21.01.2020 13:30:31

Gold profitiert von höherer Risikoaversion

Energie: Produktionsausfälle in Libyen lassen die Marktteilnehmer kalt

Der Brentölpreis notiert am Morgen etwas leichter bei 64,5 USD je Barrel. Die Produktionsausfälle in Libyen und im Irak, die im schlimmsten Fall über 1,2 Mio. Barrel täglich betragen könnten, scheinen die Marktteilnehmer aktuell wenig zu besorgen. Auch IEA-Chef Birol sieht die gegenwärtigen Angebotsunterbrechungen in Libyen nicht als gravierendes Problem für den Ölmarkt an. Vielmehr schwenkt der Blick der Marktteilnehmer angesichts von Nachrichten über eine mögliche neue Virus-Epidemie in China wieder besorgter auf die Nachfrageseite. Das nächste “OPEC+”-Treffen soll russischen Medien zufolge laut OPEC-Generalsekretär Barkindo wie geplant Anfang März stattfinden. Auch wenn bis dahin kaum neue Erkenntnisse zu erwarten sind, müsste die OPEC+ womöglich noch drastischere Produktionskürzungen in der ersten Jahreshälfte 2020 vereinbaren, um den Ölmarkt zu stabilisieren. Die Umsetzung der vereinbarten Kürzungen lag im Dezember laut OPEC-Komittee bereits bei 145%.

Milder Winter sorgt für fallende Gas- und Kohlepreise

Die Gaspreise dies- und jenseits des Atlantiks sind aufgrund eines (erneut) mildes Winters, guter Produktionsfortschritte und gefüllter Lager zuletzt auf Mehrjahrestiefs gefallen (für die Heizperiode von November bis März). So liegt der US-Erdgaspreis mit 1,9 USD je MMBtu nun so tief wie 2016. Der europäische Gaspreis (TTF, nächstfälliger Monats-Future) ist mit 10,5 EUR je MWh sogar so niedrig wie zuletzt in der Heizperiode 2009/10. Auch scheint die Verfügbarkeit am Flüssiggasmarkt (LNG) gut. So hat ein japanischer LNG-Käufer, der einen langfristigen Abnahmevertrag für US-LNG hat, nun Europa zwei LNG-Lieferungen angeboten. Japan ist der mit Abstand grösste LNG-Importeur. Den Umstand könnte man also als Zeichen einer guten Marktversorgung interpretieren.

Auch der Kohlepreis in Rotterdam ist wegen des milden Winters mit zuletzt rund 50 USD je Tonne auf den tiefsten Wert seit dem Sommer gefallen. Den massiven Rückgang der chinesischen Kohleimporte im Dezember, die mit 2,77 Mio. Tonnen auf den niedrigsten Stand seit Januar 2009 gefallen sind, sollte man jedoch nicht überinterpretieren. Dies war u.E. vor allem den nahezu aufgebrauchten Importquoten geschuldet, wobei die Importe in den kommenden Monaten wieder stark steigen und den Kohlepreis unterstützen dürften.

Edelmetalle: Gold profitiert von höherer Risikoaversion, Palladium korrigiert

Die Ausbreitung des Coronavirus in China führt heute Morgen zu einer höheren Risikoaversion der Marktteilnehmer, wovon Gold profitiert: Es steigt zeitweise auf knapp 1.570 USD je Feinunze. Preisunterstützend wirken dabei die schwachen Aktienmärkte in Asien und der Rückgang der US-Anleiherenditen. Als weiterer preisunterstützender Faktor wird die Abwärtsrevision des globalen Wirtschaftswachstums durch den IWF gestern genannt. Dieser hat das erwartete BIP-Wachstum für 2020 um ein Zehntel auf 3,3% reduziert. Gegenüber 2019 wäre dies aber eine spürbare Beschleunigung. Wie schon in Indien haben die sich abkühlende Wirtschaft und die phasenweise rekordhohen Preise auch in China zu einem deutlichen Rückgang der Goldnachfrage geführt. Wie der Verband der chinesischen Goldproduzenten heute berichtete, ist die Goldnachfrage 2019 um 13% auf rund 1.000 Tonnen gefallen. Auch die Goldproduktion ist gesunken. Mit 380 Tonnen bleibt China aber der weltweit grösste Goldproduzent. Die Differenz zwischen eigener Produktion und Nachfrage überbrückt China mit Importen, auch wenn die ehemals wichtigsten Goldlieferanten Schweiz und Hongkong zuletzt an Bedeutung verloren haben.

Palladium markiert zur Abwechslung mal kein neues Rekordhoch. Im Gegenteil, nach dem Rückgang gestern Nachmittag fällt Palladium heute Morgen sogar spürbar. Zeitweise war es über 3% im Minus. Noch ist es unseres Erachtens zu früh, die Preisrally für beendet zu erklären. Hierzu bedarf es mehrerer Tage mit fallenden Preisen. Die aktuelle Preisentwicklung von Palladium erinnert an die von Silber zwischen 2009 und 2011 (siehe Grafik des Tages). Auch Silber war lange Zeit erst gemächlich, dann stark gestiegen und hatte im April 2011 mit fast 50 USD je Feinunze schliesslich sein Rekordhoch erreicht. Danach brach der Preis jedoch ein und fiel in den darauffolgenden Jahren sogar unter 15 USD zurück.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Industriemetalle: Globale Aluminiumproduktion erstmals seit zehn Jahren gefallen

Nachdem es gestern an den Metallmärkten eher ruhig zuging, ist über Nacht die gute Stimmung der vergangenen Wochen umgeschlagen. Schwache asiatische Aktienmärkte, die die höhere Risikoaversion der Marktteilnehmer widerspiegeln, lasten auf den Metallpreisen, sodass diese zu Handelsbeginn teilweise um über 2% nachgeben. Nickel fällt auf gut 13.700 USD je Tonne, Kupfer unter 6.200 USD je Tonne. Der Ausbruch des Coronavirus in China führt zu Sorgen, dass sich die Krankheit insbesondere rund um das bevorstehende Neujahrsfest, während dem die Chinesen viel reisen, weiter ausbreitet und die Wirtschaft belastet. Es werden bereits Parallelen zur SARS-Pandemie vor 17 Jahren gezogen, die der Wirtschaft schweren Schaden zugefügt hatte.

Was sich bereits nach den Daten des Nationalen Statistikbüros in China Ende letzter Woche angedeutet hatte, hat gestern das International Aluminium Institute (IAI) bestätigt: Die globale Aluminiumproduktion ist 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 1% auf 63,7 Mio. Tonnen gefallen. Dies war der erste Rückgang seit zehn Jahren. Zurückzuführen ist dies auf China, wo gemäss IAI-Daten im letzten Jahr 1,9% weniger Aluminium hergestellt wurde. Ausserhalb Chinas ist die Aluminiumproduktion marginal gestiegen. Wegen umfangreicher neuer Produktionskapazitäten dürfte 2020 wieder spürbar mehr Aluminium produziert werden. Schon gegen Ende letzten Jahres hat sich die Produktion von ihrer zwischenzeitlichen Schwächephase erholt.

Agrar: Kakaopreise auf Mehrjahreshochs

Der Kakaopreis in London ist gestern auf 2.000 GBP je Tonne gestiegen. Am letzten Freitag wurde dieses Niveau erstmals seit November 2016 bereits kurzzeitig überschritten. Da die Märkte in den USA gestern feiertagsbedingt geschlossen blieben, gab es beim Kakaopreis in New York keinen Handel. Am Freitag übertraf der Preis erstmals seit Mai 2018 die Marke von 2.800 USD je Tonne. Seit Jahresbeginn liegen beide Kakaopreise damit ca. 10% im Plus. Hinter dem Preisanstieg stehen Sorgen vor einer geringeren Zwischenernte im weltgrössten Produzentenland Elfenbeinküste, nachdem es dort in den vergangenen Wochen zu wenig geregnet hatte. Zwar hat es zuletzt vereinzelt Niederschläge gegeben. Diese waren aber vielfach nicht ausreichend, um das Feuchtigkeitsdefizit auszugleichen. In der Folge könnten die heranwachsenden Schoten kleiner ausfallen. Die Sorgen vor grösseren Ernteeinbussen scheinen zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings überzogen, da das Zeitfenster für Regenfälle noch nicht geschlossen ist. Einige Kakaoanbauer äusserten sich für die Aussichten der Zwischenernte weiterhin zuversichtlich. Diese beginnt im April und läuft bis September. Die derzeit noch laufende Haupternte gibt ohnehin keinen Anlass zur Sorge. Die Anlieferungen an die Häfen der Elfenbeinküste belaufen sich seit Erntebeginn im Oktober bis Mitte Januar auf 1,35 Mio. Tonnen. Sie liegen damit 9% über dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Preise für die noch das laufende Erntejahr abdeckenden Terminkontrakte könnten ausserdem durch eine vorgezogene Nachfrage profitieren, bevor ab dem nächsten Erntejahr ein Preisaufschlag von 400 USD je Tonne zu entrichten ist. Darauf hatten sich die Elfenbeinküste und Ghana Ende letzten Jahres verständigt, um die Lebensbedingungen der einheimischen Kakaoanbauer zu verbessern.

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