18.10.2019 13:30:49

Gold nach Brexit-Deal unter Druck

Energie – Schwache Rohölverarbeitung in den USA, rekordhohe Verarbeitung in China: Der Brentölpreis stieg in der Nacht kurzzeitig auf 60 USD je Barrel, handelt aktuell aber etwas darunter. Zum Preisanstieg trugen deutlich gefallene US-Produktvorräte bei, während der kräftige Aufbau der Rohölbestände ignoriert wurde. Diese stiegen letzte Woche laut US-Energieministerium um 9,3 Mio. Barrel. Der Lageraufbau war damit zwar deutlich stärker als erwartet, lag aber etwas unter der vom API am Vortag berichteten Zahl. Hauptgrund für den kräftigen Anstieg der Rohölbestände war ein nochmaliger Rückgang der Rohölverarbeitung, was im Herbst nicht unüblich ist, weil die Raffinerien Wartungsarbeiten im Vorfeld der Wintersaison durchführen. Diesmal fällt der Rückgang allerdings deutlich ausgeprägter aus als in den vorherigen Jahren. Die Verarbeitung liegt mit 15,44 Mio. Barrel pro Tag bereits deutlich unter dem Niveau im Vorjahr und auf dem niedrigsten Stand seit September 2017, als Wirbelsturm Harvey vorübergehend für Unterbrechungen bei Raffinerien an der Golfküste sorgte. Aufgrund der geringen Verarbeitung schrumpften die Lagerbestände von Ölprodukten spürbar. Die Destillatebestände liegen inzwischen auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau, was für eine Ausweitung der Verarbeitungsmarge spricht. Der Diesel-/Heizölpreis bleibt auch vor diesem Hintergrund gut unterstützt. Ganz anders als in den USA entwickelt sich die Rohölverarbeitung in China. Laut heute veröffentlichter Daten des Nationalen Statistikbüros stieg diese im September um 9,4% gegenüber dem Vorjahr auf ein Rekordniveau von 13,75 Mio. Barrel pro Tag. Sie lag damit auch gut 1 Mio. Barrel pro Tag höher als im August. In den ersten neun Monaten beläuft sich die Rohölverarbeitung auf 12,85 Mio. Barrel pro Tag, 6,2% mehr als im Vorjahr. In diesem Jahr haben in China einige neue Raffineriekapazitäten ihren Betrrieb aufgenommen. China dürfte daher weiterhin grosse Mengen Rohöl importieren.

Edelmetalle – Gold nach Brexit-Deal unter Druck: Die EU und Grossbritannien haben sich gestern auf ein Austrittsabkommen geeinigt. Die EU-Staats- und Regierungschefs haben die Vereinbarung bereits angenommen. Jetzt hängt alles am britischen Parlament, das dem Deal am Samstag zustimmen muss. Und diesbezüglich bleiben noch ein paar Unsicherheiten. Sollte das Abkommen angenommen werden, gibt es Ende Oktober doch noch einen geordneten Brexit. Dies würde einen Teil der Unsicherheit vom Markt nehmen, die in den letzten Monaten stark präsent war. Gold ist nach den Meldungen von gestern unter Druck gekommen. Gold in Euro ist zeitweise auf ein 2-Monatstief von gut 1.330 EUR je Feinunze gefallen, da der Euro aufgewertet hat.

Die Schweiz hat auch im September sehr wenig Gold nach Asien exportiert. Gemäss Daten der Schweizer Zollbehörde gingen die Ausfuhren nach Indien auf nur noch 5,3 Tonnen zurück. Dies war die geringste Menge seit mindestens 2014. Anfang September hatte der Goldpreis in Indischer Rupie ein Rekordhoch erreicht, was die Inder von Goldkäufen abgehalten hat. Der Preis ist zwar seitdem etwas gefallen, er notiert aber nach wie vor auf einem hohen Niveau. Die hinduistischen Feiertage Ende Oktober haben im Vorfeld noch nicht zu einer höheren Goldnachfrage geführt. Nach China hat die Schweiz im letzten Monat nur 10 Tonnen Gold exportiert, nach Hongkong sogar nur 0,3 Tonnen. Letzteres dürfte mit den Unruhen in der ehemaligen britischen Kronkolonie zusammenhängen. Am meisten Gold hat die Schweiz wieder nach Grossbritannien ausgeführt, was wohl auf die robuste ETF-Nachfrage zurückzuführen war.

Industriemetalle – Kaum Reaktion auf gemischte China-Daten: Das Nationale Statistikbüro (NBS) in China hat heute Morgen Konjunkturdaten veröffentlicht, die gemischt ausfielen. Demnach ist das BIP im dritten Quartal um 6,0% gewachsen, etwas langsamer als erwartet. Unseren Volkswirten zufolge könnte das BIP-Wachstum im vierten Quartal sogar unter die psychologische Schwelle von 6,0% fallen. Dies wäre zwar keine völlige Überraschung, würde aber den Abwärtstrend der chinesischen Wirtschaft bestätigen. Die Konjunkturdaten für September waren dagegen etwas besser. So hat sich zum Beispiel die Industrieproduktion von ihrem sehr schwachen Vormonatswert erholt und ist stärker als erwartet um 5,8% gestiegen. Die Anlageinvestitionen legten um 5,4% zu. Die Metallpreise haben im frühen Handel kaum auf die Daten aus China reagiert. Offenbar sind sich die Marktteilnehmer noch nicht einig, ob das Glas jetzt halb leer oder doch halb voll ist.

Das NBS hat auch Daten zur Stahl- und Aluminiumproduktion veröffentlicht. Demnach wurden im September 82,8 Mio. Tonnen Stahl hergestellt (2,76 Mio. Tonnen pro Tag), etwas weniger als im Vormonat, aber mehr als im Vorjahr. Die Behörden hatten im Vorfeld der Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Volksrepublik China Produktionskürzungen angeordnet, um für bessere Luft zu sorgen. Diese dürften unseres Erachtens wieder aufgeholt werden. Die Aluminiumproduktion hat sich von den wetterbedingten Ausfällen wieder erholt. Im September wurden 2,9 Mio. bzw. 96,67 Tsd. Tonnen pro Tag hergestellt. Dies war die grösste Menge seit drei Monaten und zugleich gut 4% mehr als im Vorjahr.

 

 

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