16.05.2018 14:12:29

Ausverkauf bei Edelmetallen

Energie: Der Brentölpreis fällt am Morgen unter 78 USD je Barrel. Gestern Nachmittag wurden in der Spitze 79,5 USD erreicht. Der Preisrückgang wurde durch einen starken US-Dollar ausgelöst. Hinzu kam ein unerwartet kräftiger Anstieg der US-Rohöllagerbestände in der letzten Woche um 4,9 Mio. Barrel, der gestern Abend nach Handelsschluss vom API berichtet wurde. Die Internationale Energieagentur (IEA) hat ihre Prognose für die weltweite Ölnachfrage in diesem Jahr aufgrund der hohen Preise nach unten revidiert. Gleichzeitig steigt das Nicht-OPEC-Angebot stärker als bislang erwartet. Dadurch sinkt der Bedarf an OPEC-Öl auf 32,25 Mio. Barrel pro Tag (bisherige Schätzung 32,5 Mio. Barrel pro Tag). Der Markt ist somit weniger knapp als bislang unterstellt.
Im Emissionshandel sind laut gestriger Meldung der EU-Kommission gut 1,65 Mrd. Zertifikate im Umlauf, deutlich mehr als die 833 Mio. Zertifikate, die aus „Liquiditätszwecken“ notwendig sind. Damit steht nun fest, dass von Januar bis August 2019 rund 265 Mio. Zertifikate in die Marktstabilitätsreserve zu überführen sind. Aufs Gesamtjahr gerechnet entspräche dies einer Reduzierung der Auktionsvolumina von knapp 950 Mio. auf gut 550 Mio. Zertifikate. Die Gewissheit könnte die stark spekulativ getriebene Rally im CO2-Handel etwas abbremsen: Mit gut 14,5 Euro je Tonne notierte der CO2-Preis zuletzt so hoch wie im Sommer 2011. Zusätzlich bedingt durch die wieder massiv teurere Kohle ist der Phelix-Future für Grundlast im nächsten Kalenderjahr auf gut 41,5 Euro je MWh geklettert, den höchsten Stand seit Frühjahr 2013.

Edelmetalle: Der Goldpreis ist gestern um fast 2% eingebrochen und auf 1.290 USD je Feinunze abgestürzt. So niedrig notierte Gold zuletzt Ende Dezember letzten Jahres. Preisbelastend waren eine Aufwertung des US-Dollar auf das höchste Niveau seit fast fünf Monaten in Kombination mit dem Anstieg der Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen auf das höchste Niveau seit knapp sieben Jahren. Zusätzlich verstärkt wurde der Verkaufsdruck durch das Durchbrechen wichtiger charttechnischer Marken wie der 200-Tage-Linie bei 1.307 USD und der psychologisch wichtigen Marke von 1.300 USD. Im Schlepptau von Gold gaben auch die anderen Edelmetalle um 1,5% nach. Im Gegensatz zu Gold handeln sie aber weiterhin über den 2018er-Tiefs, Silber und Platin aber nur noch knapp darüber. Wir sehen das weitere Abwärtspotenzial bei Gold als begrenzt an. Die Spekulanten sind bereits deutlich skeptischer geworden. Die Netto-Long-Positionen lagen schon vor dem jüngsten Preisrutsch auf dem niedrigsten Stand seit letztem Sommer. Der Verkaufsdruck von dieser Seite sollte daher nachlassen. Das niedrige Preisniveau sollte dafür physisches Kaufinteresse anregen. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten (gewalttätige Proteste in Gaza, Unsicherheit über das iranische Atomabkommen) sprechen ebenso für eine solide Nachfrage nach Gold als sicheren Hafen wie der erneut aufflammende Korea-Konflikt. Nordkorea hat ein für heute angesetztes hochrangiges Treffen mit Südkorea kurzfristig platzen lassen. Zudem steht der für in einem Monat geplante Gipfel zwischen Nordkoreas Machthaber Kim und US-Präsident Trump in Frage.

Industriemetalle: Der Zinkpreis ist von seinem 10-Jahreshoch bei knapp 3.600 USD je Tonne im Februar mittlerweile stark gefallen und notiert derzeit nur knapp über der wichtigen Marke von 3.000 USD. Begleitet wurde der Rückgang vom zunehmenden Pessimismus der chinesischen Händler, die ihre Zinkraffinade-Importe im März stark zurückgefahren haben. Für zusätzliche Skepsis sorgt die Terminkurve bei Zink: Die mittelfristigen Terminkontrakte an der LME notieren mittlerweile höher als der Kassakurs, sprich die Terminkurve befindet sich im Contango. Zu Beginn des Jahres herrschte am Zinkmarkt noch die spiegelbildliche Situation, d.h. die Terminkurve war massiv fallend (Backwardation). Contango ist häufig ein Hinweis auf eine gute Versorgungslage, was im Kontrast zu den jüngsten Äusserungen der International Lead & Zinc Study Group (ILZSG) steht. Denn die ILZSG hat auf ihrer Frühjahrstagung ein Angebotsdefizit von 263 Tsd. Tonnen für dieses Jahr vorausgesagt, wobei für die anhaltenden Angebotsengpässe nicht wie in den Vorjahren ein geringeres Angebot ausschlaggebend sein soll, sondern eine gute Nachfragedynamik. Wie man jedoch aus China hört (z.B. SMM), sind die Fundamentaldaten bei Zink derzeit eher schwach. Der kurzfristige Preisausblick ist also eher eingetrübt, vor allem wenn man den bereits aktuell hohen Optimismus der Investmentfonds bei Zink an der LME berücksichtigt. Denn diese sind meist nicht langfristig positioniert und könnten den Verkaufsdruck erhöhen, wenn z.B. die Marke von 3.000 USD je Tonne unterschritten wird.

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