16.12.2019 13:30:53

EU-Green Deal und Brexit sorgen für Verwerfungen am Emissionsmarkt

Energie: Ölpreisanstieg setzt sich dank positiver (Anleger-)Stimmung fort

Der Brentölpreis notiert mit über 65 USD je Barrel weiterhin in der Nähe eines Dreimonatshochs bzw. des höchsten Standes seit den Anschlägen auf die saudische Ölinfrastruktur im September. Konjunkturoptimismus, steigende Aktienmärkte weltweit angesichts der vorläufigen Einigung im Handelsstreit zwischen China und den USA und ein schwacher US-Dollar sorgen für Auftrieb. Schon im Vorfeld der Meldung über ein “Phase-1-Abkommen” haben die Finanzanleger ihre Netto-Long-Positionen bei Brent und WTI ausgeweitet. Insbesondere bei WTI, wo in der Woche zuvor noch ein Rückgang spekulativer netto longs vermeldet wurde, sind diese in der Woche zum 10. Dezember um knapp 90 Tsd. Kontrakte bzw. 60% gestiegen und haben den WTI-Ölpreis auf aktuell über 60 USD je Barrel steigen lassen. Abgesehen von den Marktverwerfungen durch die Angriffe im September lag der WTI-Ölpreis zuletzt im Juli über 60 USD. Dies dürfte mittelfristig die zuletzt abnehmende Explorationsaktivität in den USA – die Anzahl aktiver Ölbohrungen ist seit Jahresbeginn fast ununterbrochen gefallen – zweifelsohne wieder beflügeln und eine noch höhere US-Ölproduktion im kommenden Jahr wahrscheinlicher machen. Damit trägt der Ölpreisanstieg schon den Keim für seinen baldigen Preisrückgang mit sich und der Jo-Jo-Effekt am Ölmarkt dürfte weiter anhalten.

EU-Green Deal und Brexit sorgen für Verwerfungen am Emissionsmarkt

Der Green Deal der EU: Die EU-Kommission will bis März kommenden Jahres die Klimaneutralität bis 2050, d.h. die Senkung der CO2-Emissionen auf null, in einem Gesetz festschreiben. Dabei sollen die Emissionen bis 2030 noch stärker als vereinbart um mindestens 50% ggü. 1990 gesenkt werden, statt um 40%. Für die CO2-Preise ist dies längerfristig zweifelsohne ein starker stützender Faktor. Deshalb überrascht die positive Reaktion am Freitag, als der CO2-Preis auf 26 EUR je Tonne sprang, wenig. Doch danach richtete sich der Marktfokus schnell auf die unmittelbare Zukunft und hier vor allem auf den Wahlausgang in Grossbritannien. Ein schneller Brexit scheint jetzt sicher, weshalb Grossbritannien schon im ersten Quartal die 55 Mio. Tonnen CO2, die man in diesem Jahr zurückgehalten hat, versteigern könnte. Zusammen mit dem milden Wetter und dem Fuel-Switch zu Gunsten von Erdgas – der europäische Erdgaspreis für das Jahr 2020 fiel am Freitag mit knapp 14 EUR je MWh auf den niedrigsten Stand seit Anfang 2016 – haben den CO2-Preis (Dez. 2020) im Handelsverlauf letztendlich auf fast 24 EUR je Tonne gedrückt. Heute fällt der CO2-Preis erstmals seit fast einem Monat unter 24 EUR. Angesichts kurzfristiger Belastungsfaktoren könnte sich der Abwärtstrend fortsetzen.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle: Gold behauptet trotz verhaltener Kauflaune

Unterstützt von einem schwächeren US-Dollar legt Gold heute Morgen weiter zu und steigt zeitweise auf knapp 1.480 USD je Feinunze. Der Preis hatte schon am Freitag etwas angezogen, obwohl die USA und China ein Teilhandelsabkommen verkündeten. Die Details dazu sollen erst im Januar bekannt gegeben werden. Unterdessen scheint sich eine neue Handelsfront aufzubauen, die für Verunsicherung sorgen könnte: China hat Deutschland mit Konsequenzen gedroht, falls es einem grossen chinesischen Unternehmen verbietet, Mobilfunkmasten für die 5G-Technologie aufzustellen. Die Drohung richtet sich dabei offenbar gegen deutsche Automobilhersteller. So richtig in Kauflaune sind die Goldinvestoren aber noch nicht wieder: Die von Bloomberg erfassten Gold-ETFs verzeichneten in der letzten Woche drei Tonnen Abflüsse (13 Tonnen seit Monatsbeginn) und die spekulativen Finanzinvestoren haben sich laut der jüngsten CFTC-Statistik merklich zurückgezogen. Dass auch die Goldnachfrage in Asien noch verhalten ist, dürften die Schweizer Goldexporte diese Woche zeigen. Die in den letzten Monaten leicht gesunkenen Goldpreise in Indien und China geben aber immerhin Anreiz, wieder vermehrt Gold zu kaufen.

Palladium zieht zum Wochenauftakt wieder an und könnte in dieser Woche die Marke von 2.000 USD je Feinunze in Angriff nehmen. Anlass für ein Überschreiten dieses Niveaus könnten die EU-Autoneuzulassungszahlen sein. Diese dürften im November gut ausgefallen sein, nachdem schon die deutschen Zahlen gut waren.

Industriemetalle: Die Euphorie an den Metallmärkten hat sich gelegt

Die Euphorie der Marktteilnehmer nach dem „Phase-1-Abkommen“ im Handelsstreit zwischen den USA und China hat sich gelegt. Denn den Worten müssen nun Taten folgen, also die Vereinbarungen umgesetzt werden. Zudem dürften sich die nächsten Verhandlungen auf dem Weg zu einem umfassenden Handelsabkommen zwischen beiden Ländern deutlich schwieriger gestalten, da dann auch kritische Themen angesprochen werden müssen, die bislang aussen vor geblieben sind. Mit den Verhandlungen über ein „Phase-2-Abkommen“ soll laut US-Präsident Trump sofort begonnen werden. Der Handelsstreit wird die Märkte wohl noch lange beschäftigen, auch wenn jetzt erstmal „Waffenstillstand“ herrscht. Die Metallpreise starten uneinheitlich und nur wenig bewegt in die neue Handelswoche. Kupfer kostet 6.150 USD je Tonne, Zink notiert bei 2.260 USD je Tonne. Gute Konjunkturdaten aus China geben den Preisen zumindest heute Morgen noch keinen Auftrieb. Die Daten deuten auf eine wirtschaftliche Stabilisierung im Reich der Mitte hin. So hat die Industrieproduktion im November stark angezogen (+6,2% ggü. Vj.), allerdings von einem sehr niedrigen Vormonatsniveau aus, und die Anlageinvestitionen zeigten sich stabil. Die Stahlproduktion wurde im November um 4% gegenüber Vorjahr gesteigert und hat auf Tagesbasis ein 3-Monatshoch erreicht. Dies ist zwar saisonal unüblich, die Stahlpreise in China sind im November wegen einer höheren Bauaktivität aber stark gestiegen, was die Stahlherstellung rentabler machte. Insgesamt betrachtet sind die chinesischen Stahlproduzenten auf dem Weg, in diesem Jahr ein neues Rekordhoch aufzustellen, auch wenn die Marke von 1 Mrd. Tonnen wohl nicht ganz erreicht wird.

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