20.02.2020 13:00:40

Gold steigt auf 7-Jahreshoch

Energie: Nachlassende Virussorgen schieben Brent in Richtung 60 USD

Der Brentölpreis legte gestern deutlich zu und nähert sich wieder der Marke von 60 USD je Barrel. Der aktuelle Preisanstieg ist auf nachlassende Sorgen hinsichtlich der Ausbreitung des Coronavirus zurückzuführen. Die Zahl der Neuansteckungen mit dem Covid-19-Virus in China ist in den letzten Tagen deutlich gesunken. Heute lag sie offiziellen Angaben zufolge nur noch bei 349 und ist damit so niedrig wie zuletzt Ende Januar. Auch wenn dies auf eine geänderte Erfassungsmethode zurückzuführen ist, wächst dadurch die Hoffnung, dass die virusbedingte Bremswirkung auf die chinesische Ölnachfrage demnächst nachlassen könnte. Die Bremsspuren sind aktuell beträchtlich. Industriekreisen zufolge verarbeiten die Raffinerien in China derzeit ca. 10 Mio. Barrel Rohöl pro Tag. Das ist 25% weniger als im Durchschnitt des Vorjahres und das geringste Volumen seit 2014. Dies dürfte sich in niedrigeren Ölimporten niederschlagen. Auch ist dadurch fraglich, ob China wie im “Phase-1-Abkommen” zugesagt, grössere Mengen an US-Rohöl kaufen wird. In einem ersten Schritt wurde in dieser Woche allerdings verkündet, dass Ausnahmen von den Strafzöllen auf Rohölimporte aus den USA erteilt werden. Neben der leichten Entspannung auf der Nachfrageseite erhalten die Ölpreise momentan auch Unterstützung durch Nachrichten zum Ölangebot. Wie wir gestern geschrieben haben, ist die Ölproduktion in Libyen seit einem Monat stark eingeschränkt. Zudem gibt es offenbar Sorgen, dass die US-Sanktionen gegen eine Handelseinheit von Rosneft ausländische Käufer davor abschrecken könnten, Öl vom grössten russischen Ölproduzenten zu kaufen. Der vom API berichtete kräftige Anstieg der US-Rohölvorräte in der letzten Woche um gut 4 Mio. Barrel sollte dem Ölpreisanstieg allerdings Wind aus den Segeln nehmen. Die offiziellen Lagerdaten werden vom US-Energieministerium am Nachmittag veröffentlicht.

Edelmetalle: Gold zeigt bemerkenswerte relative Stärke

Gold ist gestern Abend im späten Handel auf ein 7-Jahreshoch von 1.613 USD je Feinunze gestiegen. Dies ist etwas erstaunlich in Anbetracht des hohen Risikoappetits der Marktteilnehmer, der sich unter anderem in weiter steigenden Aktienmärkten widerspiegelt, und des anhaltend festen US-Dollar. Der handelsgewichtete Dollar-Index ist auf den höchsten Stand seit fast drei Jahren gestiegen. In Euro wurde das Rekordhoch auf 1.493 EUR je Feinunze nach oben geschraubt. Gold wird dabei aber hauptsächlich durch eine robuste Investmentnachfrage getrieben: Die Gold-ETFs verzeichneten gestern bereits den 21. Handelstag in Folge Zuflüsse und die spekulativen Finanzinvestoren dürften ihre Netto-Long-Positionen ebenfalls weiter ausgeweitet haben. Die Überlegung dahinter ist offenbar, dass China und vielleicht auch andere Länder Stimulierungsmassnahmen wie zum Beispiel Zinssenkungen ergreifen, um ihren Wirtschaften nach dem Covid-19-Virus unter die Arme zu greifen. Dagegen bleibt die Goldnachfrage in Asien verhalten, wie Daten der Schweizer Zollbehörde heute Morgen zeigten: Die Schweiz hat demnach im Januar nur 40,6 Tonnen Gold nach China und Hongkong und sogar nur 9 Tonnen nach Indien exportiert. Und die Nachfrage in den beiden wichtigsten Goldkonsumentenländern dürfte verhalten bleiben, da die Goldpreise dort sehr hoch sind (in Indien fast auf Rekordhoch, in China auf dem höchsten Stand seit 7½ Jahren). In China kommt derzeit noch das Covid-19-Virus hinzu, im Zuge dessen viele Juweliere nach wie vor geschlossen haben. Laut dem gestern Abend veröffentlichten Sitzungsprotokoll der US-Notenbank hält die Fed ihre aktuelle Geldpolitik noch eine Zeit lang für angemessen. Der Markt erwartet dagegen mindestens eine Zinssenkung im Jahresverlauf.

Industriemetalle: Angebotsdefizit am Zinkmarkt deutlich geschrumpft, Bleimarkt ausgeglichen

Gemäss gestern Abend veröffentlichter Daten der International Lead and Zinc Study Group (ILZSG) wies der globale Zinkmarkt im letzten Jahr ein Angebotsdefizit von 189 Tsd. Tonnen auf. Dieses ist gegenüber dem Vorjahr um fast zwei Drittel geschrumpft, wozu in erster Linie eine um 2,8% gestiegene Produktion beitrug. Die Nachfrage war im Jahresvergleich nahezu unverändert. Das Defizit entsprach den Erwartungen der ILZSG von ihrer Herbsttagung im Oktober. In diesem Jahr soll der Zinkmarkt in einen beachtlichen Überschuss drehen, da das Angebot stark ausgeweitet werden soll. Allerdings haben derzeit in China viele Zinkschmelzen in verschiedenen Provinzen wegen des Covid-19-Virus ihre Produktion gedrosselt. Auch in vielen Zink- und Bleiminen wird nicht oder nur reduziert gearbeitet. Generell sollte dem Markt aber in diesem Jahr deutlich mehr Zinkkonzentrat zur Verarbeitung zu Zinkraffinade zur Verfügung stehen, was sich auch in einem Anstieg der Schmelz- und Verarbeitungsgebühren widerspiegeln dürfte. Diese werden für 2020 gerade im Rahmen der International Zinc Association-Konferenz in den USA verhandelt. Die Schmelzen fordern mehr als 300 USD je Tonne, im letzten Jahr lagen die Gebühren bei 245 USD.

Am globalen Bleimarkt hat sich den ILZSG-Daten zufolge 2019 doch noch ein marginaler Angebotsüberschuss von 8 Tsd. Tonnen ergeben. Im Vorjahr wurde ein hohes Defizit verzeichnet. Dass der Markt schlussendlich ausgeglichen war, lag an der schwachen Nachfrage (-1,1%) und dem Wiederanfahren der „Port Pirie“-Schmelze in Australien im Herbst. Für dieses Jahr erwartet die ILZSG einen deutlich grösseren Überschuss am Bleimarkt. Dies spricht unseres Erachtens wie auch bei Zink gegen stark steigende Preise.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Agrar: Zuckerpreis legt wieder zu

Der Rohzuckerpreis ist wieder über die Marke von 15 US-Cent je Pfund gestiegen und hat die kurzzeitige Schwäche von Ende letzter Woche wieder wettgemacht. Der Zuckerpreis bleibt damit auch in Schlagdistanz zum in der letzten Woche verzeichneten 2-Jahreshoch. Weiterhin Unterstützung gibt die Erwartung eines beträchtlichen Angebotsdefizits im laufenden Erntejahr. Dieses könnte aufgrund von trockenheitsbedingten Ernteausfällen in Thailand noch grösser ausfallen. Zudem hat der brasilianische Ölkonzern Petrobras gestern die Benzinpreise in seinen Raffinerien um 3% erhöht, wodurch für die Zuckermühlen in Brasilien die Produktion des zu Zucker in Konkurrenz stehenden Ethanol attraktiver wird.

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