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Streit bahnt sich an 25.11.2021 17:59:00

VW-Aktie stabil: Neue Wahlliste im VW-Betriebsrat für Diess und gegen Cavallo - Top-Entwickler von Apple und BMW für Batteriesparte

VW-Aktie stabil: Neue Wahlliste im VW-Betriebsrat für Diess und gegen Cavallo - Top-Entwickler von Apple und BMW für Batteriesparte

Im sonst so vereint erscheinenden Betriebsrat von Volkswagen deutet sich ein möglicher Konflikt über den Kurs der neuen Vorsitzenden Daniela Cavallo an.

Wenige Monate vor den nächsten Wahlen für die Belegschaftsvertretung im Frühjahr 2022 will eine Gruppe gegen die tonangebende Fraktion der IG Metall antreten. Die Gründer der Liste "Wir für Euch" wandten sich am Mittwoch auch an die VW-Hauptaktionäre der Familien Porsche/Piëch sowie an Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). In einem Brief äusserten sie scharfe Kritik an der Haltung der Betriebsratsführung. Ausserdem gab es - eher ungewöhnlich - lobende Worte für den ebenso umstrittenen Konzernchef Herbert Diess.

In dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag, greifen die Betriebsräte Norbert Lem und Michael Maginski die Spitze der Arbeitnehmerbank um Cavallo scharf an. Man wolle die Grosseigentümer "aus gegebenem Anlass" darauf aufmerksam machen, dass man den "rufschädigenden und aktienkursbeeinflussenden Irrweg des aktuellen Betriebsrates nicht mehr mittragen" könne. Demnach werde der Eindruck erweckt, die Kolleginnen und Kollegen stünden überwiegend nicht mehr hinter Diess - das sei "in weiten Teilen negativ konstruiert".

Lem sagte der dpa, offensichtlich wollten gewisse Kreise den VW-Chef so rasch wie möglich abgelöst sehen. "Aber der Rückhalt für Diess ist auch bei vielen Mitarbeitern durchaus hoch, und viele finden seinen Kurs richtig." Die Kritik an ihm werde allzu pauschal dargestellt.

Diess ist vonseiten der Betriebsratsführung erneut unter Beschuss, seitdem er im September über umfangreichen Stellenabbau spekulierte. Besonders verärgert gab sich Cavallo allerdings darüber, dass der Vorstandsvorsitzende schon zuvor - an der Belegschaftsvertretung vorbei - Sparvorschläge von anderen Managern eingeholt haben soll.

In einer Betriebsversammlung, die Diess zunächst nicht besuchen wollte, attackierte sie ihn gerade vor Zehntausenden Beschäftigten. Auch SPD-Regierungschef Weil, der für das Land Niedersachsen die Kapitalseite im Aufsichtsrat mit vertritt, aber tendenziell mit den Arbeitnehmern abstimmt, deutete seine Unzufriedenheit an. Es gebe bei Volkswagen eine grosse "Verunsicherung, die überall um sich greift".

Laut den "Wir für Euch"-Gründern soll der Betriebsrat auch unter Cavallos Vorgänger Bernd Osterloh indes nicht immer so klar für die Belange des VW-Stammwerks eingetreten sein, wie er das öffentlich darstellte. So sei in der Auseinandersetzung über ein Elektromodell für den Hauptsitz nicht allein das Management Schuld daran gewesen, dass etwa die ID-Baureihe zunächst im sächsischen Zwickau angesiedelt wurde. Die Entscheidung gegen ein E-Auto für Wolfsburg sei letztlich "durch den Betriebsrat getroffen worden", behaupten Lem und Maginski.

Aus der aktuell amtierenden Mitarbeitervertretung hiess es, dieser Vorwurf sei nicht zu halten. Es habe sich damals primär um die Frage gedreht, ob VW seine ersten E-Fahrzeuge im Volumensegment überhaupt in Deutschland starten lassen könne. Zwickau sei ein Kompromiss gewesen, für den sich der Betriebsrat klar eingesetzt habe.

2026 soll in Wolfsburg das zentrale Elektro-Projekt Trinity anlaufen - voraussichtlich in einer neuen Fabrik. In ihrer Rede bei der letzten Betriebsversammlung betonte Cavallo: "Wir hatten ein Elektromodell für Wolfsburg vereinbart, dann sollten die E-Modelle jedoch an einem Standort, nämlich in Bratislava, gebündelt werden. Damit die Arbeitsplätze in Deutschland bleiben, haben wir als Betriebsrat durchgesetzt, dass die Produktion in Zwickau konzentriert wird."

Im Frühling werden bei VW neue Betriebsräte gewählt. Die IG Metall dominiert traditionell, derzeit stellt sie 66 der 75 Mandatsträger. Daneben gibt es zwei kleinere Gruppen und einen Einzelkandidaten. Der Organisationsgrad der Gewerkschaft im Unternehmen ist sehr hoch. Zudem sitzt sie an entscheidenden Schaltstellen im VW-Aufsichtsrat.

Diess hatte nach einem früheren Machtkampf mit dem Betriebsrat im vorigen Jahr erklärt, "verkrustete Strukturen" bei VW aufbrechen zu wollen. Er sei fest überzeugt, "dass uns die Transformation gelingen wird. Trotz der starken Unternehmenskultur von Volkswagen." Nach dem Antritt Cavallos im vergangenen Mai entspannte sich der Ton zwischenzeitlich etwas - bis zur erneuten Eskalation im September.

Die IG-Metall-Fraktion im Betriebsrat hat in der Vorbereitung der Wahlen drei Personen ausgeschlossen. Zu ihnen gehört Lem. Als Grund wurde angegeben, er habe sich nicht zur neuen Nominierung geäussert. Fraktionssprecher Jürgen Hildebrandt sah dies als Pflichtverletzung: "Die Chance, sich vor den Kolleginnen und Kollegen zu erklären, liessen alle drei ungenutzt. Ohne diese Ehrlichkeit und Offenheit gibt es keine Basis für eine weitere Zusammenarbeit."

VW holt für Batteriesparte Top-Entwickler von Apple und BMW

Für den milliardenschweren Ausbau seines Batteriegeschäfts hat der Volkswagen-Konzern weitere Führungskräfte bei Rivalen aus der Tech- und Autobranche abgeworben. Unter anderem heuert der Batterie-Entwicklungschef von Apple, Soonho Ahn, bei den Wolfsburgern an. Wann genau der Südkoreaner beim grössten europäischen Fahrzeughersteller startet, ist aber noch nicht klar. VW bestätigte die Top-Personalie am Donnerstag auf Anfrage. Beim Konkurrenten BMW gehen die Niedersachsen ebenso auf Expertenfang. Von dort soll Jörg Hoffmann kommen, zuletzt spezialisiert auf Feststoffzellen-Technik. Zuvor hatte auch das "Manager-Magazin" über die Wechsel berichtet.

Vor allem die Verpflichtung Ahns wird sowohl in der IT- als auch in der Autoindustrie Aufsehen erregen. VW-Konzernchef Herbert Diess sieht in den amerikanischen und asiatischen Technologieriesen die im Kern wichtigsten Wettbewerber der nächsten Jahre bei der weiteren Vernetzung der Mobilität und beim autonomen Fahren. Aber auch die weitere Optimierung der Batterietechnik und der Bau eigener Zellwerke gelten als entscheidende Kompetenzen - zumal im Wettrennen mit Tesla . Im September hatte Volkswagen gerade erst Sebastian Wolf vom chinesischen Batteriezellproduzenten Farasis engagiert.

Im Fall von Apple kommt hinzu, dass das geheimnisumwitterte eigene Autoprojekt "Titan" die traditionellen Hersteller unter Druck setzt. Die Kalifornier sollen zudem ein Auge auf die südkoreanischen Anbieter Kia und Hyundai geworfen haben, die sie bei der weiteren Entwicklung eines "iCar" unterstützen könnten. Ahn arbeitete unter anderem auch bereits in führenden Rollen bei Samsung und LG.

Volkswagen will in Europa zunächst sechs eigene Batteriezellfabriken bauen. Neben Salzgitter ist Skellefteå in Nordschweden schon gesetzt, ein dritter Standort in Spanien hat gute Chancen. Betriebsräte setzen sich ausserdem für ein weiteres deutsches Zellwerk ein. Laut Branchenkreisen sollen dabei auch Sachsen und Niedersachsen im Rennen sein, überdies werden Standorte in Osteuropa geprüft. VW kooperiert mit Partnern wie Northvolt aus Schweden oder Gotion aus China.

Bei der aktuell dominanten Akkutechnik übernehmen Lithium-Ionen den Ladungstransport zwischen den Zell-Elektroden. Das Alkalimetall ist aber - wie andere Batterierohstoffe - oft knapp und muss erst selbst wasser- sowie energieintensiv gewonnen werden. In Feststoffbatterien werden zwischen den Polen beispielsweise Keramikelemente eingesetzt.

Ziele sind höhere Reichweiten und ein schnelleres Laden. Im Feststoff- Bereich hat VW in die US-Firma Quantumscape investiert - auch hier wird ein mögliches Zellwerk in Salzgitter erwogen. Ein Börsengang der Batteriesparte gilt als denkbare Option für die weitere Finanzierung.

Im XETRA-Handel standen die Vorzugsaktien von VW letztlich marginale 0,01 Prozent tiefer bei 172,36 Euro.

/jap/DP/he

WOLFSBURG (awp international)

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