18.02.2020 13:30:29

Gold weiter im Aufwind

Energie: Handlungsdruck auf OPEC+ bleibt bestehen

An den Märkten ist die Risikoaversion zurückgekehrt, nachdem ein grosser US-Technologiekonzern sein Umsatzziel für das laufende Quartal einkassiert hat und dies mit den Auswirkungen des Coronavirus begründete. Dies führte den Marktteilnehmern die negativen Folgen von Covid-19 noch einmal deutlich vor Augen. Der Brentölpreis rutscht daher am Morgen wieder unter 57 USD je Barrel. Es war ohnehin erstaunlich, wie gelassen der Ölmarkt die drastische Abwärtsrevision der Nachfrageprognosen durch die drei grossen Energieagenturen in der letzten Woche genommen hat, zumal die OPEC+ bislang keine Anstalten macht, auf den virusbedingten Nachfrageeinbruch mit zusätzlichen Produktionskürzungen zu reagieren. Bislang gibt es lediglich die Empfehlung eines Komittees, die Produktion um weitere 600 Tsd. Barrrel pro Tag kürzen zu wollen, allerdings ohne ein konkretes Datum. Der deutliche Preisanstieg in der letzten Woche und das Drehen der Brent-Terminkurve zurück in Backwardation könnte sogar dazu führen, dass die Kürzung gar nicht erfolgt. In diesem Falle droht dem Ölmarkt im laufenden Quartal ein Überangebot von 1,0-1,5 Mio. Barrel pro Tag. Im zweiten Quartal würde das Überangebot noch ca. 500 Tsd. Barrel pro Tag betragen, wenn Covid-19 an Bedeutung verliert und sich die Nachfrage entsprechend erholt. Erst im zweiten Halbjahr wäre der Ölmarkt ausgeglichen oder sogar leicht unterversorgt. Einfach das Problem aussitzen zu wollen, könnte sich daher für die OPEC+ als verhängnisvoll erweisen. Heute veröffentlicht die US-Energiebehörde neue Prognosen für die US-Schieferölproduktion. Diese dürften zeigen, dass sich das Wachstum weiter abflacht, was angesichts einer seit Monaten rückläufigen Bohraktivität keine Überraschung darstellt. Dafür springen allerdings andere Nicht-OPEC-Länder mit deutlich steigenden Produktionszahlen in die Bresche, so dass der Handlungsdruck auf die OPEC+, das Ölangebot begrenzt zu halten, bestehen bleibt.

Edelmetalle: Gold weiter im Aufwind

Gold steigt am Morgen auf 1.590 USD je Feinunze, den höchsten Stand seit Anfang Februar. Auftrieb gibt eine höhere Risikoaversion, die sich auch in fallenden Aktienmärkten und rückläufigen Anleiherenditen widerspiegelt. Der Goldpreis trotzt weiterhin dem festen US-Dollar, der auf handelsgewichteter Basis auf einem 4½-Monatshoch notiert. In der Folge erreicht Gold in Euro ein neues Rekordhoch von knapp 1.470 EUR je Feinunze.

Palladium steigt erneut über 2.500 USD je Feinunze

Der Palladiumpreis handelt nach einem kräftigen Anstieg gestern wieder über 2.500 USD je Feinunze. Man kann dies nur teilweise mit den anhaltenden Produktionsproblemen in Südafrika wegen Unterbrechungen bei der Stromversorgung und dem erneut hohen Angebotsdefizit in diesem Jahr erklären. So rechnet ein grosser südafrikanischer Produzent für 2020 mit einem Defizit von 1,9 Mio. Unzen. Aus unserer Sicht lässt der Fokus der Marktteilnehmer auf die angebotsseitigen Probleme die mindestens ebenso wichtigen Nachfragerisiken ausser Acht. Diese dürften im Zuge der schwächeren Weltkonjunktur wegen des Covid-19 Virus tendenziell zunehmen. In China ist die Automobilproduktion weiterhin stark beeinträchtigt. Eine höhere Risikoaversion an den Finanzmärkten, ein starker US-Dollar und deutlich niedrigere Autozulassungszahlen in China und Europa sprechen für eine Preiskorrektur. Der Verband der Europäischen Autoproduzenten (ACEA) hat heute für Januar einen Rückgang der PKW-Neuzulassungen in der EU um 7,5% ggü. dem Vorjahr auf 957 Tsd. Fahrzeuge bzw. um 7,4% auf 1,135 Mio. Fahrzeuge mit der Europäischen Freihandelsassoziation (EFTA) und Grossbritannien berichtet.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Industriemetalle: Globale Zinnproduktion 2019 wegen freiwilliger Kürzungen gesunken

Gemäss Daten der International Tin Association (ITA) ist die globale Zinnproduktion im letzten Jahr um 6,6% auf 334,4 Tsd. Tonnen gesunken. Dies lag in erster Linie daran, dass die Schmelzen in China ihre angekündigten Produktionskürzungen im Zuge der gefallenen Preise umgesetzt haben. Laut ITA wurde dort fast 11% weniger Zinn produziert. Dies hat auch dazu geführt, dass der bislang weltweit grösste Zinnproduzent aus China seine Position an den führenden indonesischen Zinnproduzenten verloren hat, da Letzterer im vergangenen Jahr seine Produktion unterstützt durch das staatliche Vorgehen gegen kleine und illegale Schmelzen deutlich ausgeweitet hat. Und perspektivisch wird der grösste indonesische Schmelzer seine Produktion noch weiter steigern. Denn Ende Januar wurde der Grundstein für eine neue Zinnschmelze mit einer jährlichen Produktionskapazität von rund 40 Tsd. Tonnen gelegt, die Mitte 2021 betriebsbereit sein soll. Sollten in diesem Zuge nicht ältere Anlagen aus dem Markt genommen werden, dürfte der globale Zinnmarkt in den nächsten Jahren unseres Erachtens auf beträchtliche Angebotsüberschüsse zusteuern. Dies würde wohl auch spürbar steigenden Zinnpreisen entgegenstehen. Den Einfluss des Covid-19-Virus auf die Zinnnachfrage sieht die ITA nur als begrenzt und kurzfristig an. Sie will nächste Woche hierzu näher Stellung nehmen. Der LME-Zinnpreis hat seine Verluste aus der zweiten Januarhälfte bislang nur zu etwa einem Drittel aufgeholt. Er notiert aktuell bei rund 16.600 USD je Tonne und damit nach wie vor unter der charttechnisch wichtigen 100-Tage-Linie.

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