24.04.2019 14:40:04

Edelmetalle und Industriemetalle unter Druck

Energie: Die Lage am Ölmarkt hat sich nach dem Preissprung zu Wochenbeginn beruhigt. Brent notiert am Morgen bei 74 USD je Barrel. Der IEA gelang es, die Sorgen vor einer deutlichen Angebotsverknappung im Zuge der strikteren US-Sanktionen gegen den Iran zu lindern. Der globale Ölmarkt ist demnach ausreichend versorgt. Die IEA nennt dabei als Kriterium die auf 3,3 Mio. Barrel pro Tag gestiegenen freien Förderkapazitäten. Dazu hat die strikte Umsetzung der Produktionskürzungen durch die OPEC+ beigetragen. Zudem lagen die OECD-Lagerbestände Ende Februar noch über dem 5-Jahresdurchschnitt und die US-Ölproduktion soll in diesem Jahr um 1,6 Mio. Barrel pro Tag steigen. Wie OPEC-Quellen und Industriekreise ausserdem berichten, sind die OPEC-Golfstaaten offenbar bereit, die Produktion auszuweiten, wenn es wegen der Iran-Sanktionen zu Engpässen am Ölmarkt kommt. Ein Automatismus ist damit aber nicht verbunden. Vielmehr müsste die Nachfrage dafür vorhanden sein. Eine schon kurzfristige Erhöhung der Produktion ist somit nicht zu erwarten. Noch ist nicht klar, wie stark der Rückgang der iranischen Ölexporte letztlich ausfallen wird. Da sich China dem Druck der USA kaum beugen dürfte, werden die iranischen Ölexporte nicht vollständig wegfallen. Den Fehler des Vorjahres wird man bei der OPEC nicht wiederholen wollen. Damals erhöhte man im Verbund mit Russland im Vorfeld der Iran-Sanktionen die Produktion deutlich – zu deutlich, wie sich später herausstellte. In der Folge war der Ölmarkt überversorgt und der Ölpreis stürzte im vierten Quartal regelrecht ab. Die gestrigen API-Lagerdaten lassen auch keinen unmittelbaren Handlungsbedarf für die OPEC erkennen. Demnach stiegen die US-Rohölvorräte in der letzten Woche unerwartet deutlich um 6,9 Mio. Barrel.

Edelmetalle: Gold ist gestern Nachmittag zeitweise spürbar unter Druck gekommen und erstmals seit Ende Dezember unter 1.270 USD je Feinunze gefallen. Als Auslöser für den Preisrutsch am Nachmittag gilt der festere US-Dollar, der allerdings ohne erkennbaren Grund plötzlich aufwertete. Im Zuge besser als erwarteter Unternehmensberichte legten später die US-Aktienindizes spürbar zu, so dass Gold als Anlagealternative nicht gefragt war. Dies spiegelte sich auch in ETF-Abflüssen von 4,7 Tonnen wider. Die Bestände der von Bloomberg erfassten Gold-ETFs sind damit fast wieder auf das Jahresausgangsniveau zurückgefallen. Gold in Euro gerechnet hat sich etwas besser gehalten. Es kostet rund 1.130 EUR je Feinunze. Silber wurde gestern von Gold mit nach unten gezogen. Es hat dabei deutlich stärker nachgegeben als Gold und ist auf 14,8 USD je Feinunze gefallen, den tiefsten Stand seit Weihnachten. Das Gold/Silber-Verhältnis ist im Zuge dessen wieder auf knapp 86 gestiegen. Nachdem die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie in den letzten Wochen den Silberpreis noch unterstützt hatte, wurde sie gestern unterschritten, was zu technisch bedingten Anschlussverkäufen geführt und den Preisrückgang entsprechend verstärkt hat. Auch dürften die spekulativen Finanzinvestoren ihre Netto-Short-Positionen weiter ausgebaut haben.

Industriemetalle: Die Metallpreise starten nach dem langen Osterwochenende gemischt in die verkürzte Handelswoche. Kupfer fällt auf 6.450 USD je Tonne zurück. Der Ausflug über die Marke von 6.600 USD Mitte letzter Woche hat sich damit als kurzlebig erwiesen. Auch Nickel gibt weiter nach: Es rutscht auf 12.600 USD je Tonne ab – ein 2-Monatstief – und nähert sich wieder der charttechnisch wichtigen 200-Tage-Linie. Offenbar ist derzeit die Nickelnachfrage verhalten. Laut Bloomberg, die sich auf den chinesischen Datenanbieter Mysteel berufen, haben sich in China grosse Edelstahlvorräte aufgetürmt. Mit deutlich über 400 Tsd. Tonnen liegen sie fast auf Rekordhoch. Die International Nickel Study Group (INSG) hat für den globalen Nickelmarkt für Januar und Februar zusammengenommen nur ein relativ geringes Angebotsdefizit von 5,7 Tsd. Tonnen berichtet. Auch für 2019 erwartet sie bislang nur ein moderates Defizit. Aluminium legt dagegen leicht auf 1.880 USD je Tonne zu. Es bekommt Rückenwind aus Shanghai, wo der meistgehandelte Futures-Kontrakt (Fälligkeit Juni) heute auf ein 6-Monatshoch von gut 14.200 CNY je Tonne (2.120 USD) steigt. Im Vergleich zum SHFE-Preis, der sich in einer Woche um rund 3% verteuert hat, ist der LME-Preis auf Wochensicht allerdings kaum gestiegen. Der Anstieg der Aluminiumpreise an der SHFE wird auf sinkende Lagerbestände zurückgeführt. Diese sind per 18. April auf den tiefsten Stand seit November 2017 gefallen. Nach dem Ende der Wintersaison läuft in China derzeit die saisonal nachfragestarke Zeit.

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