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Volkswagen Aktie 352781 / DE0007664039

Hohe Produktionskosten 13.07.2026 12:14:00

VW-Aktie fester: Chef Blume sieht "intelligentere Lösungen, als Werke zu schliessen"

VW-Aktie fester: Chef Blume sieht

Nach den Medienberichten über die Streichung von mehr als 100'000 Stellen geht in der Belegschaft von Volkswagen die Angst vor der Schliessung von ganzen Standorten um.

Nun meldete sich Konzernchef Oliver Blume im Ringen um die Zukunft von Deutschlands grösstem Automobilhersteller zu Wort: Er sieht Alternativen zu Fabrikschliessungen. "Es gibt intelligentere Lösungen, als Werke zu schliessen", sagte Blume der "Bild am Sonntag".

Ein Sparprogramm an den deutschen Produktionsstandorten zeige bereits Wirkung: "Unsere Fabrikkosten in Deutschland konnten wir allein im vergangenen Jahr um durchschnittlich 20 Prozent verbessern. Ein starker Fortschritt", sagte er.

Die Äusserungen kommen wenige Tage nach der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag, bei der Blume einem Medienbericht zufolge mit einem weitergehenden Sparpaket gescheitert sein soll.

Vorstand will weiter umbauen

Was konkret im abgelehnten Sparpaket steht, ist bisher nur aus Medienberichten bekannt. Laut "Manager Magazin" könnten bis zu 100'000 Stellen weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant. Laut "Bild" könnten es sogar 120'000 sein. Vier Werke des VW-Konzerns in Deutschland sind zudem von Schliessung bedroht: Hannover, Emden, Zwickau und das Audi-Werk in Neckarsulm.

VW äusserte sich am Freitag nicht zu einzelnen Abstimmungen im Aufsichtsrat. Blume betonte aber, der Vorstand treibe die Transformation weiter voran. "Mit unserem Zukunftsplan stellen wir den Konzern auch in einem global massiv herausfordernden Umfeld noch robuster und wettbewerbsfähiger auf."

Zukunft Elektroflotte, aber schlechte Weltlage

Hoffnung mache die neue Elektroflotte, sagte Blume der "Bild am Sonntag": "Von unserer neuen Einstiegsfamilie um den ID. Polo haben wir über 50'000 Autos in den ersten vier Wochen verkauft. Wir sind klarer Marktführer in Europa - bei Verbrennern und vollelektrischen Fahrzeugen." Sorgen bereitet dem VW-Chef die Weltlage: "Unser Umfeld war noch nie so anspruchsvoll und risikobehaftet wie heute. Geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren, Regulatorik, Marktumbrüche und intensive Konkurrenz."

Blume fordert weitere Einschnitte und eine Verkleinerung der Produktpalette des Konzerns: "Unsere Produkte sind sehr beliebt - wir verdienen nur zu wenig Geld damit. Deshalb müssen wir unsere Kosten weiter reduzieren. In allen Kostenarten." Zukünftig wolle man den Absatz pro Modell steigern. "Dafür straffen wir konsequent unser Produkt-Portfolio." Gleichzeitig nimmt er die Politik in die Pflicht: "Uns geht es dabei immer auch um den Industriestandort Deutschland. Alle müssen anpacken." Transformation sei eine gesellschaftliche Gemeinschaftsaufgabe.

Vertrauensverlust bei Beschäftigten

Einen grossen Vertrauensverlust in der Belegschaft hat unterdessen der Betriebsrat nach dem Verstreichen eines Ultimatums an die Konzernspitze ausgemacht. Man habe registrieren müssen, dass Blume am Freitag das Management über Details sowohl zum wahrscheinlichen Aus für deutsche Fabriken als auch zu einem massiv ausgeweiteten Stellenabbauziel informiert habe. "Wir verurteilen scharf, dass er gleichzeitig den zehntausenden betroffenen Beschäftigten ausserhalb des Managements diese Informationen weiterhin vorenthält", hiess es am Samstag.

Der Betriebsrat hatte Blume ein Ultimatum bis Freitag gestellt, Stellung gegenüber der Belegschaft zu beziehen. In der Konsequenz werde der Konzernchef nach der Sommerpause in Betriebsversammlungen direkt vor den Kolleginnen und Kollegen nicht nur im Stammwerk Rede und Antwort stehen müssen. "Dabei wird das Hauptaugenmerk der Belegschaft darauf liegen, ob der Vorstand diese Krise mit notwendigen Massnahmen überhaupt gemeinsam mit den Beschäftigten meistern will oder gegen sie", hiess es weiter. Schon am Donnerstag hatte es zahlreiche Protestaktionen gegeben.

Wie die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf Konzernkreise berichtet, stimmten die Vertreter der Arbeitnehmer und des Landes Niedersachsen gegen das Sparpaket. Da derzeit ein Sitz der Kapitalseite unbesetzt ist, haben Arbeitnehmer und Niedersachsen zusammen eine Mehrheit von zwölf zu sieben Stimmen im Aufsichtsrat. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass das Land keiner Entwicklung zustimmen werde, "die auf Werksschliessungen als vermeintlich einfache Lösung setzt".

Die jüngsten Äusserungen des VW-Chefs habe man zur Kenntnis genommen, hiess es von einem Sprecher des Betriebsrates am Sonntag. Für Beschäftigte, Zulieferer, Dienstleister und ganze Standortregionen, die am grössten Industriekonzern Deutschlands hingen, sei inzwischen eine schwer erträgliche Situation entstanden: "Insbesondere für unsere mehr als 40'000 Kolleginnen und Kollegen an den namentlich seit Wochen bekannten fünf Standorten Emden, Hannover, Neckarsulm, Osnabrück und Zwickau, deren früher oder später drohendes Aus seit Wochen die Schlagzeilen beherrscht, ist dieser Zustand schlicht nicht mehr auszuhalten".

Schlechtere Verkaufszahlen - Sorge um Absatz in China

Die Absatzzahlen des Konzerns zeigen, wie schwer es der Konzern derzeit hat. Weltweit verkaufte der Konzern aus Wolfsburg im zweiten Quartal 2,08 Millionen Autos. Das waren fast 9 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Der Rückgang beschleunigt sich damit: Von Januar bis März stand noch ein Minus von 4 Prozent. Vor allem in China lief es schlecht: Dort brachen die Verkäufe um mehr als ein Drittel ein - auf nur noch 424'300 Fahrzeuge.

Zudem sorgt sich die deutsche Autoindustrie, dass die Chinesen auch bald auf dem europäischen Markt Wirbel machen. Angesichts des derzeit schwachen Marktumfelds in der Volksrepublik versuchen die dortigen Hersteller, ihre Autos verstärkt im Ausland abzusetzen - zuletzt hatten sie sich schon in Märkten wie Italien, Spanien und Grossbritannien mit Plug-in-Hybriden zunehmend breitgemacht.

Experte Dudenhöffer fordert Ende der 35-Stunden-Woche bei VW

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert angesichts der Krise der deutschen Autoindustrie eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich bei Volkswagen. Damit könne man "das Problem der hohen Produktionskosten" zumindest teilweise lösen, sagte der Leiter des privaten Instituts Center Automotive Research (CAR) der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

"Schmeissen wir die Tarifautonomie weg für ein paar Jahre!", sagte Dudenhöffer und forderte Politik, Gewerkschaften und Unternehmen zu gemeinsamen Gesprächen auf. "Die Mitarbeiter müssen verzichten." Deutschland habe sich zu viel Wohlstand geleistet, während der internationale Wettbewerb stärker geworden sei.

"Müssen uns wahnsinnig anstrengen"

Trotz der aktuellen Schwierigkeiten sieht der Ökonom aber Chancen für die deutschen Autobauer. "In fünf bis sieben Jahren könnte es einen Aufschwung geben", sagte er. "Die Zeit davor wird aber richtig hart, wir müssen uns wahnsinnig anstrengen."

Den Vorwurf, die Hersteller hätten die Elektromobilität verschlafen, wies der Autoexperte zurück: "VW war der erste europäische Hersteller, der in ein reines E-Auto-Werk investiert hat." Zudem zeige etwa die Marke Skoda, dass man fortschrittliche, wettbewerbsfähige Fahrzeuge bauen könne. "Skoda kann's - also ist der Generalverdacht, die Autobauer hätten etwas verpennt, falsch."

Kritisch bewertete Dudenhöffer die fehlenden konkreten Ergebnisse der jüngsten VW-Aufsichtsratssitzung. "Die Unsicherheit bleibt, was nicht gut ist für Kunden, Mitarbeiter und Kapitalgeber", sagte er.

VW-Chef nennt erstmals Zahl: Bis zu 50'000 Jobs bedroht

Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume hat erstmals das mögliche Ausmass der erwarteten Einschnitte bei Europas grösstem Autobauer genannt. Ohne Veränderung der Arbeitskosten würde sich eine Grössenordnung von rund 50'000 Stellen weltweit ergeben, sagte er einem internen Interview im Volkswagen-Intranet zufolge, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Zuvor hatte der "Spiegel" berichtet. 

Diese Zahl ergibt sich laut Blume aus dem Vorhaben, die Kosten für Verwaltung, Infrastruktur und Unterstützung des Kerngeschäfts auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu senken. Die entsprechenden Kosten lägen bei Volkswagen noch um 20 Prozent über dem Durchschnitt vergleichbarer Unternehmen. Das bedeute, dass "eine theoretische Ableitung ohne Veränderung der Arbeitskosten rund 50'000 Stellen weltweit ergeben" würde.

Derzeit werde in allen Marken, Gesellschaften und Regionen ermittelt, welche Anpassungen nötig und möglich seien. Personalkosten ergäben sich neben der Zahl der Beschäftigten aus den Arbeitskosten. "Diesen Hebel müssen wir ebenfalls ziehen", sagte er und deutete damit an, dass der genaue Personalabbau noch nicht feststehe.

Via XETRA steigt die VW-Aktie zeitweise um 0,14 Prozent auf 71,08 Euro.

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