17.06.2019 16:31:40

Goldpreisanstieg stark spekulativ getrieben

Energie: Die Ölpreise reagierten vergleichsweise verhalten auf die jüngste Eskalation im Mittleren Osten, bedenkt man, dass 30% der weltweiten Öllieferungen durch die Strasse von Hormus gehen und im Konfliktfall nur ein geringer Teil via Pipelines umgeleitet werden könnte. Ein Grund ist der Handelskonflikt und die dadurch ausgelösten Nachfragesorgen, ein weiterer das vor allem dank der USA kräftig steigende Nicht-OPEC-Angebot. Die globale Ölnachfrage entwickelt sich in diesem Jahr laut Einschätzung der IEA wegen eines schwachen Jahresbeginns weniger dynamisch als bislang erwartet. Im 1. Quartal gab es den geringsten Nachfrageanstieg seit Ende 2011. Für das 2. Halbjahr rechnet die IEA weiterhin mit einer spürbaren Nachfragebelebung, so dass der Bedarf an OPEC-Öl insbesondere im 3. Quartal deutlich über der aktuellen OPEC-Produktion liegt. Dem liegt jedoch die Annahme zugrunde, dass sich der Handelskonflikt nicht weiter verschärft. In ihrer ersten Prognose für 2020 erwartet die IEA zwar, dass die Nachfrage um robuste 1,4 Mio. Barrel pro Tag zulegt. Das Nicht-OPEC-Angebot soll aber sogar um 2,3 Mio. Barrel pro Tag steigen, wozu neben den USA auch Kanada, Brasilien und Norwegen einen nennenswerten Beitrag leisten. Der Bedarf an OPEC-Öl sinkt daraufhin im nächsten Jahr auf nur noch 29,3 Mio. Barrel pro Tag, was 650 Tsd. Barrel weniger wäre als die aktuell bereits niedrige OPEC-Produktion. Wenn die OPEC über eine Verlängerung des Kürzungsabkommens berät, müsste sie eigentlich das Ende offen lassen und ab Anfang 2020 über stärkere Produktionskürzungen nachdenken.

Edelmetalle: Der Goldpreis stieg am Freitag auf ein 14-Monatshoch von knapp 1.360 USD je Feinunze, geriet dann aber im Zuge eines festeren US-Dollar nach guten US-Konjunkturdaten am Nachmittag unter Druck. Zu Beginn der neuen Handelswoche notiert Gold ca. 20 USD unter dem erwähnten Hoch. Das Risiko von Gewinnmitnahmen und einer Preiskorrektur hat zuletzt stark zugenommen. Denn der vorherige Preisanstieg war stark spekulativ gestiegen. Laut CFTC-Statistik stiegen die spekulativen Netto-Long-Positionen bei Gold in der Woche zum 11. Juni die dritte Woche in Folge deutlich. Sie liegen mittlerweile bei 129,2 Tsd. Kontrakte auf dem höchsten Niveau seit April 2018. Ganz anders ist dagegen die Situation bei Platin. Hier weiteten die spekulativen Finanzanleger ihre Netto-Short-Positionen auf 15,7 Tsd. Kontrakte aus. Höher waren sie zuletzt im Februar. Dies erklärt die gegensätzliche Preisentwicklung von Gold und Platin und die Ausweitung der Preisdifferenz auf 540 USD je Feinunze.

Der Palladiumpreis ist am Freitag mit 1.470 USD je Feinunze auf den höchsten Stand seit dem Preiseinbruch Ende März gestiegen und hat sich damit binnen nur einer Woche um knapp 9% erhöht. Einen fundamentalen Grund für diesen starken Preisanstieg sehen wir nicht, weil Palladium vor allem von der Autokonjunktur abhängig ist, die weltweit eher schwächelt. Ausserdem kann man bei Palladium im Gegensatz zu Gold nicht einmal von einem Anlagemetall oder gar sicheren Hafen sprechen, der angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten gesucht wird. Wir führen den Preisanstieg auf spekulative Käufe zurück und rechnen mit einem baldigen Rückgang der Preise.

Industriemetalle: Die chinesischen Daten für Mai deuten auf anhaltenden Gegenwind in der Wirtschaft hin. Sowohl die Anlageinvestitionen als auch Industrieproduktion haben am Freitag negativ überrascht. Die Industrieproduktion wuchs im Jahresvergleich so schwach wie seit mindestens 17 Jahren nicht mehr und sogar seit 1990, wenn man den Neujahres-Effekt berücksichtigt und die Januar-Februar-Daten um diesen bereinigt. Die schwachen Daten und der anhaltende Handelskonflikt zwischen China und den USA haben die Stimmung der Marktteilnehmer eingetrübt und die Notierungen des LME-Industriemetallindex wieder in Richtung eines Zweijahrestiefs gedrückt. Dennoch sehen wir bei Industriemetallen und speziell bei Kupfer nur noch geringeres Potenzial nach unten. Nicht nur dürften der seit Freitag andauernde Streik in der chilenischen Kupfermine Chuquicamata und die vorübergehende Schliessung der Nchanga-Kupfermine in Sambia die Angebotsrisiken unterstreichen. Vielmehr scheinen die negativen Nachrichten und Erwartungen mittlerweile komplett in den aktuellen Preisen eskomptiert. Denn die Stimmung der Grossanleger ist extrem pessimistisch. Laut CFTC haben diese per letzten Dienstag ihre Netto-Short-Positionen bei Kupfer an der COMEX mit 52,3 Tsd. Kontrakten auf den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen der sog. disaggregierten Daten vor genau 13 Jahren erhöht. Ein solch extremer Pessimismus markiert häufig einen Wendepunkt am Markt. Die zu erwartenden Stützungsmassnahmen der Regierung in China dürften daher zu höheren Preisen führen.

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