende der Kurve so steil wie vor 12 Jahren.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

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