14.06.2019 12:00:56

(Geo)politische Risiken treiben Öl und Gold nach oben

Energie: Auch wenn sich die Ölpreise inzwischen etwas beruhigt haben, hält der gestrige Angriff auf zwei Öltanker in der Nähe der Strasse von Hormus den Ölmarkt weiter in Atem. US-Aussenminister Pompeo machte am Abend den Iran direkt dafür verantwortlich, ohne allerdings konkrete Beweise vorzulegen. Der Iran wies die Anschuldigung umgehend zurück. Die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung ist seit gestern spürbar gestiegen. Dies spricht für eine Risikoprämie auf den Ölpreis. Denn in der Krisenregion wird etwa ein Drittel des weltweiten Ölangebots gefördert. Der zweite derartige Zwischenfall binnen eines Monats dürfte ausserdem die Tankerraten und die Versicherungsprämien steigen lassen, was wiederum die Kosten für den Transport des Rohöls und der Ölprodukte für die Abnehmer erhöht. Dies könnte zu einem grösseren Preisabschlag für die lokalen Ölsorten wie z.B. den in Dubai gehandelten Rohöl-Terminkontrakt führen.

Die OPEC revidierte gestern ihre Nachfrageprognose für 2019 leicht nach unten und erwartet nun einen Anstieg um 1,14 Mio. Barrel pro Tag. Grund hierfür war eine niedrigere Nachfrage im 1. Quartal. Die OPEC warnte zudem vor den negativen Auswirkungen des Handelskonflikts auf die Nachfrage, so dass möglicherweise mit einer weiteren Abwärtsrevision zu rechnen ist. Die OPEC-Produktion sank im Mai auf nur noch 29,9 Mio. Barrel pro Tag. Das sind ca. 1 Mio. Barrel pro Tag weniger als im 2. Quartal benötigt wird. Im 3. Quartal würde sich das Angebotsdefizit bei gleichbleibender OPEC-Produktion noch weiter ausweiten. Erst im 4. Quartal wäre mit einer Entspannung zu rechnen.

Edelmetalle: Gold ist gestern um 0,7% gestiegen und legt heute Morgen weiter zu. Mit über 1.350 USD je Feinunze markiert es ein neues Jahreshoch. Gold in Euro gerechnet verteuert sich auf 1.200 EUR je Feinunze, der höchste Stand seit April 2017. Auch wenn die ETF-Zuflüsse mit fast zwei Tonnen gestern moderat ausfielen, ist Gold als sicherer Hafen derzeit doch gefragt. Der schwelende Handelsstreit zwischen den USA und China mit zahlreichen Kommentaren von US-Präsident Trump ist der Hauptgrund, der die Investmentnachfrage nach Gold seit einigen Wochen spürbar steigen lässt. Hinzu kommt der gestrige Angriff auf zwei Öltanker im Golf von Oman (siehe Energie), der das Risiko einer militärischen Eskalation im Mittleren Osten deutlich steigen liess. Die CFTC-Statistik heute Abend wird Aufschluss darüber geben, inwiefern der jüngste Preisanstieg von Gold spekulativ getrieben war. Sollten die Netto-Long-Positionen weiter stark ausgeweitet worden sein, besteht das Potenzial von Gewinnmitnahmen und damit Preisrücksetzern. Sollte die US-Notenbank Fed nächste Woche allerdings zu erkennen geben, dass sie schon kurzfristig die Zinsen senkt, dürfte Gold sein Preisniveau verteidigen bzw. sogar weiter zulegen.

Palladium ist gestern um 2,6% auf 1.450 USD je Feinunze nach oben gesprungen. Es hat offenbar einen Schub durch technische Käufe bekommen, nachdem es die charttechnisch wichtige 100-Tage-Linie überschritten hatte. Da Platin kaum gestiegen ist, hat sich die Preisdifferenz zwischen Palladium und Platin auf rund 640 USD ausgeweitet, der grösste Abstand seit Ende März.

Industriemetalle: In Chile wird ab heute die „Chuquicamata“-Kupfermine bestreikt, nachdem die Schlichtungsgespräche über einen neuen Tarifvertrag zwischen dem Minenbetreiber und den Gewerkschaften gescheitert sind. „Chuiquicamata“ hat im letzten Jahr rund 320 Tsd. Tonnen Kupfer produziert und war damit eine der grössten Kupferminen Chiles. Sollte der Streik länger andauern, könnte dies grössere Auswirkungen auf das Kupferangebot am Weltmarkt haben. Denn im „Chuquicamata“-Minenkomplex wird auch Kupfererz aus anderen Minen des Landes verarbeitet. Auf den Kupferpreis hat der Streikbeginn keine Auswirkungen. Die Marktteilnehmer fokussieren sich offenbar eher auf die Entwicklungen im Handelsstreit zwischen den USA und China. US-Präsident Trump hat sich gestern darüber beschwert, dass der chinesische Präsident Xi Jinping seine Einladung zu einem Treffen im Rahmen des G20-Gipfels noch nicht angenommen habe. Trump drohte China mit Konsequenzen, sollte es nicht zu dem Treffen kommen. So wie die Streiknachrichten ignoriert werden, wurde gestern auch der starke LME-Lageraufbau bei Kupfer nicht beachtet. Die Vorräte sind um knapp 38 Tsd. Tonnen bzw. fast 18% gestiegen. Die heute veröffentlichten Konjunkturdaten aus China sind dagegen wieder Wasser auf die Mühlen der Bären. Gemäss Daten des Nationalen Statistikbüros ist die Industrieproduktion im Mai nur noch um 5% gestiegen, deutlich schwächer als erwartet. Der Anstieg ist der geringste seit Anfang 2002. Die Anlageinvestitionen haben ebenfalls stark an Dynamik verloren (+5,6%).

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