13.12.2019 13:30:30

Gold rutscht nach Trump-Tweet ab

Energie: Ölpreis profitiert vom Risikoappetit und einem schwachen US-Dollar

Der Risikoappetit der Finanzanleger dürfte nun dank dem Deal zwischen den USA und China (siehe Industriemetalle unten) und dem nahen Ende der Hängepartie um den Brexit (siehe Edelmetalle unten) weiter hoch bleiben. Davon wird auch der Ölpreis profitieren. Nicht nur die Erwartungen der Investoren und ein schwächerer US-Dollar sprechen dafür, sondern auch eine Verbesserung der Stimmung in der Wirtschaft und dadurch mittelfristig auch eine höhere physische Nachfrage. Nach Einschätzung der IEA dürfte drei Viertel des Ölnachfragewachstums in diesem Jahr allein auf China entfallen, während die OECD-Nachfrage erstmals seit 2014 um 75 Tsd. Barrel täglich ggü. Vorjahr gefallen sein sollte. Im nächsten Jahr rechnet die IEA mit einem höheren Welt-Nachfragewachstum von 1,2 Mio. Barrel täglich ggü. 1 Mio. Barrel in diesem Jahr. Heute Morgen handelt der Brentölpreis in der Nähe von 65 USD je Barrel auf dem höchsten Stand seit Mitte September als der Ölpreis in Folge der Anschläge auf die saudische Ölinfrastruktur hochschnellte. Doch der Markt scheint dabei erneut auf einem Ohr taub zu sein und zu ignorieren, dass der entscheidende Faktor in der mittelfristigen Perspektive die Angebotsentwicklung bleiben wird. Und hier dürfte das Nicht-OPEC-Angebot im kommenden Jahr um 2,1 Mio. Barrel steigen, auch wenn sich Brasilien der OPEC+ anschliessen und sein Angebot drosseln sollte. Daher droht dem Ölmarkt zumindest in der ersten Jahreshälfte ein massives Überangebot und ein starker Lageraufbau. Angesichts des jüngsten Preisanstiegs könnte das Nicht-OPEC-Angebot sogar noch stärker steigen und die Förderdisziplin innerhalb der OPEC+ tendenziell bröckeln. Die norwegische Ölproduktion ist im November dank der Erschliessung des neuen Ölfeldes “Johan Sverdrup” mit 1,71 Mio. Barrel pro Tag auf den höchsten Stand seit Frühjahr 2017 gestiegen. Noch im Juni war sie unter 1,1 Mio. Barrel täglich gefallen.

Edelmetalle: Gold rutscht nach Trump-Tweet ab

Gold wird vom Handelsabkommen zwischen den USA und China (siehe Industriemetalle unten) heute Morgen nicht weiter belastet und holt seine gestrigen Verluste sogar etwas auf. Es erhält durch den US-Dollar Unterstützung, der in Reaktion auf das Handelsabkommen abwertet. Gold kostet heute Morgen 1.470 USD je Feinunze. Gestern ist der Preis von seinem Hoch zeitweise um über 20 USD gefallen, nachdem US-Präsident Trump twitterte, dass die USA und China einem Handelsabkommen sehr nahe seien. Daraufhin zogen die Aktienmärkte deutlich an und die US-Anleiherenditen stiegen spürbar, was Gold belastete. Der überraschend deutliche Sieg der konservativen Partei von Premierminister Johnson bei den Parlamentswahlen in Grossbritannien hat interessanterweise keine Auswirkungen auf Gold. Johnsons Sieg ebnet wohl den Weg für einen geregelten Austritt Grossbritanniens aus der EU Ende Januar. Für die danach beginnenden Verhandlungen über eine Freihandelszone ist die Zeit von elf Monaten zwar wahrscheinlich zu knapp bemessen, Johnson könnte aber wegen seiner deutlichen Mehrheit pragmatischer regieren und die EU um eine Verlängerung der Übergangsfrist bitten. Wegen der Wahl in Grossbritannien und dem Handelsabkommen zwischen den USA und China ist fast in Vergessenheit geraten, dass gestern die erste EZB-Sitzung unter der Leitung der neuen Präsidentin Lagarde stattfand. Es gibt aber auch nicht viel Neues darüber zu berichten. Lagarde betonte lediglich, dass die EZB mittlerweile Anzeichen einer konjunkturellen Stabilisierung und einer leicht ansteigenden Inflation sehe. Wir halten daher eine weitere Lockerung der Geldpolitik in den nächsten Monaten für sehr unwahrscheinlich.

Industriemetalle: Handelsabkommen bei den Metallen bereits zum Grossteil eingepreist

Es hatte sich gestern Nachmittag bereits mit einem Tweet von US-Präsident Trump angekündigt: Die USA und China haben sich letzte Nacht auf ein „Phase-1-Abkommen“ im Handelsstreit geeinigt. Details sind offiziell zwar noch nicht bekannt, verschiedene Medien berichten aber, dass die bestehenden Zölle reduziert werden und die geplante Erhöhung der US-Zölle auf chinesische Güter am Sonntag nicht umgesetzt wird. Im Gegenzug habe sich China verpflichtet, US-Agrarprodukte zu kaufen. Der Deal soll angeblich heute noch unterzeichnet werden. Dies gibt der ohnehin schon guten Stimmung an den Finanzmärkten weitere Nahrung. So sind bereits gestern die US-Aktienmärkte auf neue Rekordhochs gestiegen und heute legen die Märkte in Asien deutlich zu. Kupfer hat sich in dieser Gemengelage zwar auf ein 7-Monatshoch von 6.200 USD je Tonne verteuert, insgesamt betrachtet fällt der Anstieg der Industriemetallpreise auf die Nachricht aber verhalten aus. Wir denken, dass ein Handelsabkommen bereits zum Grossteil eingepreist war. Und die eigentliche Arbeit beginnt erst jetzt. Denn bislang wurden viele kritische Themen ausgeklammert. Die nächste Phase auf dem Weg zu einem umfangreichen Handelsabkommen zwischen den USA und China dürfte sich unseres Erachtens wesentlich schwieriger gestalten. Die aktuelle Euphorie sollte sich also bald legen. Und dann dürften die Marktteilnehmer auch wieder auf Fundamentaldaten schauen. Und die deuten an fast allen Metallmärkten auf Angebotsüberschüsse hin. Gepaart mit der schwachen Wirtschaft erwarten wir daher im nächsten Jahr zumeist niedrigere Metallpreise.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Finanzen.net News

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