17.05.2019 14:52:53

Iran-Krise lässt Ölpreise steigen

Energie: Die Spannungen im Mittleren Osten liessen die Ölpreise gestern den dritten Tag in Folge steigen. Brent verteuerte sich auf 73,5 USD je Barrel und erreichte damit das höchste Niveau seit Ende April. Der saudi-arabische Vizeverteidigungsminister machte indirekt den Iran für die Anschläge auf Öleinrichtungen Anfang der Woche verantwortlich. Damit dürfte der Iran noch stärker in das Visier der Hardliner in der US-Administration um Sicherheitsberater Bolton geraten. Das Thema Iran dürfte auch das am Wochenende im saudi-arabischen Dschidda stattfindende Ministertreffen der an den Produktionskürzungen beteiligten Länder (Joint Ministerial Monitoring Comittee, JMMC) dominieren. Normalerweise wird dort lediglich eine Bestandsaufnahme gemacht. Laut IEA lag die Umsetzung der Produktionskürzungen innerhalb der OPEC im April bei 130%. Die Nicht-OPEC-Länder kamen sogar auf 150%. Das JMMC-Treffen soll diesmal aber auch der Vorbereitung des nächsten „OPEC+“-Treffens Ende Juni dienen, wo über eine mögliche Verlängerung des Kürzungsabkommens über die Jahresmitte hinaus entschieden wird. Die nicht zu beziffernden Angebotsausfälle beim Iran machen eine Entscheidung darüber schwierig. Der Iran selbst nimmt nicht an dem JMMC-Treffen teil. Konkrete Ergebnisse sind am Wochenende daher nicht zu erwarten. Die Spannungen im Mittleren Osten sprechen für einen weiteren Ölpreisanstieg. Der Handelskonflikt, die steigende US-Ölproduktion und eine mögliche Produktionsanhebung der OPEC+ im zweiten Halbjahr dürften den Preisanstieg aber vorerst begrenzen.

Edelmetalle: Gute US-Konjunkturdaten zum Immobilien- und Arbeitsmarkt sowie feste Aktienmärkte haben Gold gestern unter Druck gesetzt. Der festere US-Dollar wirkte ebenfalls preisbelastend. Gold ist daher auf 1.285 USD je Feinunze gefallen, wo in etwa es auch heute Morgen noch notiert. Es hat damit sämtliche Gewinne in dieser Woche wieder abgegeben. Die Zuspitzung der Lage im Mittleren Osten sowie die neuen Unsicherheiten im Handelsstreit zwischen den USA und China geben Gold hingegen keinen Auftrieb. Ob der nächste Akt im Brexit-Chaos für eine Belebung des Goldpreises gut ist, ist ebenfalls fraglich. In der Woche vom 3. Juni soll im britischen Parlament zum vierten Mal über das Austrittsabkommen mit der EU abgestimmt werden. Und wieder sieht es so aus, dass Premierministerin Theresa May erneut verliert. Ein (erzwungener) Rücktritt von May wird immer wahrscheinlicher.
Silber ist gestern mehr als doppelt so stark gefallen wie Gold. Es ist um 1,6% auf 14,5 USD je Feinunze abgerutscht, der tiefste Stand seit Mitte Dezember. Das Gold/Silber-Verhältnis ist daraufhin auf 88,6 gestiegen, womit Silber seine Underperformance gegenüber Gold fortsetzt. Als industrielles Edelmetall – die Industrienachfrage steht für über 50% der gesamten Silbernachfrage – wurde Silber in den letzten Wochen von den schwachen Industriemetallen mit nach unten gezogen. Dagegen haben die zwischenzeitlichen moderaten Preisanstiege von Gold dem Silberpreis keine Unterstützung gegeben.

Industriemetalle: Für die meisten Metallpreise ging es gestern bergauf, wobei der Anstieg durch den festeren US-Dollar gebremst wurde. Heute Morgen geben sie im Zuge schwacher chinesischer Aktienmärkte aber wieder nach, nachdem staatliche Medien berichteten, dass China derzeit nicht unbedingt an einer Fortsetzung der Handelsgespräche mit den USA interessiert sei, sollten die USA ihre Drohgebärden aufrecht halten. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission untersucht unterdessen die Auswirkungen der US-Zölle und wird laut Aussagen einer Sprecherin sicherstellen, dass das Wachstum in einer angemessenen Spanne bleibt. Dies deutet auf weitere Stimulierungsmassnahmen hin.
Der Zinnpreis ist gestern isoliert von allen anderen Industriemetallen spürbar unter Druck gekommen und unter 19.500 USD je Tonne zurückgefallen. Er ist auch an der charttechnisch wichtigen 200-Tage-Linie abgeprallt, unter die er Ende April gerutscht war. Grund für den gestrigen Rückgang war ein deutlicher Anstieg der LME-Zinnvorräte. Diese wurden auf ein 3-Monatshoch von 1.535 Tonnen aufgestockt. Letzte Woche erregte Zinn noch Aufsehen, da die Lagerbestände auf ein 30-Jahrestief gefallen waren. Es lagen nur noch 740 Tonnen Zinn in den LME-Lagerhäusern. Der Lagerabbau war wohl auf die verhaltenen indonesischen Zinnexporte zurückzuführen, die erst langsam wieder in Schwung kommen, nachdem die Handels- und damit auch die Exportbeschränkungen in Indonesien aufgehoben wurden.

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