14.11.2019 14:47:36

Gold behauptet sich

Energie – Die OPEC malt sich das Bild schön: Die Ölpreise legen am Morgen zu. Brent steigt auf knapp 63 USD je Barrel, Gasöl auf 580 USD je Tonne. Sie profitieren dabei von einem überraschenden Lagerabbau in den USA und gestrigen Aussagen von OPEC-Generalsekretär Barkindo. Dieser äusserte sich überaus zuversichtlich zu den Aussichten für den Ölmarkt im nächsten Jahr. Zum einen würden sich die “dunklen Wolken” über dem Ölmarkt durch ein Handelsabkommen zwischen den USA und China verziehen. Zum anderen soll sich das Wachstum des Nicht-OPEC-Angebots 2020 spürbar verlangsamen. Die OPEC setzt also darauf, dass eine Kombination aus stärkerer Ölnachfrage und einem geringer als erwarteten konkurrierenden Angebot ihr dabei hilft, ein Überangebot zu verhindern und eine weitere Kürzung der Fördermenge zu vermeiden. Wir teilen diese Zuversicht nicht. Zunächst bleibt abzuwarten, ob es tatsächlich zu einem (Teil-)Handelsabkommen und einer gegenseitigen Rücknahme von Strafzöllen kommt. Die letzten Nachrichten klingen weniger verheissungsvoll. Der unmittelbare Impuls auf die Ölnachfrage sollte aber auch dann überschaubar sein. China importierte zuletzt bereits eine rekordhohe Menge an Rohöl und die Rohölverarbeitung lag im Oktober mit 13,62 Mio. Barrel pro Tag nur knapp unter dem Rekordniveau des vorherigen Monats. Wo da noch ein deutliches Plus herkommen soll, erschliesst sich uns nicht. Dass sich das Wachstum der US-Ölproduktion deutlich verlangsamt, scheint angesichts der aktuellen Nachrichtenlage auch gewagt. So revidierte die US-Energiebehörde ihre Produktionsprognose für dieses und nächstes Jahr nach oben. Zudem steigern auch andere Länder wie Norwegen und Brasilien ihre Produktion deutlich. Die Annahme der OPEC, eine stärkere Nachfrage und ein weniger stark steigendes Nicht-OPEC-Angebot würden das Überangebot im 1. Halbjahr 2020 neutralisieren, entspringt daher Wunschdenken. Die OPEC wird um eine weitere Produktionskürzung nicht herumkommen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle – Gold behauptet sich: Gold legt weiter moderat Richtung 1.470 USD je Feinunze zu und trotzt damit auch dem festen US-Dollar, der heute Morgen auf unter 1,10 EUR-USD aufwertet. Wir gehen davon aus, dass Gold zumindest kurzfristig stärker gefragt sein sollte, da die Verhandlungen über ein Teilabkommen im Handelsstreit zwischen den USA und China offenbar stocken (siehe Industriemetalle unten). Auch wirkt anscheinend noch die Drohung weiterer Strafzölle in Richtung China von US-Präsident Trump nach. Zudem führen schwache Konjunkturdaten aus China zu einer etwas höheren Risikoaversion der Marktteilnehmer. Die Gold-ETFs verzeichneten gestern allerdings erneut merkliche Abflüsse. Seit Monatsbeginn wurden deren Bestände mittlerweile um 36 Tonnen reduziert. Wie erwartet hatte der Fed-Vorsitzende Powell bei seiner Anhörung vor dem Wirtschaftsausschuss des US-Kongresses keine Neuigkeiten zur Geldpolitik der US-Notenbank im Gepäck. Die Einschätzung der Fed hat sich seit ihrer letzten Sitzung vor gut zwei Wochen nicht geändert: Sie erachtet die aktuelle Wirtschaftslage in den USA als solide, sieht aber weiterhin Risiken für den Ausblick. Den von Trump geforderten negativen Zinsen erteilte Powell eine Absage. Diese seien für die US-Wirtschaft derzeit nicht angebracht.

Silber ist drauf und dran die Marke von 17 USD je Feinunze zurückzuerobern. Ähnlich wie bei Gold gab es aber auch hier in den letzten Tagen einige ETF-Abflüsse.

Industriemetalle – Schwache China-Daten lassen Metallpreise zunächst kalt: Die Metallpreise legen heute Morgen leicht zu, obwohl die Verhandlungen zum Teilabkommen im Handelsstreit zwischen den USA und China stocken und die chinesischen Konjunkturdaten allesamt schwächer ausfielen. China sträubt sich offenbar, eine konkrete Zahl zum Kauf von US-Agrarprodukten in die Vereinbarung aufzunehmen, da die USA der Forderung Chinas nicht nachkommen, die Strafzölle aufzuheben. Daneben steht die chinesische Wirtschaft weiter auf wackeligen Beinen, was man zum Beispiel an den schwachen Einzelhandelsumsätzen im Oktober beobachten kann. Auch die Industrieproduktion und die Anlageinvestitionen lagen gemäss Daten des Nationalen Statistikbüros (NBS) im letzten Monat deutlich unter den Erwartungen. Zu Beginn der Woche hatte schon die chinesische Zentralbank eine schwache Kreditvergabe berichtet. In den Augen vieler Marktteilnehmer stellen diese Daten aber anscheinend nichts Neues dar und bestätigen lediglich den Trend einer sich abkühlenden chinesischen Wirtschaft. Der LME-Industriemetallindex ist gestern auf ein 4-Wochentief gefallen und hat damit sämtliche Gewinne seit der Verkündung des Teilabkommens im Handelsstreit wieder abgegeben.

Erstmals seit knapp zwei Jahren ist die chinesische Stahlproduktion im Vergleich zum Vorjahr im Oktober Daten des NBS zufolge gefallen. Mit „nur“ 81,5 Mio. Tonnen hat sie zudem den tiefsten Wert seit März markiert. Allerdings waren Anfang Oktober die Märkte in China wegen der „Golden Week“ und dem 70. Geburtstag der Volksrepublik für eine Woche geschlossen und die Wirtschaftsaktivitäten ruhten weitgehend. Die chinesischen Stahlproduzenten hatten im Oktober aber auch mit einer geringeren Profitabilität zu kämpfen.

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