22.07.2019 13:55:38

Favoritenwechsel bei Edelmetallen: Silber läuft Gold den Rang ab

Energie: Der Brentölpreis legt zu Beginn der neuen Handelswoche ca. 2% auf knapp 64 USD je Barrel zu. In der letzten Woche hatte sich Brentöl noch um 6,4% verbilligt und damit den grössten Wochenrückgang in diesem Jahr verzeichnet. Angesichts dessen und der zunehmenden Spannungen zwischen dem Westen und Iran um beschlagnahmte Öltanker ist die heutige Preisreaktion noch vergleichsweise verhalten. Am Freitag hatten Einheiten der Iranischen Revolutionsgarden einen britischen Öltanker nahe der Strasse von Hormus festgesetzt. Dies dürfte eine Vergeltungsmassnahme des Iran auf die Festsetzung eines iranischen Öltankers durch die britische Marine bei Gibraltar vor knapp drei Wochen gewesen sein. Dem Tanker wurde vorgeworfen, Öl nach Syrien zu liefern und damit gegen EU-Sanktionen zu verstossen. Der Tanker wurde bisher nicht wieder freigegeben. Das Oberste Gericht von Gibraltar hat vielmehr die für gestern geplante Freigabe um weitere 30 Tage aufgeschoben. Ob der Iran den Forderungen Grossbritanniens, der USA und anderer westlicher Staaten nachkommt und den festgesetzten britischen Öltanker unverzüglich freigibt, darf daher bezweifelt werden. Man kann gespannt sein, wie der morgen feststehende neue britische Premierminister, aller Voraussicht nach Boris Johnson, mit dieser Krise umgehen wird. Gut möglich, dass er sich der harten Haltung von US-Präsident Trump anschliesst. Für die Bemühungen der Europäer, das Atomabkommen zu retten, stellt die aktuelle Entwicklung im Persischen Golf eine schwere Hypothek dar. Hinzu kommt, dass die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus für internationale Öltanker mit grösseren Risiken behaftet ist. Dies rechtfertigt u.E. eine weitaus grössere Risikoprämie auf den Ölpreis als dies gegenwärtig der Fall ist.

Edelmetalle: Nach den Gewinnmitnahmen am Freitag – alle Edelmetalle waren im Minus, teilweise deutlich – legen Gold, Silber & Co. zum Wochenauftakt wieder zu. Gold steigt auf knapp 1.430 USD je Feinunze, Silber verteuert sich erneut klar überproportional auf 16,4 USD je Feinunze. Das Gold/Silber-Verhältnis ist daher mittlerweile auf 87 gefallen, ein 2½-Monatstief. Offenbar hat es im Edelmetallsektor einen Favoritenwechsel gegeben: Zum einen verzeichnen die Silber-ETFs deutlich stärkere Zuflüsse als die Gold-ETFs – in der letzten Woche wurden die Bestände um knapp 450 Tonnen (2,7%) bzw. 28 Tonnen (1,2%) aufgestockt. Zum anderen haben die spekulativen Finanzanleger zuletzt stark auf steigende Silberpreise gesetzt, während sie bei Gold weiter moderat Long-Positionen glattgestellt haben. Gemäss CFTC-Statistik sind die Netto-Long-Positionen bei Silber in der Woche zum 16. Juli um 79% auf 27,8 Tsd. Kontrakte gestiegen. Dies ist der höchste Stand seit fast fünf Monaten. Die Netto-Long-Positionen dürften mittlerweile sogar deutlich höher sein, da in der aktuellen Statistik nur ein kleiner Teil des starken Preisanstiegs von Silber enthalten ist und der Preis nach dem Datenstichtag weiter deutlich zugelegt hat. Damit ist der Preisanstieg allerdings stark spekulativ getrieben und steht unseres Erachtens auf wackeligen Beinen. Nach dem Anstieg von unter 15 USD auf über 16,5 USD innerhalb von nur 2½ Wochen wären wir nicht überrascht, wenn einige Marktteilnehmer Gewinne mitnehmen würden und es daher zu einer Preiskorrektur käme. Nach den Zinssenkungen einiger Zentralbanken in Asien letzte Woche steht diese Woche die EZB im Fokus. Wir erwarten, dass auch sie am Donnerstag die Zinsen senkt, wovon Gold profitieren sollte.

Industriemetalle: Verhaltene asiatische Aktienmärkte, die eine etwas höhere Risikoaversion der Marktteilnehmer ausdrücken, sorgen dafür, dass die Metallpreise zum Wochenauftakt nachgeben. Am stärksten unter Druck stehen Nickel und Blei – die beiden Metalle, die zuletzt besonders stark gestiegen waren. Blei korrigiert heute Morgen um gut 2% auf 2.000 USD je Tonne. Nickel fällt zeitweise um über 3% und notiert unter 14.300 USD je Tonne. In China fällt der Nickelpreis sogar um über 4%. Nickel setzt damit seine Korrektur, die am Freitag bei über 15.000 USD begann, fort. Es zeigt sich, dass der Preisanstieg in den letzten Wochen offenbar übertrieben war und auf wackeligen Beinen stand. Industriekreisen zufolge hat aber auch ein grosser chinesischer Edelstahlproduzent in den letzten Wochen grosse Mengen Nickel an der LME gekauft und so zum Preisanstieg beigetragen. Laut verschiedenen Quellen hat China bis zuletzt deutlich mehr Edelstahl produziert als zuvor unterstellt – laut dem staatlichen Research-Institut Antaike ist die chinesische Edelstahlproduktion im ersten Halbjahr um 10% gestiegen –, so dass einige Edelstahlproduzenten Nickel nachgekauft haben. Die International Nickel Study Group (INSG) hatte Ende letzter Woche berichtet, dass am globalen Nickelmarkt in den ersten fünf Monaten des Jahres zwar ein Angebotsdefizit von 38 Tsd. Tonnen bestand. Dieses war aber nur etwa halb so hoch wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Das geringere Defizit ist auf ein stark gestiegenes Angebot zurückzuführen, das im Jahresvergleich mit +8% mehr als doppelt so stark zulegte wie die Nachfrage.

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