16.07.2019 13:00:09

Abwartende Haltung am Goldmarkt

Energie: Der Brentölpreis handelt seit gestern kaum verändert bei 66,5 USD je Barrel. WTI rutschte am Abend dagegen wieder unter die Marke von 60 USD. Der Preisrückgang bei WTI könnte auf die neuen Prognosen der US-Energiebehörde zur US-Schieferölproduktion zurückzuführen sein. Diese erwartet für August einen weiteren Anstieg um 49 Tsd. auf 8,55 Mio. Barrel pro Tag. Wenig überraschend ist, dass es sich dabei um ein Rekordniveau handelt. Der Grossteil des erwarteten Produktionsanstiegs entfällt erneut auf das grösste und ertragreichste Schieferölvorkommen Permian Basin im Süden von Texas und New Mexico. Dort wird mittlerweile fast die Hälfte des gesamten US-Schieferöls gefördert. Ebenfalls preisbelastend für WTI dürfte sein, dass sich die US-Ölproduktion im Golf von Mexiko nach dem Abzug von Hurrikan Barry allmählich wieder erholt. Gestern waren allerdings noch immer 1,3 Mio. Barrel pro Tag an Produktionskapazitäten “offline”. Dies dürfte zu einem spürbaren Rückgang der US-Rohölvorräte in der letzten und auch noch in dieser Woche führen. Die Lagerdaten vom API heute Abend und vom US-Energieministerium morgen Nachmittag dürften auch deshalb den fünften Lagerabbau in Folge zeigen, der zudem wieder beträchtlich ausfallen sollte. WTI dürfte daher den jüngsten Preisrückgang wieder wettmachen. Brent sollte dann ebenfalls wieder zulegen. Unterdessen bemühen sich die europäischen Staaten, das internationale Atomabkommen mit dem Iran zu retten. Im Juni lagen die iranischen Ölexporte wegen der US-Sanktionen laut Bloomberg-Daten nur noch bei 400 Tsd. Barrel pro Tag, im Mai sogar darunter. Wichtigste Käufer waren China und die Türkei. Von daher würden EU-Sanktionen für das iranische Ölangebot kaum noch einen Unterschied machen.

Edelmetalle: Gold zeigt sich im Vorfeld der Veröffentlichung von US-Konjunkturdaten und von Reden einiger Fed-Vertreter weiter unverändert und handelt bei 1.415 USD je Feinunze. Die Marktteilnehmer versuchen ein Gespür dafür zu bekommen, ob die US-Notenbank Fed Ende des Monats die Zinsen um 25 oder sogar um 50 Basispunkte senkt. Entscheidet sich die Fed für einen „kleinen“ Zinsschritt, dürften weitere im Jahresverlauf folgen. Ein „grosser“ Zinsschritt hingegen dürfte eine einmalige Sache sein. Heute Abend stimmt das EU-Parlament darüber ab, ob die bisherige deutsche Verteidigungsministerin, Ursula von der Leyen, neue Präsidentin der EU-Kommission und damit Nachfolger von Jean-Claude Juncker wird. Sollte Frau von der Leyen bei den Parlamentariern durchfallen, was durchaus möglich scheint, dürfte das Geschachere um die EU-Spitzenpositionen von vorne beginnen. Dann ist es wahrscheinlich auch nicht mehr ausgemachte Sache, dass Christine Lagarde neue EZB-Präsidentin wird. Die dadurch wohl wieder aufkommende Unsicherheit unter den Marktteilnehmern sollte die Nachfrage nach Gold hoch halten.

Während sich Gold gestern kaum bewegt hat, sind die anderen Edelmetalle gestiegen. Sie wurden dabei wohl von den freundlichen Industriemetallen unterstützt. Silber, Platin und Palladium legten um 1% bis 1,4% zu. Entsprechend sind die Preisdifferenzen zwischen Gold und Silber bzw. Gold und Platin leicht geschrumpft. Dagegen hat Palladium seinen Vorsprung gegenüber Gold weiter ausgebaut.

Industriemetalle: Kupfer hat sich gestern über die Marke von 6.000 USD je Tonne zurückgearbeitet, konnte dieses Niveau aber nicht halten. Heute Morgen unternimmt es einen neuen Anlauf. Der Betreiber der „Oyu Tolgoi“-Kupfermine in der Mongolei hat letzte Nacht vor deutlich höheren Kosten und langen Verzögerungen bei der Erschliessung des geplanten Untertagebaus in der Mine gewarnt. Wegen technischer Schwierigkeiten könnten die Kosten um bis zu 1,9 Mrd. USD steigen und die volle Produktionsleistung erst Mitte 2023 und damit 2½ Jahre später als geplant erreicht werden. Dies zeigt wie schwierig es ist, neue grosse Minen im Rahmen der Planungen zu erschliessen. Die Mine soll jährlich mehr als 500 Tsd. Tonnen Kupfer produzieren – Material, das dringend benötigt wird. Wegen solcher Verzögerungen dürfte der globale Kupfermarkt auch mittel- bis langfristig angespannt sein.

Ausgehend von Käufen in China springt heute Morgen der Nickelpreis an der LME in London auf fast 14.000 USD je Tonne nach oben, der höchste Wert seit elf Monaten. Innerhalb von zwei Wochen ist der Preis damit um 15% bzw. 1.800 USD gestiegen. Neue Nachrichten zum Nickelmarkt gab es in den letzten Tagen allerdings keine. Wir führen den Anstieg daher auf technische und spekulative Käufe zurück, nachdem die 200-Tage-Linie gehalten hat und auf dem Weg nach oben mehrere charttechnisch und psychologisch wichtige Marken überwunden wurden. An der SHFE in Shanghai verlief die Preisentwicklung zuletzt ähnlich. Dort kostet heute eine Tonne Nickel umgerechnet knapp 16.000 USD.

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