08.11.2019 13:30:06

Gold und Silber stürzen weiter ab

Energie – Von Euphorie am Ölmarkt keine Spur, China mit rekordhohen Rohölimporten: Die Euphorie wegen eines möglichen Handelsabkommens zwischen den USA und China scheint am Ölmarkt bereits verflogen. Brent fällt am Morgen wieder unter 62 USD je Barrel. Denn eines ist klar: Auch wenn es zu einer Teileinigung kommt, wird der Impuls auf die Nachfrage nicht stark genug sein, um ein Überangebot im nächsten Jahr zu vermeiden. Die Notwendigkeit einer stärkeren OPEC-Produktionskürzung besteht somit fort. Innerhalb der OPEC gibt es aber Stimmen, die die gegenwärtigen Kürzungen als ausreichend erachten, sofern sie nur konsequent umgesetzt werden. Dies übt Druck auf die Preise aus. Dass von einer Lösung im Handelsstreit kaum zusätzliche Impulse auf die Ölnachfrage ausgehen dürften, zeigen auch die chinesischen Importzahlen. China hat im Oktober soviel Rohöl importiert wie nie zuvor. Laut Daten der Zollbehörde beliefen sich die Einfuhren auf umgerechnet 10,7 Mio. Barrel pro Tag, womit das bisherige Rekordniveau vom April knapp übertroffen wurde. Im Vorjahresvergleich beläuft sich der Anstieg auf 11,5%. In den ersten zehn Monaten zusammen liegen die Importe 10,5% gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. China bleibt somit trotz Wachstumsverlangsamung und Handelskonflikt die wichtigste Stütze der Ölnachfrage. Der steigende Rohölbedarf Chinas erklärt sich mit der Inbetriebnahme neuer Raffineriekapazitäten sowie der Rückkehr von Raffinerien aus der saisonalen Wartung. Eine Rolle dürfte auch die Anfang 2020 in Kraft tretende niedrigere Schwefelobergrenze in Schiffskraftstoffen spielen (IMO 2020). Im Zuge dessen waren die Verarbeitungsmargen für Gasöl bis Ende Oktober stark gestiegen, was die Produktion von Gasöl attraktiv gemacht hat. Die Raffinerien benötigen daher auch mehr Rohöl. Der starke Rückgang des Gasöl-Crackspread seither lässt darauf schliessen, dass die Produktion von Gasöl mittlerweile auf Hochtouren läuft und der höhere Bedarf an schwefelarmen Kraftstoffen aus dem Schiffssektor gedeckt werden kann.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle –  zweite Verkaufswelle bei Gold und Silber in dieser Woche: Gold ging gestern Nachmittag zum zweiten Mal in den letzten drei Handelstagen auf Tauchstation. Dabei durchbrach es sowohl das Tief von Mitte Oktober als auch die 100-Tage-Linie, die beide bei ca. 1.475 USD je Feinunze lagen. Der Preisrutsch endete erst kurz vor dem Tief vom 1. Oktober bei rund 1.460 USD. Seit Dienstag hat Gold damit 50 USD verloren. Das Wochenminus beläuft sich auf knapp 3%. Einen stärkeren Verlust gab es zuletzt vor 2 1/2 Jahren. Der Optimismus eines zum Greifen nahen (Teil-)Handelsabkommens zwischen den USA und China und eine mögliche schrittweise Rücknahme der gegenseitigen Strafzölle führte zu einem deutlichen Anstieg des Risikoappetits an den Finanzmärkten. Dies treibt die weltweiten Aktienmärkte von einem Rekordniveau zum nächsten und drängt sichere Häfen wie Gold und Anleihen an die Seitenlinie. So stieg gestern auch die 10-Jahresrendite in den USA auf fast 2% und damit auf den höchsten Stand seit Anfang August. Silber geriet gestern noch stärker unter die Räder als Gold. Das weisse Edelmetall verlor allein gestern 3% und liegt seit Wochenbeginn ca. 1 USD bzw. knapp 6% im Minus. Mit weniger als 17 USD je Feinunze verzeichnete auch Silber das niedrigste Niveau seit Anfang Oktober. Wir führen die starken Verluste bei Gold und Silber auf Verkäufe auf dem Terminmarkt zurück. Die spekulativen Finanzanleger hielten Ende Oktober sowohl bei Gold als auch bei Silber beträchtliche Netto-Long-Positionen. Erste Hinweise auf spekulative Verkäufe können die CFTC-Daten heute Abend liefern, wobei der gestrige Ausverkauf darin noch nicht berücksichtigt ist. Die Daten gehen bis einschliesslich Dienstag, schliessen somit nur den ersten Preisrutsch mit ein. Die Gold-ETFs verzeichneten in den letzten beiden Tagen zwar Abflüsse von zusammen knapp 5,6 Tonnen. Diese waren aber bei weitem nicht stark genug, um den Preisrückgang erklären zu können. Bei den Silber-ETFs kam es sogar zu beträchtlichen Zuflüssen von gut 80 Tonnen.

Industriemetalle – Aluminium dürfte vom US-China Abkommen profitieren: Auch wenn die Industriemetallpreise an der LME auf Zeichen der Entspannung im Handelsstreit zwischen den USA und China bislang nicht stark reagieren, kratzt der LME-Industriemetallindex immerhin am Sechsmonatshoch. Von einer möglichen Entspannung im Handelsstreit dürften indirekt mittelfristig alle Industriemetalle profitieren, denn die Handelseinschränkungen werden aktuell als grösste Konjunkturhindernisse angesehen. Ausserdem zählen die USA auch zu den grössten Metallimporteuren. Die Einzelheiten und der Zeitplan für die Umsetzung des Abkommens sind nicht klar bzw. stehen noch nicht fest. Doch dürften schon in der ersten Phase des Abkommens, das voraussichtlich in einem Monat unterschrieben wird, einige Strafzölle und Tarife von beiden Seiten, wie z.B. die für Zinkprodukte, zurückgenommen werden. Auch dürfte der Aluminiumpreis vom Abkommen profitieren. China ist der mit Abstand grösste Aluminiumproduzent und -exporteur, wobei die Exporte von (Roh-)Aluminium und Aluminiumprodukten vom Rekordwert von 550 Tsd. Tonnen im Januar laut chinesischem Zoll mittlerweile auf nur noch 431 Tsd. Tonnen im Oktober zurückgegangen sind. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Exporte im Oktober um über 10% eingebrochen. Der Rückgang ist zwar nicht allein auf eine schwache (Export-)Nachfrage sondern auch auf einige Produktionsunterbrechungen zurückzuführen. Doch dürfte die Belebung der Nachfrage die Liefersituation weiter anspannen. So sind die Aluminiumbestände an der SHFE in Shanghai mittlerweile auf den niedrigsten Stand seit März 2017 gesunken. Zudem befand sich der Aluminiumpreis an der LME zuletzt in Backwardation, d.h. der Kassakurs lag über dem Terminpreis für Dreimonatsforward, was auf eine Angebotseinengung hindeutet.

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