13.11.2019 13:30:25

Gold profitiert von neu aufgekommener Unsicherheit

Energie – Neue Unsicherheit belastet Ölpreise, IEA erwartet nachlassendes Nachfragewachstum: Brentöl verbilligte sich über Nacht und kostet am Morgen weniger als 62 USD je Barrel. Gasöl fällt auf 570 USD je Tonne, der Gasöl-Brent-Crackspread verringert sich weiter auf 14,6 USD je Barrel. Die Preise reagieren damit auf die neue Unsicherheit im US-chinesischen Handelsstreit sowie über die künftige OPEC-Förderpolitik. US-Präsident Trump hat gestern bei seiner mit Spannung erwarteten Rede keine neuen Details zum Stand der Handelsgespräche mit China verraten (siehe Industriemetalle unten). Allem Anschein nach beabsichtigt die OPEC+, die bestehenden Produktionskürzungen um neun Monate bis Ende 2020 zu verlängern, von stärkeren Kürzungen allerdings abzusehen. Dies berichtet die Nachrichtenagentur Dow Jones unter Berufung auf OPEC-Delegierte und bestätigt damit vorherige Aussagen des Oman. Das entscheidende Treffen findet in drei Wochen statt. Unseres Erachtens würde ein derartiger Beschluss nicht ausreichen, ein Überangebot im ersten Halbjahr 2020 zu verhindern. Die OPEC+ riskiert damit nach der Sitzung einen Preiseinbruch, der dem im Vorjahr ähneln könnte. Damals verzeichnete der Brentölpreis zu Weihnachten ein Tief von 50 USD. Ob dies im Sinne von Saudi-Arabien wäre, darf stark bezweifelt werden. Schliesslich beabsichtigt das Königreich, die Aktien des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco Mitte Dezember an der heimischen Börse zu listen. Rund um die “OPEC+”-Sitzung läuft die Zeichnungsfrist.

Die Internationale Energieagentur erwartet in ihrem heute veröffentlichten World Energy Outlook, dass die globale Ölnachfrage bis 2025 jedes Jahr um durchschnittlich 1 Mio. Barrel pro Tag steigt. Danach soll sich das Nachfragewachstum abschwächen und in den 2030er Jahren nur noch bei jahresdurchschnittlich 100 Tsd. Barrel pro Tag liegen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die bessere Kraftstoffeffizienz und zunehmende Elektromobilität.

Edelmetalle – Gold profitiert von neu aufgekommener Unsicherheit: Gold hat sich von seinem 3-Monatstief leicht erholt und ist auf gut 1.460 USD je Feinunze gestiegen. Es profitierte dabei von der neu aufgekommenen Unsicherheit im Zuge der Rede von US-Präsident Trump (siehe Industriemetalle unten). Die Gold-ETFs vermeldeten gestern mit 11,4 Tonnen allerdings den zweiten grossen Abfluss innerhalb weniger Tage. Im Fahrwasser von Gold zieht auch Silber an. Es steigt heute Morgen auf knapp 17 USD je Feinunze. Heute spricht der Fed-Vorsitzende Powell vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses. Viel Neues zur Geldpolitik der US-Notenbank ist aber nicht zu erwarten. Wie schon während der Sitzung im Oktober angekündigt, dürfte die Fed neutral bleiben und bereit sein, bei jeder Eintrübung des Konjunkturausblicks noch einmal aktiv zu werden.

Einigung in südafrikanischer Platinminenindustrie: Nach vier Monaten Verhandlung gibt es einen neuen Tarifvertrag in der südafrikanischen Platinminenindustrie. Laut Angaben der vorherrschenden und radikalen Gewerkschaft AMCU wurde eine Einigung mit den grössten Platinproduzenten erzielt. Details sind zwar noch nicht bekannt, der neue Tarifvertrag läuft aber wohl drei Jahre. Streiks sind somit nicht mehr zu erwarten und damit verbundene Angebotssorgen unseres Erachtens nicht mehr gerechtfertigt. Gemäss Daten von Johnson Matthey ist Südafrika mit Anteilen von 74% bzw. 39% der weltweit grösste Platin- und zweitgrösste Palladiumproduzent. Platin und Palladium haben auf die Meldung hin gestern etwas nachgegeben. Angeschoben von Gold legen sie heute Morgen aber wieder leicht zu.

Industriemetalle – Preise nach Trump-Rede etwas unter Druck: US-Präsident Trump hat gestern in seiner Rede vor dem Wirtschaftsclub von New York keine wesentlichen neuen Hinweise auf Fortschritte im Handelsstreit zwischen den USA und China gegeben. Er sagte zwar, dass ein Handelsabkommen schon bald erreicht werden könnte, hielt aber auch die Drohgebärden aufrecht. Denn sollte man sich nicht einigen, würden die Zölle deutlich erhöht werden. Er drohte auch anderen Ländern, die die USA unfair behandelt hätten. Die EU bezeichnete er in Sachen Handelsbarrieren „teilweise schlimmer“ als China. Dies klingt in unseren Ohren nicht so, als würden die US-Autozölle gegen die EU um weitere sechs Monate verschoben werden, wie gestern gerüchteweise zu hören war. Trump muss sich hinsichtlich der Autozölle in Kürze entscheiden. Die Metallpreise reagieren auf die Trump-Rede mit leichten Abschlägen: Kupfer fällt auf 5.850 USD je Tonne, Zink gibt auf 2.450 USD nach.

Seewärtiger Eisenerzmarkt entspannt sich weiter: Der Eisenerzpreis hat sich von seinem 10-Monatstief, auf das er gestern gefallen war, leicht erholt und handelt heute wieder bei knapp 80 USD je Tonne. Seit Anfang August ist der Preis um über 30% eingebrochen. Den Preisrutsch sehen wir als Folge des sich schrittweise normalisierenden Angebots nach den Ausfällen in Brasilien und Australien zu Jahresbeginn bzw. im Frühjahr. Wie der Hafenbetreiber von Port Hedland in Australien, dem weltweit grössten Eisenerzverladehafen, heute mitgeteilt hat, wurde über Port Hedland in diesem Jahr bis Oktober mittlerweile mehr Eisenerz verschifft als im selben Zeitraum des letzten Jahres. Gleichzeitig lässt die Importdynamik Chinas nach, so dass der seewärtige Eisenerzmarkt wieder gut versorgt sein dürfte.

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