27.02.2020 13:30:09

Brent durchbricht bisheriges Tief

Energie: Brent durchbricht bisheriges Tief, Gasölpreis im freien Fall

Das Covid-19-Virus hat das Geschehen am Ölmarkt weiter fest im Würgegriff. Der Brentölpreis durchbrach am Morgen das bisherige Februar-Tief bei gut 53 USD je Barrel und rutschte bis auf 52,5 USD ab, den niedrigsten Stand seit Anfang 2019. WTI kostet inzwischen weniger als 48 USD je Barrel und ist damit so preiswert wie zuletzt vor knapp 14 Monaten. Noch ärger traf es den Gasölpreis. Dieser stürzte gestern auf 450 USD je Tonne ab, was dem tiefsten Niveau seit Sommer 2017 entspricht. Der Gasöl/Brent-Crackspread verringerte sich auf 7 USD je Barrel und ist damit so niedrig wie seit Sommer 2016 nicht mehr. Aufgrund der Saisonalität fällt das Tief beim Gasöl/Brent-Crackspread für gewöhnlich in den Sommer, was den aktuellen Rückgang so ungewöhnlich macht. Tiefer als aktuell war der Crackspread zur Winterzeit zuletzt im Januar 2016, als die Ölpreise bei 30 USD notierten. Somit ist auch diese Situation mit der heutigen nicht vergleichbar. Die ausgeprägte Schwäche bei Gasöl erklärt sich mit der besonderen Anfälligkeit der Nachfrage nach Mitteldestillaten in der aktuellen Krise. Wenn das Coronavirus Teile des öffentlichen Lebens und der Produktion lahmlegt, bedeutet das einen deutlich geringeren Bedarf an Diesel für den Transport und die Produktion sowie an Kerosin für den Flugverkehr. Hinzu kommt der ungewöhnlich milde Winter, der den Bedarf an Heizöl reduziert. Die Raffinerien dürften auf diese Entwicklungen mit erheblichen Kürzungen bei der Verarbeitung reagieren. In China ist dies bereits geschehen. Die Rede ist hier von einem Rückgang der Rohölverarbeitung um 4 Mio. Barrel pro Tag. Die geringere Nachfrage der Raffinerien drückt wiederum auf den Rohölpreis. Von daher ist es auch wenig überraschend, dass die US-Lagerdaten gestern keine positiven Preisimpulse setzen konnten, obwohl sie einen geringer als erwarteten Lageraufbau bei Rohöl und einen stärker als erwarteten Lagerabbau bei den Ölprodukten zeigten.

Frühere Wertentwicklungen, Prognosen und Simulationen sind kein Indikator für die künftige Wertentwicklung.

Edelmetalle: Palladium trotzt Virussorgen und steigt auf neues Rekordhoch

Die Preisrally von Gold ist etwas ins Stocken geraten. Das gelbe Edelmetall notiert mit 1.650 USD je Feinunze aber nach wie vor auf hohem Niveau. In den letzten Tagen haben Marktteilnehmer immer wieder mal Gold verkauft – teilweise um Gewinne mitzunehmen, teilweise aber wohl auch, um anderweitige Verluste auszugleichen. Die Gold-ETFs haben gestern ihre Rekordserie von Zuflüssen beendet: Es gab den ersten Abfluss seit 26 Handelstagen (2,6 Tonnen). Seit Jahresbeginn wurden die ETF-Bestände um knapp 90 Tonnen aufgebaut.

Palladium trotzt allen Virussorgen und ist heute Morgen auf ein neues Rekordhoch von gut 2.850 USD je Feinunze gestiegen. Es ist mittlerweile mehr als dreimal so teuer wie Platin. Der weltweit grösste Palladiumproduzent aus Russland hat gestern im Rahmen seiner Gesamtjahresberichterstattung ein angespanntes Bild vom globalen Palladiummarkt gezeichnet. Er ist allerdings nicht ganz so pessimistisch wie Johnson Matthey oder seine südafrikanischen Wettbewerber. Der Markt wies demnach im letzten Jahr ein Angebotsdefizit von 550 Tsd. Unzen auf, das sich in diesem Jahr auf 900 Tsd. Unzen ausweiten soll. Dies kommt in erster Linie durch einen erhöhten Palladiumeinsatz in Autokatalysatoren im Zuge strengerer Emissionsrichtlinien zustande. So soll der Palladiumgehalt in Benzinmotoren um 5-7% steigen. Da Palladium technisch betrachtet Platin in Autokatalysatoren überlegen ist, sieht der Produzent nur eine begrenzte Substitution von Palladium durch Platin. Ausserdem könnte Palladium in diesem Jahr stärker gefragt sein, da es eine physische Knappheit an Rhodium gibt. Allerdings ist fraglich, ob die negativen Auswirkungen des Covid-19-Virus auf die Nachfrage in den o.g. Prognosen schon hinreichend enthalten sind.

Industriemetalle: Kupferschmelzen in China nehmen Produktion wieder auf

Das Covid-19-Virus breitet sich ausserhalb Chinas rasant aus und zwingt immer mehr Unternehmen zu Restriktionen bis hin zu Schliessungen. Dies führt zu Unterbrechungen der Lieferketten, was wohl nicht spurlos an der Wirtschaft vorbeigehen wird. In China dagegen nimmt die Zahl der Neuerkrankungen mit dem Virus weiter ab und das Land bewegt sich langsam zurück auf seinen normalen wirtschaftlichen Kurs. Dies ist unter anderem in der Auslastung der Kupferschmelzen ersichtlich. Gemäss einem Bericht des zweitgrössten chinesischen Kupferschmelzers haben per 20. Februar rund 70% der Kupferverarbeiter im Land ihre Produktion wieder aufgenommen. Die Auslastung der einzelnen Anlagen liegt demnach zwischen 30% und 90%. Eine grosse Herausforderung für die Schmelzen seien die Reiseeinschränkungen, da viele Arbeiter noch nicht an ihre Arbeitsplätze zurückkommen konnten. So manche Schmelze versucht mit vorgezogenen Wartungsarbeiten der aktuell noch schwachen Nachfrage entgegenzuwirken. Aber auch dies gestaltet sich verschiedenen Berichten zufolge schwierig, da Arbeiter zur Durchführung der Wartungsmassnahmen fehlen. Nach dem starken Aufbau der Kupfervorräte in den Lagerhäusern der SHFE in den letzten Wochen, hat gestern auch die LME einen grossen Zufluss von 61 Tsd. Tonnen (38%) gemeldet. Im Gegensatz zur SHFE sind die Bestände an der LME aber noch nicht allzu hoch. Dennoch deutet der Lageraufbau unseres Erachtens auf eine aktuell verhaltene Nachfrage hin.

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