14.02.2020 13:00:05

Je schlechter die Lage, umso höher der Ölpreis

Energie: Je schlechter die Lage, umso höher der Ölpreis

Die ohnehin für den Ölpreis ungünstige Nachrichtenlage am Ölmarkt hat sich zuletzt weiter stark eingetrübt. Beachtliche Produktionserfolge der Nicht-OPEC-Länder, hohe Lagerbestände an Land und auf hoher See einerseits, sowie die massive Nachfrageschwäche wegen des Covid-19-Virus und der warmen Witterung in der nördlichen Hemisphäre andererseits, zeichnen ein Bild eines massiv überversorgten Ölmarktes im ersten Halbjahr.

Die gestrige Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) zur Angebots-/Nachfragesituation ist dabei noch negativer ausgefallen als die vorherigen Berichte der EIA und der OPEC. So rechnet die IEA in diesem Jahr mit einem Nachfrageanstieg um nur 825 Tsd., statt wie noch vor einem Monat erwartet 1,2 Mio. Barrel täglich. Dies ist der schwächste Anstieg seit 2011. Um den Effekt der schwachen chinesischen Nachfrage wegen des Virus auf die Weltnachfrage zu verdeutlichen, rechnet die IEA nun damit, dass die Ölnachfrage im 1. Quartal im Jahresvergleich um 435 Tsd. Barrel pro Tag zurückgeht, der erste Rückgang seit dem 3. Quartal 2009.

Umso beachtlicher ist, dass der Brentölpreis gestern mit fast 57 USD je Barrel auf den höchsten Stand seit Anfang Februar klettern konnte. Die Erklärung mit der Hoffnung auf eine starke kurzfristige Reaktion der OPEC+ ist u.E. nicht schlüssig. Zum einen steht die Reaktion Russlands auf den Vorschlag des Technischen Komittees noch aus. Zum anderen dürften der OPEC selbst weitere Produktionskürzungen schwerfallen. So soll am Sonntag die Produktion auf dem Wafra-Ölfeld in der Neutralen Zone zwischen Saudi-Arabien und Kuwait, die schon seit 2015 ruht, wieder anlaufen. Die IEA erwartet, dass die Produktion in den Neutralen Zone in diesem und im nächsten Jahr auf 140 Tsd. bzw. 330 Tsd. Barrel täglich steigt. Der Ölminister Kuwaits hat sogar kürzlich verlauten lassen, dass man bis zum Jahresende allein den Anteil Kuwaits an der Ölproduktion in der Neutralen Zone auf 250 Tsd. Barrel täglich steigern würde. Auch wenn wir mit einer allmählichen Normalisierung der Ölnachfrage im 2. Quartal und einer Preisstabilisierung am Ölmarkt rechnen, dürfte die Preiserholung steinig werden.

Edelmetalle: Palladiumpreis unbeeindruckt von schwachen China-Daten

In China sind die Autoabsätze im Januar eingebrochen: Gemäss Daten des Verbands der chinesischen Automobilproduzenten wurde ein Minus von 20% im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Dies ist der stärkste Rückgang seit acht Jahren. Das Covid-19-Virus hat die Käufer von den Autohäusern ferngehalten. Und das Schlimmste ist noch nicht ausgestanden. Ein Grossteil der Autohäuser bleibt geschlossen. Ein chinesischer Händlerverband erwartet für Februar sogar einen weiteren Einbruch der Autoverkäufe um mehr als 50% gegenüber Vorjahr. Dies hat zur Folge, dass in China mehr und mehr Autos auf Halde stehen. Ausserdem haben einige Automobilproduzenten ihre Ferien verlängert, das heisst die Produktion steht mancherorts immer noch still. So zum Beispiel in der Provinz Hubei mit ihrer Hauptstadt Wuhan, die Ausbruchsort des Virus war. Und wegen der Unterbrechung der Lieferketten besteht ein Engpass an Bauteilen. Der Palladiumpreis hat sich gestern von den schwachen China-Daten unbeeindruckt gezeigt und ist auf 2.440 USD je Feinunze gestiegen. Offenbar wirken hier noch die Zahlen bzw. Schätzungen von Johnson Matthey zum Angebotsdefizit nach.

Silbermarkt auch 2020 mit Angebotsüberschuss

Weitgehend unbeachtet hat vorgestern das Silver Institute seine neue Einschätzung zum globalen Silbermarkt in diesem Jahr vorgestellt. Demnach soll der Markt 2020 das fünfte Jahr in Folge einen Angebotsüberschuss aufweisen. Dieser soll aber immerhin auf rund 15 Mio. Unzen (ca. 467 Tonnen) schrumpfen. Das Silver Institute erwartet eine erneut robuste Investmentnachfrage, insbesondere nach Münzen und Barren, zum Teil aber auch nach ETFs. Die industrielle Silbernachfrage dürfte nach zwei Jahresrückgängen in Folge nun wieder zulegen, wobei der Grossteil der Nachfrage aus dem Elektrik- und Elektroniksektor kommen soll. Die Nachfrage aus der Autoindustrie soll besonders stark wachsen; sie ist aber absolut betrachtet noch zu klein, um spürbare Auswirkungen auf die gesamte Silbernachfrage zu haben. Die Nachfrage aus der Photovoltaikindustrie wird leicht niedriger angesetzt, da der steigenden Anzahl an Solarmodulen ein geringerer Silbergehalt in den Solarzellen gegenübersteht. Die Nachfrage nach Schmuck wie auch nach Silberwaren soll leicht zulegen. Dass der globale Silbermarkt 2020 nicht in ein Defizit rutscht, ist dem Angebot geschuldet: Die Minenproduktion soll erstmals seit fünf Jahren wieder anziehen und das Recyclingangebot soll das vierte Jahr in Folge steigen. Aus fundamentaler Sicht sehen wir nach wie vor wenig Spielraum für merklich steigende Silberpreise.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Industriemetalle: Weiterer starker Anstieg der Metallvorräte an der SHFE

Auf einen zögerlichen Handelsstart folgte an den Metallmärkten gestern Nachmittag eine klare Stimmungsaufhellung, im Zuge derer die Metallpreise deutlich anzogen. Die Gewinne wurden allerdings nicht komplett bis zum Handelsende gehalten, so dass zum Beispiel Kupfer den Tag mit einem Plus von 0,5% beendete. Grösster Gewinner war Blei mit +2,1%. Heute Morgen sieht es zwar nach einem verhaltenen Wochenausklang aus, seit Montagabend haben die Metallpreise gemessen am LME-Industriemetallindex aber um knapp 3% zugelegt. Der Zuwachs wäre wohl grösser ausgefallen, hätte der US-Dollar nicht weiter aufgewertet. Ab morgen soll eigentlich das „Phase-1-Abkommen“ im Handelsstreit zwischen den USA und China umgesetzt werden. Dieses ist wegen des Covid-19-Virus aus dem Fokus der Marktteilnehmer gerückt. Die Umsetzung des Teilhandelsabkommens dürfte wegen des Virus schwierig werden. Beide Seiten wollen aber an dem Abkommen festhalten. Die Shanghai Futures Exchange (SHFE) hat vorhin erneut umfangreiche Einlieferungen in ihre Lagerhäuser berichtet. Die Bestände von Kupfer, Zink und Aluminium wurden um 27%, 24% und 12% aufgebaut. Dies ist der zweite starke Wochenanstieg hintereinander, und weitere dürften folgen. Denn die Metallproduzenten in China kämpfen mit virusbedingten Auftragsrückgängen und im Zuge dessen hohen eigenen Lagerbeständen, so dass die Lagerkapazitäten vielerorts erschöpft sind.

Finanzen.net News

pagehit
;