03.12.2019 13:30:31

Gold vielfältig unterstützt

Energie: Saudi-Arabien will angeblich stärkere Produktionskürzung der OPEC+

Die Ölpreise haben ihre zwischenzeitlichen Gewinne gestern im Tagesverlauf wieder abgegeben. Brent handelt am Morgen bei gut 61 USD je Barrel nur unweit der Tiefs von Freitagabend bzw. Montag früh. WTI kostet gut 56 USD je Barrel, womit die Verluste vom Freitag auch nur zu einem geringen Teil wieder wettgemacht wurden. Angeblich will Saudi-Arabien die OPEC+ davon überzeugen, die Ölproduktion im ersten Halbjahr 2020 um weitere 400 Tsd. Barrel pro Tag zu reduzieren. Die Produktionskürzungen würden sich dann auf insgesamt 1,6 Mio. Barrel pro Tag belaufen. Diese Entwicklung kommt überraschend, denn bislang galt eine Verlängerung der Produktionskürzungen auf dem gegenwärtigen Niveau als wahrscheinlich. Schliesslich kam auch ein OPEC-Komittee zu dem Schluss, dass der Ölmarkt ohne weitere Produktionseinschränkungen im nächsten Jahr ausgeglichen sei. Ein anderes OPEC-Gremium kommt nun zu der Einschätzung, dass ohne zusätzliche Kürzungen in der ersten Jahreshälfte ein grosses Überangebot und ein Anstieg der Lagerbestände drohen würde. Wir teilen diese Ansicht, haben aber grosse Zweifel, dass es Saudi-Arabien gelingen wird, die anderen Länder davon zu überzeugen. Zumal Saudi-Arabien mit dem o.g. Vorstoss womöglich eigene Interessen verfolgt, nämlich den bevorstehenden Börsengang von Saudi Aramco zu unterstützen. Russland hat stärkere Produktionskürzungen bereits abgelehnt. Die im Raum stehenden 400 Tsd. Barrel pro Tag an zusätzlichen Kürzungen wird Saudi-Arabien daher grösstenteils allein stemmen müssen. Das sich abzeichnende Überangebot wird man damit allerdings nur verringern, nicht jedoch gänzlich verhindern können. Von daher ist die verhaltene Reaktion der Ölpreise für uns absolut nachvollziehbar.

Edelmetalle: Gold vielfältig unterstützt

Gold verteidigt sein Preisniveau und handelt heute Morgen weiter bei gut 1.460 USD je Feinunze. Hierzu trägt der schwächere US-Dollar bei, der gestern im Zuge schwacher US-Konjunkturdaten abwertete. So enttäuschte zum Beispiel der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe, der im November entgegen den Erwartungen auf 48,1 gefallen ist. Gold profitierte daneben von Trump-Tweets, die zur Verunsicherung unter den Marktteilnehmern beitrugen. So hat Trump US-Importzölle auf Aluminium und Stahl aus Argentinien und Brasilien wieder eingeführt und dies explizit mit der Währungsentwicklung in den beiden Ländern verknüpft. Dadurch ist die Sorge aufgekommen, dass daraus ein Währungskrieg entstehen könnte. Daneben haben die USA unter anderem mit Zöllen auf französische Produkte als Vergeltung für die Digitalsteuer dort gedroht. Und auch im Handelsstreit mit China geht das verbale Säbelrasseln weiter: US-Handelsminister Ross kündigte an, die Zölle gegen China wie geplant am 15. Dezember zu erhöhen, sollte bis dahin keine Einigung erzielt sein. China wiederum hat weitere Sanktionen gegen die USA verhängt. Trump twitterte gestern zudem erneut gegen die Fed: Er forderte die US-Notenbank wiederholt zum Handeln auf, so dass andere Länder nicht vom starken US-Dollar profitieren sollten. Gold erhielt darüber hinaus Unterstützung durch positive Meldungen zur Goldnachfrage in Indien. Regierungskreisen zufolge sind die Goldimporte im November auf ein 5-Monatshoch von 71 Tonnen gestiegen, sie lagen demnach aber immer noch unter Vorjahr. Zum Anstieg der Importe haben wohl die in den letzten Monaten etwas gefallenen Goldpreise in Indien beigetragen.

Industriemetalle: Neue US-Zölle auf Aluminium und Stahl

US-Präsident Trump hat gestern via Twitter überraschend angekündigt, mit sofortiger Wirkung wieder Aluminium- und Stahlzölle gegen Argentinien und Brasilien einzuführen. Diese wurden von Trump in einem Rundumschlag im März 2018 eingeführt (10% auf Aluminium, 25% auf Stahl), später in ein Quotensystem überführt und im Frühjahr diesen Jahres wieder aufgehoben. Trump führte gestern als Grund die Abwertung der Währungen der beiden Länder an, die die US-Landwirte benachteiligen würde. Brasilien und Argentinien sind wie die USA bedeutende Exporteure von Agrarprodukten. Im Falle von Aluminium dürften die US-Importzölle keine grossen Auswirkungen haben. Denn die USA decken gemäss Daten des World Bureau of Metal Statistics nur gut 4% ihrer Aluminiumimporte aus Argentinien und sogar nur 0,2% aus Brasilien. Für Argentinien allerdings sind die USA ein wichtiger Abnehmer, für Brasilien spielen sie hingegen kaum eine Rolle. Im Falle von Stahl zeigt sich ein etwas anderes Bild. Argentinien spielt zwar auch hier eine untergeordnete Rolle (0,6% der US-Stahlimporte bislang in diesem Jahr gemäss Daten der US-Statistikbehörde), Brasilien ist dagegen schon schwergewichtiger. So haben die USA von Januar bis Oktober 3,8 Mio. Tonnen Stahl in Brasilien gekauft, was 17% ihrer Importe entspricht. Brasilien ist damit hinter Kanada wichtigster Stahllieferant der USA. Und für Brasilien sind die USA ein wichtiger Abnehmer: Die Stahl- und Eisenexporte in die USA belegen Platz zwei hinter Öl. Auf den Weltmarkt dürften die US-Zölle gegen Argentinien und Brasilien unseres Erachtens aber weder bei Aluminium noch bei Stahl grosse Auswirkungen haben. Dafür sind die Mengen zu klein.

Finanzen.net News

pagehit
;