13.06.2019 14:58:31

Heftige Preisschwankungen am Ölmarkt

Energie: Die Ölpreise erlebten in den letzten 24 Stunden eine regelrechte Achterbahnfahrt. Gestern standen die Preise erheblich unter Druck. Brent fiel erstmals seit einer Woche zeitweise wieder unter die Marke von 60 USD je Barrel. Gleiches gilt für WTI, dass kurzzeitig unter 50 USD rutschte und auf dem niedrigsten Stand seit 5 Monaten aus dem Handel ging. Heute Morgen geht es mit den Preisen dagegen deutlich aufwärts. Brent sprang binnen weniger Minuten um gut zwei USD nach oben und machte damit sämtliche Verluste von gestern wieder wett. Auslöser war die Nachricht eines vermutlichen Angriffs auf zwei von Saudi-Arabien kommende Öltanker im Golf von Oman. Genaue Hintergründe sind noch nicht bekannt. Die USA könnten den Iran oder mit dem Iran verbündete Milizen dafür verantwortlich machen. Nach einem ähnlichen Zwischenfall vor vier Wochen hatten die USA den Iran mit ernsten Konsequenzen gedroht. Die heftige Preisreaktion dürfte allerdings auch eine Gegenbewegung nach dem gestrigen Absturz gewesen sein, der unseres Erachtens nicht gerechtfertigt war. Denn die offiziellen US-Lagerdaten waren bei weitem nicht so preisbelastend wie es die negative Marktreaktion im Anschluss hätte vermuten lassen. Die US-Rohölvorräte stiegen zwar entgegen den Erwartungen weiter, allerdings weniger deutlich als das API am Vorabend berichtet hatte. Die Raffinerien verarbeiteten ausserdem mehr Rohöl und der Lageraufbau bei Benzin fiel erheblich geringer aus als in den Wochen zuvor. Die Benzinnachfrage in den USA erreichte sogar fast wieder das Rekordniveau vom August 2018, was die zuletzt aufgekommenen Nachfragesorgen dämpfen sollte.

Edelmetalle: Gold ist derzeit weiter gut gefragt: Gestern verzeichneten die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs mit knapp neun Tonnen den nächsten beachtlichen Zufluss in den letzten zwei Wochen. Seit Monatsbeginn wurden die ETF-Bestände mittlerweile um über 52 Tonnen aufgestockt. Wohl auch deshalb legt Gold heute Morgen in Richtung 1.340 USD je Feinunze zu. Die gestern veröffentlichten US-Inflationszahlen für Mai – die Teuerungsrate blieb hinter den Erwartungen zurück – machen es der US-Notenbank Fed einfacher, die Zinsen zu senken. Entsprechend sind auch die Markterwartungen für eine kurzfristige Zinssenkung gestiegen. Mittlerweile wird eine Zinssenkung sogar schon für die Juli-Sitzung der Fed zum Grossteil eingepreist. Die Anleiherenditen haben ebenfalls leicht nachgegeben. Der US-Dollar hat dagegen gestern leicht aufgewertet und so wohl einen stärkeren Anstieg von Gold verhindert. Gold in Euro gerechnet kostet wieder über 1.180 EUR je Feinunze. Es notiert damit in Reichweite seines Mehrjahreshochs von vor einer Woche.

Unterstützt durch Gold ziehen Platin und vor allem Palladium an. Palladium hat die psychologisch wichtige Marke von 1.400 USD je Feinunze überschritten und handelt nun an der charttechnisch wichtigen 100-Tage-Linie. Dem Platin- und Palladiummarkt könnte demnächst ein Streik in Südafrika ins Haus stehen. Morgen will die radikale Gewerkschaft AMCU ihre Gehaltsforderungen für die anstehenden Tarifverhandlungen präsentieren. Diese dürften für die Minenunternehmen unbezahlbar sein.

Industriemetalle: Der anfangs der Woche unter anderem wegen höherer Exporte berichtete Handelsbilanzüberschuss Chinas im Mai resultiert nicht aus höheren Stahlexporten. Diese sind im letzten Monat gemäss Daten der Zollbehörde im Vergleich zum Vorjahr um fast 17% auf 5,74 Mio. Tonnen gefallen. Seit Jahresbeginn liegen die Stahlausfuhren mit 29,1 Mio. Tonnen damit nur noch leicht über dem vergleichbaren Vorjahresniveau. Grund für den Rückgang war die robuste heimische Stahlnachfrage, wodurch die Stahlpreise in China zeitweise deutlich gestiegen waren. Der Preis für Betonstahl an der SHFE notierte im März – der relevante Monat für die Mai-Exporte – bei umgerechnet gut 570 USD je Tonne. An der LME war der Preis zur gleichen Zeit etwa 90 USD niedriger. Daher hat es sich für die chinesischen Stahlproduzenten gelohnt, mehr Stahl im Inland zu verkaufen. Die Aluminiumausfuhren sind dagegen im Mai im Vergleich zum Vorjahr um knapp 12% auf 536 Tsd. Tonnen gestiegen. Sie lagen damit fast wieder auf Rekordniveau. Bis Ende März war die Preisdifferenz zwischen den 3-Monats-Futures an der SHFE und LME noch relativ gering, was Exporte einhergehend mit der auf Hochtouren laufenden chinesischen Produktion attraktiv gemacht hat. Seit April hat sich der Preis an der SHFE relativ betrachtet deutlich verteuert, so dass die Exporte in den kommenden Monaten etwas geringer ausfallen könnten.

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