13.08.2019 14:49:47

Fallende Anleiherenditen treiben Gold weiter nach oben

Energie: Die Ölpreise haben sich stabilisiert. Brent handelt wenig verändert bei 58,5 USD je Barrel. WTI verringerte den Preisabstand zu Brent auf weniger als 4 USD, obwohl die US-Energiebehörde in einem gestern Abend veröffentlichten Bericht einen Anstieg der US-Schieferölproduktion im September um 85 Tsd. auf 8,77 Mio. Barrel pro Tag prognostiziert. Der Anstieg wäre damit wieder etwas stärker als in den Monaten zuvor, aber noch immer deutlich geringer als vor einem Jahr. Damals legte die Schieferölproduktion noch um fast 250 Tsd. Barrel pro Tag zu. Noch eine weitere Sache fällt auf. Das Wachstum der Schieferölproduktion beschränkt sich nur noch auf das mit Abstand grösste Vorkommen Permian Basin. In anderen Vorkommen steigt sie dagegen kaum noch (Bakken, Niobrara) oder ist sogar bereits rückläufig (Eagle Ford). Das Permian Basin stellt mit 4,42 Mio. Barrel pro Tag inzwischen mehr als die Hälfte der gesamten US-Schieferölproduktion. Die Schieferölproduzenten konzentrieren sich also auf die profitabelsten Quellen, was die Abkopplung der Produktion von der rückläufigen Bohraktivität erklärt. Auf das Jahr hochgerechnet bedeutet das Produktionswachstum im September einen Anstieg um ca. 1 Mio. Barrel pro Tag, was in etwa dem von der EIA im nächsten Jahr erwarteten Anstieg der US-Rohölproduktion entspricht. Heute veröffentlicht die OPEC als letzte der drei grossen Energieagenturen ihren Monatsbericht. Sie dürfte darin bestätigen, dass der globale Ölmarkt bei aktueller OPEC-Produktion im zweiten Halbjahr unterversorgt ist, im ersten Halbjahr 2020 allerdings ein erneutes Überangebot droht. Saudi-Arabien dürfte seine Produktion im Juli weiter eingeschränkt haben.

Edelmetalle: Der Goldpreis steigt am Morgen auf ein neues 6-Jahreshoch von 1.525 USD je Feinunze. Silber legt im Schlepptau auf 17,4 USD je Feinunze zu, was einem 18-Monatshoch entspricht. Die Nachrichtenlage lässt die Anleger weiter Zuflucht in den sicheren Hafen Gold suchen. Erkennbar ist dies an anhaltend kräftigen ETF-Zuflüssen. Allein gestern waren es 8 Tonnen, seit Quartalsbeginn bereits mehr als 100 Tonnen. In den USA sind die Anleiherenditen erneut kräftig gesunken. Die 10-Jahresrendite liegt nur noch bei gut 1,6%. Die Zinsstrukturkurve in den USA ist mittlerweile so flach wie zuletzt im Jahr 2007, also kurz vor der grossen Finanzkrise, was Nervosität unter den Marktteilnehmern schürt und Zinssenkungsspekulationen nährt. Die Fed Fund Futures preisen mittlerweile einen US-Leitzins von 1,5% bis Ende 2019 und von ca. 1% bis Ende 2020 ein. Auch weltweit befinden sich die Renditen im Sinkflug. Das globale Volumen von Anleihen mit einer negativen Verzinsung beträgt inzwischen 15,6 Bio. USD. Das entspricht fast dem Volumen der am Markt handelbaren US-Staatsanleihen, wobei die USA im Gegensatz zu Europa und Japan keine Staatsanleihen mit negativer Verzinsung aufweisen. Daneben gibt es aktuell zahlreiche politische Krisenherde, die die Nachfrage nach Gold steigen lassen. Zu nennen ist Argentinien, wo Währung, Anleihen und Aktienmarkt nach dem Sieg der Peronisten bei einer Vorwahl für das Präsidentenamt abgestürzt sind. Es bestehen Sorgen vor einer möglichen Ansteckung anderer Schwellenländer. Auch die anhaltenden Proteste in Hongkong und die Regierungskrise in Italien sorgen für Verunsicherung. Alles in allem spricht somit vieles für eine Fortsetzung der Preisrally bei Gold, wovon auch Silber profitieren sollte.

Industriemetalle: Mit dem Nickelpreis geht es weiter hin und her: Er hat gestern Mittag in einem Schwung sämtliche Verluste aufgeholt, nachdem es neue Meldungen aus Indonesien bezüglich des geplanten Exportverbots von unbehandelten Erzen gab. Laut Aussagen des Ministers für die Koordinierung maritimer Angelegenheiten, dem das Ministerium für Energie und Bergbau untergeordnet ist, sei es kein Problem, das Exportverbot zu beschleunigen. Die mittlerweile nahezu täglich wechselnden Aussagen verschiedener Regierungsvertreter in Indonesien sprechen nicht für eine koordinierte Vorgehensweise in der Regierung. Verlässliche Informationen, wann das Exportverbot greifen soll, sind so nicht zu erhalten. Das letzte Wort in dieser Angelegenheit hat der indonesische Präsident Widodo. Der Nickelpreis jedenfalls wird weiter höchst volatil bleiben und wohl auf jede Nachricht aus Indonesien stark reagieren.

Der Zinnpreis ist gestern zeitweise auf 16.700 USD je Tonne gefallen und hat damit den tiefsten Stand seit über drei Jahren markiert. Von seinem Hoch Ende Februar hat Zinn mittlerweile 23% bzw. rund 5.000 USD verloren. Seit Jahresbeginn weist es unter den Industriemetallen die schwächste Preisentwicklung auf. Dass Indonesien im Juli deutlich weniger Zinn exportiert hat – die Ausfuhren sind im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel auf 4,4 Tsd. Tonnen gefallen – hat den Preisverfall bislang nicht aufhalten können. Die geringen Exporte könnten jedoch schon ein Anzeichen sein, dass Indonesien aktiv Angebot zurückhält, um die Preise zu stützen. Bei Preisen unter 17.000 USD dürften einige indonesische Zinnproduzenten nicht mehr profitabel sein. Wir gehen davon aus, dass sich der Zinnpreis bald stabilisiert.

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