20.11.2019 13:30:42

Gold profitiert von höherer Risikoaversion

Energie: Ölpreise unter Druck, Zweifel an stärkerer Produktionskürzung nehmen zu

Die Ölpreise standen gestern den zweiten Tag in Folge unter Abgabedruck. Brent verlor in diesem Zeitraum knapp 4% und handelt am Morgen deutlich unter 61 USD je Barrel. Der Optimismus der Marktteilnehmer hinsichtlich eines unmittelbar bevorstehenden (Teil-)Handelsabkommens zwischen den USA und China hat sich als überzogen erwiesen (siehe Edelmetalle unten), so dass spekulative Finanzanleger ihre zuvor aufgebauten Netto-Long-Positionen wieder auflösen. Zudem berichtete das API am Abend einen unerwartet kräftigen Anstieg der US-Rohöllagerbestände in der letzten Woche um 6 Mio. Barrel. Das lässt auch für die offiziellen Lagerdaten heute Nachmittag einen starken Lageraufbau erwarten. Darüber hinaus wachsen die Zweifel an einer Verständigung der OPEC+ auf stärkere Produktionskürzungen beim Treffen in zwei Wochen. Russland steht diesen anscheinend ablehnend gegenüber, wie verschiedene Quellen gestern verlauten liessen. Russland schafft es schon jetzt nicht, die zugesagten Produktionskürzungen vollständig umzusetzen. Im November soll die russische Ölproduktion einer mit den Zahlen vertrauten Quelle zufolge bislang bei 11,25 Mio. Barrel pro Tag liegen. Gemäss der mit der OPEC getroffenen Vereinbarung dürfte Russland eigentlich nur 11,19 Mio. Barrel pro Tag produzieren. Diese Vorgabe hatte Russland nur zwischen Mai und Juli erfüllt bzw. unterschritten, als die Ölproduktion wegen Verunreinigung und der damit verbundenen Schliessung der Drushba-Ölpipeline unfreiwillig gedrosselt werden musste. Ohne eine Beteiligung Russlands dürfte eine Verständigung der OPEC+ auf stärkere Produktionskürzungen schwer werden. Und ohne stärkere Kürzungen droht Anfang 2020 ein beträchtliches Überangebot. Daher überrascht nicht, dass die Ölpreise gestern auf die Nachrichten aus Russland mit Abschlägen reagierten.

Edelmetalle: Gold profitiert von höherer Risikoaversion

Gold profitiert von der wieder aufgekommenen Risikoaversion der Marktteilnehmer und steigt auf knapp 1.480 USD je Feinunze. In Euro gerechnet legt Gold auf 1.335 EUR je Feinunze zu. US-Präsident Trump hat gestern seine Drohung wiederholt, weitere Zölle gegen China einzuführen, sollte es kein Handelsabkommen geben. Und von einem solchen haben sich beide Seiten wohl voneinander entfernt. So hat der US-Senat einstimmig eine Gesetzesvorlage verabschiedet, die die Menschenrechte in Hongkong schützt und sich offensichtlich gegen China richtet. China hat diesen Schritt verurteilt und mit Vergeltungsmassnahmen gedroht, sollte dieses Gesetz in Kraft treten. Im Zuge dieser Ereignisse sind die Anleiherenditen in den USA gefallen, was Gold ebenfalls unterstützte. Keine Unterstützung hingegen erhält Gold derzeit von den ETF-Investoren. Im Gegenteil, vor allem der weltweit grösste Gold-ETF verzeichnet seit Wochen merkliche Abflüsse.

Starke Palladiumnachfrage in Asien

Platin ist gestern um 1,8%, Palladium um 1,5% gestiegen. Offenbar war dies unter anderem eine Reaktion auf die guten Autoneuzulassungszahlen für die EU, die gestern Morgen berichtet wurden. Auch die ebenfalls gestern Morgen veröffentlichten Schweizer Exportdaten zu Platin und Palladium haben anscheinend ihre Wirkung entfaltet. Daten der Zollbehörde zufolge hat die Schweiz im Oktober 5,4 Tonnen Palladium ausgeführt, die grösste Menge seit 5½ Jahren. Der Grossteil davon wurde nach Hongkong exportiert und dürfte von dort weiter nach China transportiert worden sein. China hat zuletzt wegen strengeren Emissionsvorschriften mehr Palladium importiert. Der weltweit grösste Palladiumproduzent sprach jüngst davon, dass die Palladiumnachfrage in Asien schon seit Monaten anziehen würde.

Industriemetalle: Nickelpreis im Bärenmarkt

Der Nickelpreis zeigt sich weiter schwach und fällt heute Morgen auf ein 3½-Monatstief von rund 14.300 USD je Tonne. Im November hat Nickel damit bislang um über 14% nachgegeben, von seinem 5-Jahreshoch Anfang September sogar um über 20%. Damit befindet sich der Nickelpreis nun in einer Situation, die im Finanzjargon als Bärenmarkt bezeichnet wird. Zum Preisrückgang haben zumindest vorläufige Entspannungssignale auf der Angebotsseite beigetragen. Viele Marktbeobachter erwarten, dass das Angebotsdefizit im nächsten Jahr weiter deutlich schrumpfen wird, da die Produktion abermals stark ausgeweitet werden soll. So zum Beispiel einer der weltweit grössten Nickelproduzenten, der für 2020 ein Defizit von 28 Tsd. Tonnen unterstellt und damit optimistischer ist als die International Nickel Study Group. Zwar soll auch die Nachfrage um robuste 5% zulegen, dies reicht aber nicht aus, das geschätzte Angebotswachstum von 8% vollständig aufzufangen. Neben dem fundamentalen Aspekt hat sich das charttechnische Bild deutlich eingetrübt, nachdem „runde“ Marken wie auch die 100-Tage-Linie nach unten durchbrochen wurden. Sollte auch die sich in unmittelbarer Reichweite befindliche 200-Tage-Linie nicht halten, dürfte dies zu weiteren technischen Verkäufen führen. Darüber hinaus haben sich in der letzten Woche laut LME-Statistik die spekulativen Finanzinvestoren bei Nickel spürbar zurückgezogen – sie haben ihre Netto-Long-Positionen um 20% reduziert – und somit wohl ihren Teil zu den fallenden Preisen beigetragen. Das Momentum deutet unseres Erachtens darauf hin, dass sich die Korrektur des Nickelpreises zunächst weiter fortsetzt. Langfristig sollte aber die erwartet starke Nickelnachfrage für Batterien den Preis unterstützen bzw. ihm deutlichen Auftrieb geben.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Finanzen.net News

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