27.01.2020 13:30:51

Coronavirus hat Märkte weiter fest im Griff

Energie: Ölpreise wegen Nachfragesorgen auf Talfahrt

Die Ölpreise stehen wegen der raschen Ausbreitung des Coronavirus in China und steigenden Verdachtsfällen auch in anderen Länden weiter unter Abgabedruck. Das Virus schürt Sorgen vor einer Abschwächung der Ölnachfrage, womit der globale Ölmarkt ohne weitere angebotseinschränkende Massnahmen noch stärker überversorgt wäre. Brent und WTI geben daher heute um gut 3% nach. Schon in den letzten drei Handelstagen standen merkliche Rückgänge zu Buche. Brent rutscht am Morgen deutlich unter 59 USD je Barrel und ist damit so preiswert wie zuletzt vor gut drei Monaten. Gleiches gilt für den WTI-Preis. Der Gasölpreis steht wegen eines weiter schrumpfenden Crackspread sogar noch stärker unter Druck und fällt unter 520 USD je Tonne auf den tiefsten Stand seit über einem Jahr. Ölmarktspezifische Nachrichten fallen im gegenwärtigen Umfeld auf taube Ohren. Vor wenigen Wochen noch hätten sie für merklich steigende Preise gesorgt. So berichtet Libyen einen Rückgang der Ölproduktion in der letzten Woche auf 284 Tsd. Barrel pro Tag. Grund hierfür ist die anhaltende Blockade der Exporthäfen und Ölfelder durch Truppen des abtrünnigen Generals Haftar. Verglichen mit dem Produktionsniveau zuvor fehlen dem Ölmarkt somit knapp 900 Tsd. Barrel pro Tag, was fast dem impliziten Überangebot im ersten Quartal entspricht. Zudem berichteten am Freitag russische Medien, dass die OPEC und ihre verbündeten Nicht-OPEC-Länder über eine Verlängerung der Produktionskürzungen bis zum Jahresende nachdenken würden. Der saudi-arabische Energieminister bin Salman bestätigte, dass für die OPEC-Sitzung Anfang März alle Optionen auf dem Tisch liegen würden, inklusive einer weiteren Kürzung der Ölproduktion. Die OPEC und ihre Verbündeten würden falls erforderlich reagieren, um die Stabilität des Ölmarktes zu gewährleisten. Dies lässt Handlungsbereitschaft erkennen, sollte das Coronavirus einen spürbaren Einfluss auf die Nachfrage haben.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle: Coronavirus Fluch und Segen zugleich für Gold

An den Finanzmärkten ist die Risikoaversion angesichts des Coronavirus in China und dessen Ausbreitung spürbar gestiegen. Viele Aktienmärkte stehen stark unter Druck, Anleiherenditen fallen deutlich und Krisenwährungen wie zum Beispiel der Japanische Yen und auch der US-Dollar werten auf. Auch Gold wird als Krisenwährung angesehen. Es profitiert in seiner Eigenschaft als sicherer Hafen und steigt heute Morgen auf 1.580 USD je Feinunze. In Euro gerechnet verteuert sich Gold auf 1.430 EUR je Feinunze. Während Gold bei den Finanzanlegern quasi als Versicherung gefragt ist, was man in erster Linie in anhaltenden ETF-Zuflüssen sieht, könnte das Coronavirus die physische Goldnachfrage in China belasten. Da das öffentliche Leben dort mehr und mehr zum Stillstand kommt, erwarten einige Marktbeobachter, dass während der sonst nachfragestarken Zeit rund um das chinesische Neujahrsfest dieses Jahr weniger Gold gekauft wird. Auch in Indien scheint die physische Goldnachfrage noch verhalten. Dort wird am kommenden Wochenende der Haushalt für das neue Fiskaljahr präsentiert. Ob es zur geforderten Reduzierung der Goldimportsteuer kommt, die die Goldnachfrage wahrscheinlich beleben würde, ist fraglich. Silber wird von Gold mit nach oben gezogen und legt auf 18,2 USD je Feinunze zu. Silber schwimmt aber nur mit Gold mit, sodass das Gold/Silber-Verhältnis bei fast 87 auf hohem Niveau bleibt. Platin und Palladium stehen dagegen im Einklang mit den Industriemetallpreisen unter Druck.

Industriemetalle: Preise sacken weiter ab

China ist am Wochenende in das „Jahr der Ratte“ gestartet. Der Auftakt stand aber im Zeichen des Coronavirus und vielerorts wurden die Neujahrsfeierlichkeiten abgesagt. Die Ratte war zuletzt 2008 das chinesische Sternzeichen. In dem Jahr gab es die Finanz- und Wirtschaftskrise, die mit stark fallenden Aktienmärkten und Metallpreisen einherging. Ist man abergläubisch, könnte man daher sagen, 2020 steht unter keinem guten Stern. Um das Virus einzudämmen, werden die Neujahrsfeiertage bis 2. Februar verlängert, das heisst die Märkte in China bleiben die ganze Woche geschlossen. Auch wenn in China selbst nicht gehandelt wird, hat das Coronavirus die Rohstoffmärkte andernorts fest im Griff. An der LME in London starten die Metallpreise mit grossen Abschlägen in die neue Handelswoche: Kupfer sackt beispielsweise auf 5.800 USD je Tonne ab. Vor einer Woche war Kupfer noch 400-500 USD teurer. Nickel ist deutlich unter die Marke von 13.000 USD je Tonne auf den tiefsten Stand seit 6½ Monaten gerutscht. Der LME-Industriemetallindex (LMEX) hat letzte Woche bereits 4,5% verloren und ist wieder in seine seit Mai 2019 geltende Handelsspanne zurückgefallen. Setzt sich der Preisrückgang fort, fällt der LMEX in Kürze sogar aus dieser Spanne nach unten raus. Ob die in dieser Woche zur Veröffentlichung anstehenden Daten angesichts der Nachrichten aus China das Potenzial haben, die Metallpreise zu bewegen, ist zu bezweifeln. Die Marktteilnehmer dürften aber immerhin mit einem Auge auf die US-Konjunkturdaten und hier insbesondere das BIP für das vierte Quartal schauen.

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