19.09.2019 13:47:23

Gold trotz Fed-Zinssenkung unter Druck

Energie: Die Ölpreise fielen gestern den zweiten Tag in Folge deutlich. Brent rutschte zeitweise auf 63 USD je Barrel. Der Preissprung nach den Angriffen auf saudi-arabische Öleinrichtungen zu Wochenbeginn wurde damit mehr als zur Hälfte wieder korrigiert. Die schneller als erwartete Normalisierung der saudi-arabischen Ölproduktion lastet weiter auf den Preisen. Zudem versicherte die IEA, dass die Notfallreserven mehr als ausreichend seien und man falls erforderlich die Versorgung des Marktes sicherstellen werde. Auch die in der letzten Woche gestiegenen US-Rohöllagerbestände dürften den Markt in dieser Sichtweise bestärkt haben. Der Markt dürfte eine zu entspannte Sicht auf die Dinge einnehmen. Die Rhetorik zwischen Saudi-Arabien und den USA auf der einen Seite sowie dem Iran auf der anderen hat sich spürbar verschärft. Saudi-Arabien hat gestern Beweise präsentiert, die belegen sollen, dass ohne jeden Zweifel der Iran hinter den Angriffen steckt. US-Aussenminister Pompeo, der derzeit zu Konsultationen in Saudi-Arabien weilt, sprach in diesem Zusammenhang von einem kriegerischen Akt. US-Präsident Trump hat gestern eine weitere deutliche Verschärfung der Sanktionen gegen den Iran angekündigt. Der Iran weist die Anschuldigungen zurück und droht seinerseits mit Gegenmassnahmen. Das Risiko besteht somit, dass unbedachte Handlungen der Beteiligten zu einer nicht mehr kontrollierbaren Spirale der Eskalation führen. Dies rechtfertigt unseres Erachtens eine höhere Risikoprämie. Da Brent Ende letzter Woche bei 60 USD notierte, beziffern wir sie aktuell auf ca. 3-4 USD, was angesichts der genannten Risiken zu wenig ist.

Der CO2-Preis im EU-Emissionshandel fiel gestern auf gut 25 EUR je Tonne zurück, nachdem das französische Energieunternehmen EDF vorerst keinen Anlass sieht, Teile der Atomkraft, die 75% der französischen Stromerzeugung verantwortet, zwecks Instandhaltungsmassnahmen herunterfahren zu müssen. Preisbelastend ist zudem der zeitgleiche scharfe Rücksetzer am Kassamarkt für EU-Gas, während der Kohlepreis im internationalen Markt nur leicht nachgibt. Auch wenn die kohlebasierte Stromproduktion von den wieder etwas günstigeren Emissionsrechten “profitiert”, ist Gaskraft momentan rentabler als Kohlekraft, was den Brennstoffwechsel in der Stromerzeugung hin zu Gas begünstigt. Nicht zuletzt hält der drohende “harte” Brexit den CO2-Preis vorerst in Schach. Mittelfristig sehen wir jedoch weiteren (politischen) Aufwind. Schliesslich beeinflussen auch nationale Pläne, selbst wenn nicht unmittelbar mit dem EU-Emissionshandel verknüpft, die Stimmung und Preiserwartungen: Morgen will das deutsche Klimakabinett sein Massnahmenpaket präsentieren.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle: Die US-Notenbank Fed hat gestern wie erwartet die Zinsen um weitere 25 Basispunkte gesenkt. Daraufhin wertete der US-Dollar allerdings auf und die Anleiherenditen stiegen, da es im FOMC drei Abweichler bei der Zinssenkung gab. Der Fed-Vorsitzende Powell hat sich in der anschliessenden Pressekonferenz zudem nicht explizit auf weitere Zinssenkungen festgelegt. Die Fed werde von Sitzung zu Sitzung anhand der Datenlage entscheiden. Der Markt hat daraufhin seine Zinssenkungserwartungen etwas reduziert. Die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung in diesem Jahr liegt jetzt noch bei 75%. US-Präsident Trump hat via Twitter die Entscheidung der Fed erwartungsgemäss kritisiert. Gold stand im Nachgang der Fed-Sitzung unter Druck und ist unter 1.500 USD je Feinunze gefallen, wo es auch heute Morgen noch notiert. Im Fahrwasser von Gold hat Silber stärker nachgegeben. Es rutschte auf 17,6 USD je Feinunze ab.

Der Verband der europäischen Automobilproduzenten (ACEA) hat gestern Morgen Neuzulassungszahlen für Juli und August veröffentlicht. Während in der EU im Juli etwas mehr Autos als im Vorjahr neu zugelassen wurden, sind die Absätze im August eingebrochen (-8,4%). Die ACEA führt dies in erster Linie auf eine hohe Vergleichsbasis zurück, da im August 2018 vor der Einführung des WLTP-Abgastests noch schnell ungewöhnlich viele Autos neu zugelassen wurden. Nach acht Monaten liegen die Autoneuzulassungen gut 3% unter Vorjahr. Der negative Basiseffekt ist mit den August-Daten nun aus der Statistik rausgefallen. Platin und Palladium haben gestern kaum auf die ACEA-Daten reagiert. Sie standen im Einklang mit Gold und Silber unter Druck und sind um 1% bzw. 0,5% gefallen.

Industriemetalle: Die gestrige Fed-Zinssenkung gibt den Metallpreisen heute Morgen keinen Auftrieb, denn die Zentralbanker sind sich uneins, ob die Fed weitere Massnahmen zur Unterstützung der US-Konjunktur ergreifen soll. Der daraufhin festere US-Dollar hält die Preise wohl in Schach. Kupfer handelt weiter unter der Marke von 5.800 USD je Tonne, unter die es gestern gefallen war. Zink rutscht auf 2.300 USD je Tonne und notiert damit rund 100 USD unter seinem 6-Wochenhoch von Montag. Zink wie auch Blei haben gestern nicht auf die Daten der International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) reagiert. Die ILZSG sieht beide Märkte im Juli weitgehend ausgeglichen. In den ersten sieben Monaten des Jahres bestand demnach am globalen Zinkmarkt aber ein nach wie vor beachtliches Angebotsdefizit von 106 Tsd. Tonnen. Dieses war allerdings deutlich geringer als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Da in Anbetracht der niedrigen Preise die Nachfrage offenbar wieder etwas anzieht, dürfte das Defizit für den Rest des Jahres bestehen bleiben. Am globalen Bleimarkt hat sich das Angebotsdefizit den ILZSG-Daten zufolge im Vorjahresvergleich ausgeweitet. Zwischen Januar und Juli belief es sich auf 47 Tsd. Tonnen. Sollte die „Port Pirie“-Bleischmelze in Australien, die derzeit bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr für längere Zeit stillsteht, nicht bald wieder in Betrieb genommen werden, dürfte der Bleimarkt auch im Gesamtjahr 2019 im Defizit bleiben. Die Unterversorgung sollte sowohl den Bleipreis als auch den Zinkpreis unterstützen.

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