06.12.2019 16:33:53

Gute US-Arbeitsmarktdaten könnten Gold unter Druck setzen

Energie: OPEC+ will Produktion Anfang 2020 weiter kürzen

Die OPEC und Russland haben sich gestern nach langen Beratungen auf zusätzliche Produktionskürzungen im Umfang von 500 Tsd. Barrel pro Tag verständigt. Diese sollen zunächst nur für das 1. Quartal 2020 gelten. Eine Verlängerung des laufenden Abkommens bis Mitte 2020 ist damit anscheinend vom Tisch. Russland wird ausserdem gestattet, die bei der Erdgasproduktion als Nebenprodukt anfallenden Ölkondensate aus der für die Kürzungen relevanten Ölproduktion herauszurechnen. Dies entspricht gängiger OPEC-Praxis. Die zusätzlichen Kürzungen beziehen sich auf die im seit Jahresbeginn laufenden Kürzungsabkommen vereinbarten Produktionsmengen, nicht auf die aktuelle Produktion. Aufgrund freiwilliger und unfreiwilliger Produktionseinschränkungen produziert die OPEC seit Monaten bereits deutlich weniger als im Abkommen vereinbart. Das heisst, eigentlich ändert sich durch die aktuellen Beschlüsse wenig. Die genaue Aufteilung der zusätzlichen Kürzungen auf die Länder wird heute beschlossen. Angeblich sollen auf die OPEC zwei Drittel und auf die Nicht-OPEC-Länder ein Drittel der Kürzungen entfallen. Saudi-Arabien dürfte auch nach Berücksichtigung der zusätzlichen Produktionskürzungen noch immer erheblich mehr produzieren dürfen als es in den letzten Monaten tat. Für weitergehende Kürzungen pocht Saudi-Arabien auf die vollständige Umsetzung durch alle beteiligten Länder. Somit steigt der Druck auf die notorischen Nicht-Erfüller Irak und Nigeria. Wir erachten die gestrigen Beschlüsse als unzureichend. Denn das Überangebot im 1. Quartal 2020 ist weitaus grösser als 500 Tsd. Barrel pro Tag. Zudem bleibt offen, wie das ebenfalls beträchtliche Überangebot im 2. Quartal ohne Produktionskürzungen eingedämmt werden soll. Wir sehen daher für die Ölpreise erhebliche Abwärtsrisiken. Die OPEC wird sich spätestens im März erneut treffen müssen, um über weitere Kürzungen zu diskutieren.

Edelmetalle: Gute US-Arbeitsmarktdaten könnten Gold unter Druck setzen

Gold steht zum Wochenausklang leicht unter Druck und fällt auf gut 1.470 USD je Feinunze. Laut Aussagen des nationalen Sicherheitsberaters der USA, O’Brien, stehen die USA mit China kurz vor einem „Phase-1-Abkommen“. Sollte dieses tatsächlich bis zum 15. Dezember ausgearbeitet sein, würde dies Gold wohl belasten und der Preis entsprechend fallen. Der Goldpreis könnte allerdings auch heute schon weiter nachgeben, sofern der offizielle US-Arbeitsmarktbericht positiv ausfällt. Trotz der schwachen ADP-Daten am Mittwoch erwarten unsere Volkswirte eine relativ gute Zahl bei den neugeschaffenen Stellen, da sie eine Gegenbewegung nach dem schwachen Vormonat sehen. Denn die Oktober-Daten waren durch den Streik bei einem grossen US-Automobilproduzenten nach unten verzerrt. Gestern hatte Gold allerdings gute US-Konjunkturdaten wie die wöchentliche Arbeitslosenstatistik und die Handelsbilanz weitgehend ignoriert.

Gemäss vorläufigen Daten des Finanzministeriums war die Goldnachfrage in Indien im November doch nicht so stark wie Anfang der Woche von uns berichtet. Laut Ministeriumsangaben wurden im letzten Monat 56 Tonnen Gold importiert, 19% weniger als im Vorjahr. Dennoch ist dies eine klare Erholung zu den Vormonaten (20,8 Tonnen im Oktober, 13,5 Tonnen im September). Die Goldnachfrage und damit die -importe Indiens dürften weiter anziehen, da der Goldpreis in Indischer Rupie in den letzten Monaten etwas gefallen ist.

Industriemetalle: Gegenbewegung beim Nickelpreis

Mit Ausnahme von Nickel profitierten die Industriemetalle gestern nicht von besseren US-Konjunkturdaten (siehe Edelmetalle oben). Sie bewegten sich weitgehend um ihre Vortagesniveaus. Und den Preisanstieg von Nickel führen wir nicht unbedingt auf die US-Daten zurück, sondern sehen diesen eher als Gegenbewegung nach den starken Verlusten in den letzten Wochen. Heute Morgen setzt sich die Erholung bei Nickel auf über 13.400 USD je Tonne fort. Laut Aussagen eines Vertreters des Energie- und Bergbauministeriums sind in Indonesien mittlerweile 11 Nickelschmelzen in Betrieb. Bis 2022 sollen demnach weitere 18 hinzukommen. Zusammen sollen sie eine Verarbeitungskapazität von jährlich 69 Mio. Tonnen Nickelerz haben. Vor ein paar Monaten waren die Pläne dieses Ministeriums noch hochtrabender: Damals hiess es, dass bis 2022 36 Nickelschmelzen mit einer Verarbeitungskapazität von insgesamt 81 Mio. Tonnen Nickelerz pro Jahr stehen sollen. Warum jetzt die Revision vorgenommen wurde, ist uns nicht bekannt.

Eisenerzproduktion in Brasilien wieder auf dem Weg zum Rekordhoch

Eisenerz handelt weiter seitwärts bei rund 87 USD je Tonne. Der weltweit grösste Eisenerzproduzent aus Brasilien hat diese Woche mitgeteilt, dass er 2022 wieder eine rekordhohe Produktion anpeilt. Diese soll dann zwischen 390 und 400 Mio. Tonnen liegen. Ursprünglich wollte das Unternehmen schon dieses Jahr 400 Mio. Tonnen Eisenerz produzieren, wurde aber durch den verheerenden Dammbruch zu Jahresbeginn zurückgeworfen. Die zwangsweise stillgelegten Minen werden mittlerweile schrittweise wieder in Betrieb genommen. Die höhere Produktion in Brasilien trägt mit dazu bei, dass der seewärtige Eisenerzmarkt unseres Erachtens auf dem Weg zurück ins Gleichgewicht ist. Wir erwarten daher im nächsten Jahr fallende Eisenerzpreise.

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