05.06.2019 14:04:39

Aussicht auf niedrigere Zinsen lässt Gold weiter steigen

Energie: Die Ölpreise befinden sich nach dem Abrutschen Ende vergangener und Anfang dieser Woche in einer Bodenbildungsphase. Der grosse Abgabedruck scheint vorüber. Für eine nennenswerte und vor allem dauerhafte Preiserholung hat es bislang aber nicht gereicht. Der Preisanstieg gestern im Zuge steigender Aktienmärkte wurde durch einen unerwartet deutlichen Anstieg der US-Rohöl- und Produktbestände ausgebremst, den das API nach Handelsschluss berichtete. Das US-Energieministerium veröffentlicht die offiziellen Lagerdaten heute Nachmittag. Ein ähnlich starker Lageraufbau würde die Ölpreise weiter unter Druck setzen. Es muss aber nicht zwingend zu einem Lageraufbau kommen. Denn in der vorherigen Woche fielen die Lagerbestände laut API deutlich, laut DOE dagegen kaum. Ob die Ölpreise von einem Lagerabbau profitieren würden, ist in der gegenwärtigen Marktstimmung allerdings fraglich. Dafür müsste er schon recht kräftig ausfallen.
Russland ist hinsichtlich einer Verlängerung des „OPEC+“-Kürzungsabkommens noch nicht an Bord. Der Chef des grössten russischen Ölkonzerns, Setschin, äusserte gestern Bedenken wegen des drohenden Verlustes von Marktanteilen an die US-Produzenten. Die russische Ölproduktion ist gut informierten Quellen zufolge Anfang Juni auf ein 3-Jahrestief von weniger als 10,9 Mio. Barrel pro Tag gefallen. Dies liegt aber nicht am Kürzungsabkommen, sondern am anhaltenden Lieferstopp wegen Verunreinigung durch die Druschba-Pipeline. Zu spüren ist dies auch an den hohen Benzinpreisen an deutschen Tankstellen, da zwei Raffinerien in Ostdeutschland derzeit nur halb so viel Rohöl verarbeiten können wie normal.

Edelmetalle: Gold verteidigte gestern im Zuge eines schwachen US-Dollar sein neu gewonnenes Terrain und steigt heute Morgen auf 1.335 USD je Feinunze. Der Dollar wertete gestern weiter ab, nachdem der Fed-Vorsitzende Powell in seiner Rede zur Eröffnung einer Fed-Zentralbankkonferenz in Chicago den Markt darauf eingestimmt hat, dass die US-Notenbank ihre abwartende Haltung aufgibt und einen Zinssenkungszyklus einleitet. Zudem gab es einen weiteren kräftigen Zufluss in die Gold-ETFs. Der Preisanstieg von Gold zuvor dürfte auch auf die inverse Zinsstrukturkurve in den USA zurückzuführen sein. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist deutlich unter den Zinssatz dreimonatiger Anleihen gefallen. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die Geldpolitik zu restriktiv ist. In der Vergangenheit signalisierte dies gewöhnlich das Nahen einer Rezession. Unterdessen wird berichtet, dass Indien im Mai erneut grosse Mengen Gold importiert hat. Laut Aussagen eines Regierungsvertreters sind die Einfuhren im Vorjahresvergleich um 49% auf 116 Tonnen gestiegen. Schon im April hatte Indien gemäss Daten des Finanzministeriums 121 Tonnen Gold gekauft. Die hohen Einfuhren im Mai sind demnach auf die gefallenen Goldpreise in lokaler Währung rund um den hinduistischen Feiertag „Akshaya Tritiya“ zurückzuführen, was Schmuckhändler zu einem Aufstocken ihrer Lagerbestände veranlasste. Einem indischen Goldhändler zufolge könnten die Importe im Juni aber unter 80 Tonnen fallen, da der Goldpreis in Indischer Rupie gerechnet mittlerweile wieder angezogen hat.

Industriemetalle: Die Metallpreise profitierten gestern nur unterproportional bzw. in manchen Fällen sogar gar nicht von den festen Aktienmärkten in den USA und in Europa und legten nur moderat zu. Auch heute Morgen geht es nur leicht bergauf, obwohl die Stärke der Aktienmärkte nach Asien übergeschwappt ist. Der schwache US-Dollar wirkt ebenfalls nicht beflügelnd. Während Kupfer immerhin auf 5.900 USD je Tonne gestiegen ist, notiert Zink noch in der Nähe seines 5-Monatstiefs. Eines der Metalle, das gestern nachgab, ist Zinn. Es handelt bei gut 19.000 USD je Tonne leicht über einem letzte Woche verzeichneten 6-Monatstief. Nachdem die LME-Zinnlager Anfang Mai fast leergeräumt waren, fliessen seitdem wieder grosse Mengen hinein: Die Bestände wurden um knapp 2.800 Tonnen aufgestockt, das heisst sie haben sich fast verfünffacht und liegen damit auf dem höchsten Stand seit über zwei Jahren. Knapp die Hälfte wurde in die LME-Lagerhäuser in Baltimore eingeliefert, der Rest verteilt sich auf Singapur, Malaysia, Belgien und zuletzt auch Holland. Ein Grund für die Einlieferungen von Material in die Lagerhäuser dürfte die Backwardation in der Zinn-Terminkurve sein. Denn diese macht Finanztransaktionen unattraktiv bzw. führt dazu, dass solche aufgelöst werden. Daneben könnte der Lageraufbau der letzten vier Wochen auf höhere Zinnexporte aus Indonesien hindeuten. Zahlen zu den Mai-Ausfuhren veröffentlicht das indonesische Handelsministerium in den nächsten Tagen.

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