09.11.2018 16:08:45

Brentölpreis kurz vor Bärenmarkt

Energie: Die rekordhohen chinesischen Ölimporte haben die Ölpreise nur kurzzeitig steigen lassen. Seit gestern Nachmittag geht es mit den Preisen weiter abwärts. Brent fällt am Morgen erstmals seit 7 Monaten auf 70 USD je Barrel, WTI auf ein 9-Monatstief von 60 USD je Barrel. Mittlerweile nähert sich auch Brent einem Minus von 20% vom Hoch Anfang Oktober und droht damit wie schon WTI in einen Bärenmarkt zu rutschen. Offensichtlich versuchen die Marktteilnehmer, die Schmerzgrenze der Ölproduzenten auszutesten und diese zu einer Angebotsreduktion zu zwingen. Kurzfristig kann eine solche Massnahme nur von der „OPEC+“-Gruppe kommen, deren Vertreter sich am Wochenende in Abu Dhabi treffen. Bleiben Signale für eine Rücknahme der jüngsten Produktionsausweitung aus, droht den Ölpreisen ein weiterer Rückgang. Ein Richter im US-Bundesstaat Montana hat den Bau der Keystone XL-Pipeline gestern wegen Mängel bei der Begutachtung der Umweltfolgen vorerst gestoppt. Dies ist ein weiterer Rückschlag für die kanadische Ölindustrie, nachdem ein kanadisches Gericht Ende August bereits den Bau einer Pipeline an die Pazifikküste gestoppt hatte. Der Preis für Western Canada Select notiert wegen der Pipelineengpässe bereits unterhalb von 20 USD je Barrel. Die kanadische Ölproduktion dürfte wegen der niedrigen lokalen Preise weniger stark steigen. Aufgrund der extrem niedrigen Pegelstände im Rhein ist der Preis für Gasöl weniger stark gefallen als der Preis für Brent. Gasöl in Westeuropa mit Lieferung im November wird mit einem rekordhohen Preisaufschlag von 35 USD je Tonne gegenüber Gasöl in Singapur gehandelt. In der Folge sollen sogar Tankladungen von Singapur nach Europa gechartert worden sein.

Edelmetalle: Gold fällt heute Morgen unter 1.220 USD je Feinunze, da der US-Dollar im Zuge der gestrigen Fed-Sitzung aufgewertet hat. Die US-Notenbank hat zwar wie vorhergesehen die Zinsen nicht erhöht. Da sich die Wirtschaft in den USA aber wie erwartet entwickelt, wird sie unseres Erachtens den nächsten Zinsschritt im Dezember vornehmen. Diese Zinserhöhung ist vom Markt auch voll eingepreist.
Die Wolken über Chinas Automarkt werden immer dunkler: Gemäss Daten des Verbands der chinesischen Automobilproduzenten sind die Autoverkäufe im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 13% eingebrochen. Nach der offiziellen Statistik war der Oktober bereits der vierte Monat in Folge mit rückläufigen Absatzraten verglichen zum Vorjahr. Offenbar macht sich hier der Handelsstreit mit den USA mehr und mehr bemerkbar, der zu grosser Verunsicherung führt und weswegen potenzielle Autokäufe verschoben werden. Mittlerweile liegen die Autoabsätze auch seit Jahresbeginn unter dem Vorjahresniveau. Es droht der erste Rückgang im Gesamtjahr seit über 20 Jahren. Die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission erwägt daher, die Umsatzsteuer auf Autoverkäufe auf 5% zu halbieren, um der Absatzflaute entgegenzuwirken. Eine Entscheidung ist aber noch nicht gefallen. Die Schwäche im weltweit grössten Autoabsatzmarkt sollte sich negativ auf die Palladiumnachfrage auswirken. Der Palladiumpreis gab schon gestern kurzzeitig deutlich nach, holte seine Verluste später aber wieder auf.

Industriemetalle: Aluminium kostete gestern kurzzeitig wieder mehr als 2.000 USD je Tonne, da die weltweit grösste Alumina-Raffinerie, „Alunorte“ in Brasilien, weiter nur mit halber Auslastung laufen darf. Neben geringeren Eisenerz- und Kupferimporten gab es im Oktober auch Bremsspuren auf der Exportseite in China. So sind die Aluminiumausfuhren gemäss Daten der Zollbehörde erstmals seit Mai wieder unter 500 Tsd. Tonnen gefallen. China hatte zuletzt etwas weniger Aluminium produziert, so dass auch weniger zum Export zur Verfügung stand. Die Stahlexporte haben mit 5,5 Mio. Tonnen sogar ein 8-Monatstief erreicht. Wegen der wieder gestiegenen lokalen Stahlpreise haben die chinesischen Produzenten mehr Stahl im Inland verkauft. Zudem sahen sie sich im südostasiatischen Markt einer stärkeren Konkurrenz aus der Türkei, dem Mittleren Osten und Russland gegenüber, was mit den US-Importzöllen auf Stahl zusammenhängen dürfte. Sowohl die Aluminium- als auch die Stahlausfuhren lagen im Oktober allerdings deutlich über Vorjahr (+38% bzw. +10%). Zudem darf nicht vergessen werden, dass in China Anfang Oktober die Märkte wegen der „Golden Week“ eine Woche lang geschlossen waren. Das heisst, dass China trotz dieses Faktors beachtliche Mengen Aluminium und Stahl ausgeführt hat. Die Aluminiumexporte sind nach wie vor auf Rekordkurs für das Gesamtjahr. Steuervergünstigungen, die von der chinesischen Regierung im Zuge des Handelsstreits mit den USA zum 1. November erhöht wurden, dürften ihren Teil dazu beitragen.

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