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16.07.2012 14:08:32

UPDATE: Deutsche Bank wird Kronzeuge im Libor-Skandal - Kreise

   -- Deutsche Bank hat laut Kreisen Kronzeugen-Status beantragt

   -- EU-Kommission lehnt Kommentar ab

   (Neu: Weitere Details, Hintergrund, EU-Kommission)

   Von Eyk Henning und Ulrike Dauer

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   FRANKFURT--Im Skandal um die Manipulation des Interbankenzinssatzes Libor richtet sich das Interesse nun auf die Deutsche Bank. Das Institut habe den Kronzeugenstatus in der EU und in der Schweiz erhalten, sagten zwei mit den Vorgängen vertraute Personen. Das sei aber nicht mit einem Schuldeingeständnis gleichzusetzen, so eine der Personen.

   Derzeit untersuchen Behörden diesseits und jenseits des Atlantiks mögliche Manipulationen des Schlüsselzinses Libor (London Interbank Offered Rate), der einmal täglich ermittelt wird und anzeigt, zu welchen Konditionen sich die Institute untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Banken und dient als Basis für die Kreditvergabe.

   Im Visier der Fahnder stehen ausser der Deutschen Bank weitere rund 20 Finanzkonzerne. Sie würden verdächtigt, zwischen 2005 und 2011 den Libor durch falsche Angaben beeinflusst zu haben, hatte Der Spiegel berichtet. Eine der informierten Personen sagte Dow Jones, die Deutsche Bank habe bereits im vergangenen Jahr den Kronzeugenstatus beantragt und auch gewährt bekommen.

   Ein Sprecher der EU-Kommission wollte nicht bestätigen, dass Banken im Rahmen der Libor-Untersuchungen Kronzeugenstatus beantragt haben. Er lehnte ebenfalls jeden Kommentar dazu ab, ob ein Kronzeuge der Auslöser für eine Untersuchung der EU war, oder die Ermittlungen auf der eigenen Marktanalyse der Wettbewerbshüter beruhen. Auch die britische Finanzaufsicht wollte Untersuchungen gegen die Deutsche Bank oder eine mögliche Immunität für das Institut nicht kommentieren.

   An Kartellen beteiligte Unternehmen haben in der EU durch die Kronzeugenregelung die Möglichkeit, ihre Strafe deutlich zu reduzieren oder gar komplett straffrei davonzukommen. Letzteres kann dann gewährt werden, wenn ein Unternehmen entweder die Wettbewerbshüter auf ein Kartell aufmerksam macht und gleichzeitig genügend Informationen liefert, welche Durchsuchungen bei den Verdächtigten rechtfertigt. Oder aber das Unternehmen liefert in einer laufenden Kartelluntersuchung Beweise für einen Verstoss gegen die Wettbewerbsregeln.

   Obwohl den Behörden offenbar schon seit Jahren mögliche Manipulationen des Libor-Satzes bekannt sind, hat die Affäre erst vor einigen Wochen mit den Vorgängen bei der britischen Barclays Fahrt aufgenommen. Nachdem die Bank von der britischen und US-amerikanischen Finanzaufsicht zu einer Geldstrafe von 450 Millionen US-Dollar verdonnert worden war, ergriff das traditionsreiche Geldhaus die Flucht nach vorne.

   Die Bank veröffentlichte Memos aus dem Jahr 2008. Die lassen den Schluss zu, dass die Notenbanker die Geldhäuser aufgefordert haben, nicht die tatsächlichen Refinanzierungskosten im Interbankenhandel an den Bankenverband zu melden, sondern niedrigere. Die Bank of England bestreitet die Vorwürfe. Verschiedene ehemalige Führungskräfte der Bank, darunter der Chef Robert Diamond, haben im Zuge des Skandals ihren Hut genommen.

   Wie sich weiter herausstellte, waren die britischen Notenbanker schon im Jahr 2008 von ihren New Yorker Kollegen der Federal Reserve davor gewarnt worden, die Geldinstitute zu Falschauskünften über Interbank-Zinsen zu ermutigen. Das geht aus einer privaten Notiz hervor, die US-Finanzminister Timothy Geithner vor vier Jahren an die Bank of England schrieb.

   --Gabriele Steinhauser hat zu diesem Bericht beigetragen.

   Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

   DJG/DJN/bam/mgo/jhe

   (Mehr zu diesem Thema und weitere Berichte und Analysen zu aktuellen Wirtschafts- und Finanzthemen finden Sie auf www.WSJ.de, dem deutschsprachigen Online-Angebot des Wall Street Journal.)

   (END) Dow Jones Newswires

   July 16, 2012 07:37 ET (11:37 GMT)

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