Volksinitiative 25.03.2014 14:03:03

Vollgeld-Reform wäre schwer kontrollierbar

Vollgeld-Reform wäre schwer kontrollierbar

Eine solche Reform, wie sie in einer geplanten Volksinitiative propagiert wird, brächte nach Ansicht von Avenir Suisse "mehr Risiken als Chancen". Es drohe ein irreversibler Schaden.

Die Vollgeld-Einführung wäre "ein höchst komplexer, aufwändiger und risikoreicher Umbau der Finanzordnung mit völlig ungewissem Ausgang", lautet die Schlussfolgerung einer Analyse von Avenir Suisse, die am Dienstag in Zürich präsentiert wurde.

Es bestehe die Gefahr, dass die Reform schon lange vor dem Stichtag der Einführung Erschütterungen des Finanzmarktes auslösen würde. Beunruhigend sei zudem, dass sie auch praktisch nicht mehr rückgängig gemacht werden könnte.

Besser als eine Reform, die an den Grundfesten der Geldordnung rühre, seien kontrollierte und schrittweise Stabilisierungsmassnahmen wie etwa eine Erhöhung der Eigenkapitalquote der Banken, sagte Jörg Baumberger, Mitautor der Analyse, vor den Medien.

VOLLGELD "WELTWEIT ERSTMALS AUF POLITISCHER AGENDA"

Die Vollgeld-Idee sei mehr als 80 Jahre alt und komme mit der Volksinitiative des Vereins Monetäre Modernisierung weltweit erstmals ernsthaft auf die politische Agenda.

Sie will erreichen, dass Geschäftsbanken nicht mehr die Geldmenge vermehren können, indem sie Kredite vergeben, denen keine direkte Einzahlung in "Zentralbank-Geld" entspricht. Sie sollen also nur "richtige" Einlagen - also Spargelder - ausleihen können. Die Geldschöpfung müssen der Nationalbank vorbehalten bleiben.

Während und nach Krisen hätten Reformvorschläge stets Hochkonjunktur, so auch bei der "noch längst nicht ausgestandenen Finanz- und Schuldenkrise", sagte Baumberger.

Die Vollgeld-Reformer wiesen auf tatsächliche Schwächen des heutigen Finanzsystems hin. So könne beispielsweise eine Universalbank mit geringer Basisgeldreserve unter ungünstigen Umständen bei einem geringfügig erhöhten Einlagenrückzug Liquiditätsprobleme bekommen.

Die Schwächen liessen sich aber durch steuerbare schrittweise Reformen zuverlässiger beheben als durch einen gigantischen Totalumbau mit ungewissem Ausgang. Im heutigen Geldsystem verfüge die Nationalbank auch über alle Instrumente, um die Geldschöpfung der Geschäftsbanken zu begrenzen - wenn sie dies wolle, sagte Baumberger.

Zürich (awp/sda) - rt

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Bildquelle: Keystone

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