16.10.2019 14:12:37

Gold ignoriert neue Risiken

Energie –Permian Basin dominiert US-Schieferölproduktion: Die US-Schieferölproduktion soll im November laut aktueller Schätzung der US-Energiebehörde EIA um 58 Tsd. auf ein neues Rekordniveau von 8,97 Mio. Barrel pro Tag steigen. Wichtigster Treiber bleibt das grösste Schieferölvorkommen Permian Basin mit einem erwarteten Anstieg um 63 Tsd. Barrel pro Tag. Ausserhalb des Permian Basin, das mit 4,61 Mio. Barrel pro Tag mittlerweile gut die Hälfte des gesamten US-Schieferölangebots stellt, geht die Produktion also zurück. Das Permian Basin allein produziert damit soviel Öl wie der Irak, seinerseits zweitgrösster Ölproduzent der OPEC. Nur vier Länder auf der Welt, die USA ausgenommen, produzieren mehr, nämlich Russland, Saudi-Arabien, Kanada und China. 35% der gesamten US-Rohölproduktion kommen bereits aus dem Permian Basin, knapp 70% des in den USA geförderten Rohöls ist Schieferöl. Ein Mangel an leichtem schwefelarmen Öl besteht daher nicht. Die WTI-Terminkurve ist auch deshalb am vorderen Ende wieder in Contango.

Chancen eines Brexit-Deals schieben den CO2-Preis wieder über 25 EUR: Neue Hoffnungen auf einen Last-Minute-Brexit-Deal haben den CO2-Preis wieder über 25 EUR je Tonne geschoben. Mit der Vorlage eines “neuen” Grundgerüsts für einen Vertrag, wie es Medien melden, ist zumindest die Gefahr eines ungeordneten Brexit Ende Oktober und damit eines vorzeitigen Ausscheidens der Briten aus der dritten Handelsperiode des EU ETS deutlich gesunken. Vom 6-Monatstief am Dienstag letzter Woche hat der Preis knapp 15% zugelegt und der Preisrücksetzer wurde damit gänzlich wieder wettgemacht. Spekulanten, die auf einen Ausverkauf gesetzt hatten, dürften auf dem falschen Fuss erwischt worden sein und haben sich wohl entsprechend wieder eingedeckt. In den Himmel wachsen dürften die Bäume am CO2-Markt aufgrund der schwächelnden EU-Konjunktur kurzfristig aber nicht.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle – Gold ignoriert neue Risiken: Die Stimmung der Marktteilnehmer hat sich im Zuge neuer Spannungen im Handelsstreit zwischen den USA und China wieder eingetrübt. Ebenso droht ein US-Gesetz zu Hongkong die Beziehung der beiden Länder zu belasten. Gold ist dennoch unter 1.480 USD je Feinunze gefallen. Wir führen dies auf Gewinnmitnahmen seitens spekulativer Finanzinvestoren zurück, nachdem diese laut CFTC-Statistik ihre Netto-Long-Positionen in der Woche zum 8. Oktober wieder leicht ausgeweitet hatten. Auch gab es gestern den ersten ETF-Abfluss seit Mitte September (2,6 Tonnen). Damit wurde zugleich die zweitlängste Serie von Zuflüssen seit Beginn der Datenreihe Ende 2003 beendet. Die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verzeichneten in den letzten Wochen an 21 aufeinander folgenden Handelstagen Zuflüsse (insgesamt 97 Tonnen). Darüber hinaus hat sich das charttechnische Bild eingetrübt. Zum Preisrückgang von Gold tragen wohl auch die Fortschritte in den Brexit-Verhandlungen bei. Medienberichten zufolge gibt es kurz vor dem EU-Gipfel ein Grundgerüst für ein Brexit-Abkommen zwischen der EU und Grossbritannien.

Palladium steigt trotz fundamentalem Gegenwind weiter auf über 1.740 USD je Feinunze. Dies ist unseres Erachtens einem verstärkten spekulativen Kaufinteresse geschuldet. Dafür spricht, dass Platin gestern im Einklang mit Gold gefallen ist. Die Preisdifferenz zwischen Palladium und Platin hat sich auf rekordhohe 850 USD je Feinunze ausgeweitet. Der Aufschlag von Palladium gegenüber Gold beträgt mittlerweile gut 250 USD je Feinunze. So hoch war er zuletzt im März.

Industriemetalle – Globale Stahlnachfrage überraschend robust: Der Weltstahlverband (WSA) hat vorgestern einen aktualisierten Kurzfristausblick für die globale Stahlnachfrage für 2019 und 2020 veröffentlicht. Im Vergleich zum letzten Ausblick vom April hat er die Wachstumsprognose für 2019 deutlich auf +3,9% nach oben genommen (vorher +1,3%). Dies ist zwar vor allem auf eine Revision der chinesischen Stahlnachfrage aus statistischen Gründen zurückzuführen, laut Aussagen der WSA hält sich die weltweite Stahlnachfrage im aktuell herausfordernden Umfeld aber auch besser als gedacht. Ausserhalb Chinas soll die Nachfrage 2019 dagegen kaum zulegen, was den Unsicherheiten, Handelsspannungen und geopolitischen Risiken geschuldet ist. Für 2020 unterstellt der Weltstahlverband auf globaler Ebene ein Nachfragewachstum von 1,7% auf 1,806 Mrd. Tonnen (vorher 1,0%). Er sieht für diese Prognose aber erhebliche Risiken, sollten die aktuellen Unsicherheiten bestehen bleiben. Nachfragetreiber dürften 2020 laut Einschätzung der WSA die Schwellen- und Entwicklungsländer in Asien ex China sein, die von Infrastrukturinvestitionen profitieren sollten. In den Industrienationen wird eine leichte Erholung der Stahlnachfrage erwartet. Sektorseitig sticht die Bauindustrie noch positiv hervor, auch wenn deren Wachstum nachlassen soll. Während sich der Maschinenbau stabil entwickeln soll, dürfte die Automobilindustrie in diesem Jahr deutlich leiden. Eine Erholung im nächsten Jahr ist laut WSA nur dann zu erwarten, wenn zum Beispiel China Anreize für Autokäufe schafft.

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