25.06.2019 16:11:09

Gold steigt auf 6-Jahreshoch

Energie: Die Ölpreise geben am Morgen leicht nach, handeln aber weiterhin nicht weit entfernt von ihren gestern verzeichneten 3½-Wochenhochs. US-Präsident Trump hat als Reaktion auf den Drohnenabschuss und die Angriffe auf Öltanker neue Sanktionen gegen den Iran verhängt. Diese betreffen den geistlichen Führer, Ayatollah Khamenei, und andere führende Vetreter des iranischen Regimes. Trumps Wunsch nach Verhandlungen mit dem Iran über ein neues Atomabkommen (“Make Iran great again”) ist dadurch in weite Ferne gerückt. Die Türen für eine diplomatische Lösung der Krise scheinen zumindest fürs Erste zugeschlagen. Der Iran hat in einer Reaktion auf die Sanktionen bereits vom “Ende der Diplomatie” gesprochen. Unterdessen hat Trump auch die Bereitschaft der USA in Frage gestellt, einen sicheren Transportweg durch die Strasse von Hormus zu gewährleisten. Er verlangt dafür von anderen Ländern eine Beteiligung an den Kosten und verweist dabei auf die hohe Abhängigkeit insbesondere asiatischer Länder wie China und Japan nach dem Öl aus der Region. Dies könnte auch ein Versuch sein, diese Länder zu einem verstärkten Kauf von US-Öl zu bewegen. Zudem könnte Trump im Vorfeld des G20-Gipfels Druck auf China aufbauen wollen, sich in den Handelsgesprächen zu bewegen. Dass die USA tatsächlich die arabischen Verbündeten in der Region, insbesondere Saudi-Arabien, auf sich allein gestellt lassen würden, ist eher unwahrscheinlich. Die angespannte Gemengelage im Mittleren Osten spricht für eine höhere Risikoprämie auf die Ölpreise. Wir sehen für die Ölpreise weiteres Anstiegspotenzial.

Edelmetalle: Gold hat einen weiteren Satz nach oben gemacht und ist heute Morgen zeitweise auf 1.440 USD je Feinunze gestiegen. Dies ist der höchste Wert seit über sechs Jahren. Gold in Euro gerechnet klettert vorübergehend auf 1.260 EUR je Feinunze, ein 6½-Jahreshoch. Schon gestern legte Gold um 1,4% zu. Dieser Anstieg wurde erneut von kräftigen ETF-Zuflüssen begleitet. Diesmal wurden die Bestände um 4,3 Tonnen aufgestockt. Zum Preisanstieg hat auch der schwächere US-Dollar beigetragen. Ebenso haben die neuen US-Sanktionen gegen den Iran eine Rolle gespielt, da sie zur Unsicherheit beitragen, wie es im Konflikt zwischen den USA und dem Iran weitergeht. Zu guter Letzt hat US-Präsident Trump wiederholt gegen die US-Notenbank Fed geschossen. Per Twitter warf er der Fed vor, dass sie nicht wisse, was sie tue, und sich wie ein „trotziges Kind“ verhalte, indem sie nicht die Zinsen senke, wenn es jetzt nötig sei. Heute hält der Fed-Vorsitzende Powell in New York eine Rede, die aber keine neuen Erkenntnisse über die Geldpolitik der Fed bringen dürfte. Der Markt hat eine Zinssenkung für die nächste Fed-Sitzung Ende Juli eingepreist.

Wie wir gestern an dieser Stelle schon geschrieben haben, ist die Schwäche von Silber gegenüber Gold auffällig. Silber ist gestern nur halb so stark gestiegen wie Gold und handelt aktuell bei 15,5 USD je Feinunze. Das Gold/Silber-Verhältnis ist im Zuge dessen auf knapp 93 gestiegen, der höchste Stand seit Oktober 1992. Trotz zuletzt verstärkter ETF-Zuflüsse – seit Monatsbeginn über 300 Tonnen – kommt der Preis nicht in die Gänge.

Industriemetalle: Die weltweite Stahlproduktion ist gemäss Daten des Weltstahlverbands im Mai auf ein neues Rekordhoch von 162,7 Mio. Tonnen (5,25 Mio. Tonnen pro Tag) gestiegen. Dies hatte sich schon angedeutet, nachdem das Nationale Statistikbüro für China bereits einige Tage zuvor eine rekordhohe Stahlproduktion gemeldet hatte. Der Anteil Chinas an der weltweiten Produktion ist auf fast 55% gestiegen, so hoch wie nie zuvor. Neben China wurde in Indien und in den USA deutlich mehr Stahl hergestellt. Dagegen war die Produktion in Japan und in der EU klar rückläufig. Nach den ersten fünf Monaten des Jahres liegt die weltweite Stahlproduktion auf Rekordkurs. Während der Preis für Betonstahl an der LME gestern nicht reagiert hat, ist der Preis an der SHFE sogar auf den höchsten Stand seit 7½ Monaten gestiegen. Dies lag an einer Meldung, wonach in Tangshan – in dieser Stadt wird in China am meisten Stahl produziert – zuvor angeordnete Produktionskürzungen bis Ende Juli verlängert werden. Die Verlängerung wurde notwendig, da die bisherige Anordnung kaum umgesetzt wurde. Wegen der hohen Stahlproduktion ist weiterhin die Nachfrage nach Eisenerz stark, was die Eisenerzpreise unterstützt. In Singapur fällt der Preis heute zwar unter 110 USD je Tonne, ist damit aber nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Allerdings kommt wieder mehr Angebot an den Markt zurück: In Brasilien wurde am Wochenende die „Brucutu“-Eisenerzmine mit einer Produktionskapazität von 30 Mio. Tonnen p.a. wieder angefahren. Die Mine musste nach einem Dammbruch Ende Januar stillgelegt werden. Die 30 Mio. Tonnen entsprechen etwa einem Drittel der behördlich angeordneten Produktionsschliessungen.

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